Journal Montag, 25. April 2016 – Schneegestöber und vietnamesischer Reinfall

Dienstag, 26. April 2016 um 7:06

Ich war froh, dass ich den Wintermantel am Samstag nicht in die Reinigung gebracht habe (nicht aus Hellseherinnentum, sondern weil ich beschlossen hatte, dass er sauber genug ist, ohne Reinigung eingewintert zu werden). Ist vermutlich das Pendant zur Freude von Autobesitzerinnen, die Winterreifen noch nicht ausgewechselt zu haben.

Während meiner morgendlichen Bauchübungen sah ich einzelne Schneeflocken, solche begleiteten mich auch auf dem Fußweg in die Arbeit. Kaum im Büro angekommen, wurde es ernst: Schneesturm.
Im Lauf des Tages dann immer wieder Phasen mit dichtem Schneefall, von Weihnachtsqualität bis Pistensegen.

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Vormittags.

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Nachmittags.

Nach Feierabend kaufte ich mir für den Urlaub dann doch eine Wanderhose, die auch so heißt. Zum Glück passte mir eine, die weder in tödlichem Beige1 gehalten war, noch mit albernen Reißverschlüssen und Taschen ausgestattet. Die beiden Bändel und die eine Tasche, die ich mir nicht erklären konnte, ließ ich mir von einem Verkäufer vorführen und verstehe sie jetzt. Nun fürchte ich mich nur noch vor dem Geräusch der Plastik-bekleideten Oberschenkel beim Gehen, vor dem Swisch, Swisch von Synthetik auf Synthetik.

Abends Verabredung mit einer ehemaligen Arbeitskollegin in einem kleinen vietnamesischen Restaurant. Die Begegnung und das Gespräch freuten mich sehr, doch das Lokal streiche ich schleunigst von meiner Empfehlungsliste: Ich zahlte 18 Euro für ein kleine Schüssel Reisnudeln in purer Fischsoße schwimmend mit ein paar gegrillten Tintenfischringen, wir warteten anderthalb Stunden auf unser Essen, mussten unsere Getränke auf Englisch bestellen, weil die Aushilfsbedienung (frisches Getränk servieren, ohne das leere Glas mitzunehmen?) kaum Deutsch verstand, konnten unser Gespräch ein paar Mal nur schreiend fortsetzen, weil einer der erstaunlich vielen mitgebrachten Hunde offensichtlich nicht Restaurant-tauglich war und mehrfach das Glockenbachviertel zusammenbellte.
Aber das Schöne an München ist ja, dass nicht nur kein Mangel an verlässlich guten Lokalen besteht, sondern dieses auch in der Nische der vietnamesischen.

  1. Zitat einer der Protagonistinnen des Blogs Advanced Style: “Beige kills.” []
die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Montag, 25. April 2016 – Schneegestöber und vietnamesischer Reinfall“

  1. Trulla meint:

    Erlebnis im Achterland von Usedom, ein wunderschönes Gartenrestaurant neben anderen Ausflugslokalen, in dem mein Mann und ich sehr gut gegessen hatten.
    Ein Reisebus kam an, unsere Kellnerin mit schnellem Dreh zur Kollegin: “Achtung, die Beigen kommen!” Irgendwie lustig in der Präzision der Aussage, aber man könnte das auch unter Diskriminierung einordnen. Wenn es denn so gemeint sein sollte. Auf jeden Fall sollte es nicht die Ohren anderer älterer Gäste wie uns erreichen.

    Und obwohl ich selbst auch diese Farbe meide, fühlte ich mich sofort solidarisch mit den doch zumeist älteren Teilnehmer/innen einer solchen Tour. Ist es nicht besser, sich auf diese Weise überhaupt noch in der Welt zu bewegen als zu Hause einsam und ereignislos hinter dem Ofen zu hocken?

  2. Nicole meint:

    War es denn dieselbe Getränkesorte? Dann nämlich ist es ja durchaus sinnvoll, das benutzte Glas weiterzuverwenden, so rein ökologisch…

  3. die Kaltmamsell meint:

    Nein, war es nicht, Nicole – und selbst wenn ich den gleichen Cocktail nochmal bestellt hätte, hätte ich mir dafür ein frisches Glas und einen frischen Minzzweig erbeten.
    Ich gestehe aber gerne, dass mir Bedienungen, die Wege mit leeren Händen machen, mehr auffallen als einer, die selbst noch nie bedient hat.

    Mir ist nicht klar, wie farblose Kleidung und Bewegungsfreude einander bedingen, Trulla.

  4. Sanddorndiva meint:

    Es könnten aber auch Getränke, die im Glas serviert wurden, gewesen sein.

  5. Trulla meint:

    Lesen Sie das heraus aus meinem Erlebnis, Frau Kaltmamsell? Da habe ich mich wohl sehr schlecht ausgedrückt.

  6. Buchfink meint:

    Sie werden sich noch über Ihre Plastikhosen freuen. Ich habe seit einigen Jahren auch eine, die Nordsee-erprobt ist. Zugegeben, sie werden auch naß, aber trocknen sehr schnell. Wer je mit nassen Jeans gewandert ist, weiß, wie gräßlich das ist.

  7. Anne meint:

    “Am meisten deprimierte mich der Gedanke, dass unter diesen Rentnerinnen auch welche sein mussten, die nicht langweilig oder öde gewesen waren in ihrer Jugend. Die schön waren, die Jahrgangsschönsten, die, in die alle verliebt gewesen waren, und wo vor siebzig Jahren jemand auf seinem Indianerturm gesessen hat und aufgeregt war, wenn nur das Licht in ihrem Zimmer anging. Diese Mädchen waren jetzt auch beige Rentnerinnen, aber man konnte sie von den anderen beigen Rentnerinnen nicht mehr unterscheiden.” Tschick, Kapitel 23
    (deprimierend, dass Herrndorf kein Rentner werden durfte, ob beige oder bunt)

  8. Fabian meint:

    Als Restaurantempfehlung: RICE – in der Kohlstraße 2, Nähe Gärtnerplatz….
    Toller Vietnamese…

  9. Julia meint:

    “Jasmin” in der Lindwurm- / Höhe Poccistraße. Familiengeführt und hervorragend! Sowohl von der Küche als auch der Gastlichkeit her. Wir lebten seinerzeit vis-a-vis und waren 1-2 x pro Woche dort. Ein Highlight, das bisher auch allen gefiel, die wir mit dorthin nahmen… Gute Restaurants, also WIRKLICH gute, sind leider rar gesät. Umso ärgerlicher, wenn man Geld und Zeit an ein mittelmäßges/unterirdisches verplempert.

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