Journal Samstag, 12. November 2016 – #12von12

Sonntag, 13. November 2016 um 9:13

Das Fotoprojekt #12von12: Am 12. eines Monats über den Tag Fotos machen, mit 12 davon im Blog den Tag dokumentieren. Hier werden die Teilnahmen gesammelt.

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Ausgeschlafen. Da ich in der Nacht zuvor lediglich den Tisch abgedeckt und in Standardform gebracht hatte (von oval zu rund) sowie die Geschirrspülmaschine befüllt und angeschaltet, sah die Küche noch sehr nach Gästen aus. Mit diesem Rest befasste sich Herr Kaltmamsell (u.a. sind die Goldrandteller nicht Spülmaschinen-tauglich).

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Mein Frühstückskaffee. (Herr Kaltmamsell nimmt seinen an seinem Schreibtisch.)

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Wir hatten den Verdacht, dass die für die Amseln am Balkon ausgelegten Rosinen in den vergangenen Tagen in Krähenmägen verschwunden waren. Den beiden, die auf den Kastanien vorm Balkon saßen, legte ich Erdnüsse aus. Die ersten schnappten sie sich erst, wenn ich nicht mehr im Wohnzimmer war (im Gegensatz zu den anderen Vögeln begreifen die Krähen nämlich das Konzept Fenster und glauben mich nicht verschwunden, wenn ich die Balkontür schließe). Doch schon bei der dritten Runde Erdnüsse auf Balkonsims fürchtete sich zumindest eine der beiden nicht mehr vor mir.

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Buch zwei der Wochenend-SZ. Ich habe den Eindruck, dass die Medien sich in den vergangenen Monaten hauptsächlich mit denen befasst haben, die sie als “vergessen”, “ausgegrenzt”, “abgehängt” bezeichnen – mit bösen weißen Männern. Die faktisch diskriminierten Bevölkerungsgruppen am Rand der Gesellschaft (in USA z.B. schwarze alleinerziehende Mütter, illegal Eingewanderte aus Mexiko) schienen nicht so berichtenswert. Da dies aber ein unbelegter, persönlicher Eindruck ist, misstraue ich ihm (Entscheidungen auf der Basis von Resentiments und Gefühlen sind eben genau keine gute Idee). Kennt irgendjemand Zahlen zur Berichterstattung in den deutschen Medien? Wie oft in welcher Kaufmedienart über welche US-Bevölkerungsgruppe berichtet wurde? Sie würden mich sehr interessieren.

Denn: Mussten diese weißen Männer wirklich Angst haben? Die FAZ beobachtet:
“Die Angst vor der weißen Wut”.

Auch als Präsident Obama gewählt wurde, hatten seine Gegner keine Angst. Ärger, Verachtung und eine Riesenwut, das ja. Aber niemand musste realistischerweise fürchten, ihm würde der Boden unter den Füßen weggezogen. Niemand musste fürchten, seine Art zu leben hätte in den Vereinigten Staaten keinen Platz mehr und dürfte mit keinem Schutz mehr rechnen. Kein mühsam erkämpftes, inzwischen verbürgtes Recht war in Gefahr, wieder entzogen zu werden. Niemand brauchte Angst davor zu haben, wegen seiner Rasse, seiner Herkunft, seiner Religionszugehörigkeit, seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung respektlos behandelt, ausgegrenzt, bedroht zu werden.

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Raus an die Isar zum Laufen. Das Wetter war kalt und düster, doch fürs Gemüt brauchte ich dringend mal wieder entspanntes Traben in schöner Umgebung. Das immer noch leuchtende Restlaub hielt gut gegen den düsteren Himmel an. Leider habe ich davon nur ein Foto, denn mein 100% geladenes Smartphone ging bereits nach 20 Minuten, in denen ich es lediglich zweimal zum Fotografieren aktiviert hatte, wegen Akku leer aus. Ich habe ein Problem.

Auf dem Heimweg lief ich gleich mal beim Apple-Schrauber ums Eck vorbei – und stellte fest, dass er mittlerweile durch einen Friseur ersetzt wurde. Kann ich also erst nächste Woche anpacken.

