Archiv für Juni 2017

Journal Montag, 12. Juni 2017 – Bacherlwarmer Morgen

Dienstag, 13. Juni 2017

Beim Morgenkaffee war es auf dem Balkon draußen wärmer als drinnen im Wohnzimmer – kurz nach sechs.

Das fühlte sich auch beim Gang