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Ich hatte Lust auf ein seltenes Vollbad. Bitte beachten Sie: Es handelt sich lediglich um eine perspektivische Täuschung, die das Buch mit Schaum bedroht.

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Auch Frühstück hatte ich mir auf dem Heimweg geholt. Mit der knusprigen Kruste der Ciabatta-Semmel riss ich mir gehörig den Gaumen auf.

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Die Bügelwäsche der vergangenen drei Wochen abgearbeitet (seine Hemden bringt Herr Kaltmamsell in die Reinigung – vier Hemden für acht Euro, selbst käme ich damit nicht mal auf Mindestlohn).

Ich hörte dabei das WDR-Radiofeature
“Spaniens geraubte Kinder”.

Dass im Spanien der Francozeit Regimegegnerinnen systematisch die Kinder weggenommen wurden, meist direkt nach der Geburt, ist ja eh ein immer noch unaufgearbeiteter Skandal. Doch dieses lukrative Geschäft wurde auch nach Ende der Diktatur weitergeführt, die katholische Kirche sorgte dafür. Man schätzt, dass insgesamt 300.000 Kinder betroffen sind. Margot Litten hat recherchiert, warum das bis heute keine rechtlichen Konsequenzen hatte, sprach mit Müttern auf der Suche nach ihren Kindern, mit Kindern, die ihre biologischen Eltern nicht kennen, mit Juristen, die vergeblich versucht haben, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Und wir sprechen hier von einem EU-Staat im 21. Jahrhundert. Als erzählt wurde, wie eine 99-jährige und eine 100-jährige baten, dass ihre DNA archiviert werde, für den Abgleich mit künftigen Funden in Massengräbern, und wie sie abgewiesen wurden, fing ich fast zu weinen an. (Unter anderem weil ich buchstäblich keine Ahnung habe, wie viele Leichen meine eigene spanische Familie im Keller hat. Ich weiß ja nicht mal, auf welcher Seite welche Angehörige meiner Großelterngeneration im Bürgerkrieg gekämpft haben.)

Das Feature weist auch darauf hin, dass die Rolle der katholischen Kirche im spanischen Faschismus bis heute nicht aufgearbeitet ist (war eines meiner Magister-Prüfungsthemen, in den 21 Jahren seither scheint nichts vorangegangen zu sein). Fast nichts ist in Spanien aufgearbeitet: Das Amnestiegesetz, das seinerzeit eine ungehinderte transición in die Demokratie ermöglichen sollte, verhindert das bis heute.

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Wir läuteten den Abend mit Manhattans ein.

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Zum Nachtmahl gab es die Cocido-Reste vom Vorabend.

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Und die Nachtisch-Reste.

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Es gibt Schlafwandler. Und es gibt Zahnputzwandler.

§

“Trump confirms that he just googled Obamacare”.

“I Googled it, and, I must say, I was surprised,” he said. “There was a lot in it that really made sense, to be honest.”

Wann tritt er sein Amt an? 20. Januar? Dann hat er noch gut zwei Monate, sich in die Themen einzulesen, die er für seinen Wahlkampf zerfetzt hat. Prima.

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journal Samstag, 12. November 2016 – #12von12“

  1. Laura meint:

    Ich bin jetzt schon mehrfach über “Trump googelt Obamacare” gestolpert. Der verlinkte Artikel ist doch klar Satire… (“Andy Borowitz is a New York Times best-selling author and a comedian.”)
    Aber beruht der Artikel nun auf einem Funken Wahrheit, oder ist er komplett erfunden?

  2. Hande meint:

    Trump hat schon wirklich gesagt, dass er obamacare nicht komplett abschaffen will: http://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-elections/donald-trump-obamacare-repeals-latest-policies-quote-replacement-president-elect-a7412621.html

  3. Nina meint:

    Ich habe derzeit hin und wieder dasselbe Problem mit meinem iPhone (Akku-Anzeige zeigt bspw. 43% aufgeladen an und iPhone schaltet sich dennoch ab). Ich meine, dass das erst seit dem letzten Update besteht. Aber kann das sein? Bitte berichten Sie, wie es damit bei Ihnen weitergeht. Vielen Dank!
    Außerdem: fellow Zahnputzwandlerin here! Es ist aber doch sonst auch viel zu öde. Rechnen Sie mal aus, wieviel Lebenszeit dabei draufgeht, vor Waschbecken rumzustehen. Das halte ich nicht aus…

  4. Laura meint:

    Oh ja, stimmt, dazu wollte ich mich auch noch äußern. Das scheint leider ein übliches iPhone Problem zu sein, was mit kälteren Temperaturen zusammen hängt. Mit dem iPhone 4 hatte ich das auch schon… mit dem jetzigen iPhone allerdings im letzten Jahr soweit ich mich erinnere nicht. Dieses Jahr aber schon (schon im September, mit deutlichen Plusgraden!), vielleicht hat’s was mit dem Alter des Akkus zu tun?!

  5. Margrit von der OW meint:

    #Trump. Bei dem muss man echt immer Angst haben, dass die Realität die Satire toppt. Danke für den Link.

  6. arboretum meint:

    Haben Sie eigentlich schon den Film “La isla minima” gesehen? Sehr guter Film, großartige Bilder*, kann ich nur empfehlen: Trailer.

    * deshalb sollte man den Film auch auf einer großen Leinwand schauen und nicht am Rechner.

  7. Jennifer meint:

    Hallo,
    ich hatte mein iPhone in der Reparatur wegen des Akkuproblems. Es wurde kein Fehler gefunden, es sei alles in Ordnung Finde es äußerst bescheiden, dass Apple das Problem nicht anerkennt. Es besteht bei mir übrigens auch erst seit dem letzten Update.
    Lg
    Jennifer

  8. Joel meint:

    Ich bin Listerinewandler.
    Eine schreckliche Angewohnheit!
    Es ging mal soweit, dass ich den Mund voll, vor dem Bildschirm saß und es dann verschluckte, weil ich was gelesen hatte, das mich erschreckte.
    Im Abgang schmeckt Listerine übrigens ganz grauenvoll

  9. Anne meint:

    auch an Jennifer und Nina:
    Mein Mann hat im Winter dasselbe Problem mit seinem iPhone 6. Alle weiteren iPhones in der Familie (5, 5SE, 6S) sind nicht betroffen. Auch er hatte es vergeblich zum Akkutausch zu Apple eingeschickt, angeblich sei der Akku ok.
    “Laut Internet” ist das wohl ein interner Fehler der 6er-Reihe.
    Nun hat er sich einen Mophie Juice Pack gekauft und ist sehr zufrieden. Bei der Radtour heute ist das iPhone trotz 47%-Anzeige ohne Vorwarnung ausgegangen. Nach Hinzufügen von ‘Notstrom’ durch den Juice Pack rebootete es und lief wieder normal weiter. Gut, das ist keine echte Lösung, aber man kann damit leben, meint mein Mann. Sollte Ihr Apple-Schrauber eine bessere haben, lassen Sie es uns bitte wissen.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Mahlzeit, Joel, das klingt schlimm. (Ich habe gar nichts dagegen, im Bad beim Zähneputzen in Gedanken zu versinken.)

    Ich habe ein iphone 5c, Anne, das sich bei immer früherem Ladestand verabschiedete, auch bei Zimmertemperatur. Daraus schließe ich, dass der Akku kaputt ist. Für knapp 40 Euro müsste ich einen neuen bekommen – mal sehen, was der Schrauber sagt.

    Oh je, arboretum, Thriller sind als Film gar nichts für mich. Ich fürchte mich zu sehr.

  11. eva lorem ipsum meint:

    trägt Trump nicht gerade den Titel “president elect apprentice”?
    ich hab auch schon geguckt, ob man bei der Fernuni nicht einen Kurs “Präsident United States” machen kann.

  12. eva lorem ipsum meint:

    http://www.independent.co.uk/news/world/americas/donald-trump-deport-immigrants-immediately-when-mexico-wall-a7415116.html

    – das wird richtig, richtig schmutzig.
    – vor allem in den amerikanischen Haushalten, wenn all die illegalen Haushaltshilfen nicht mehr da sind.

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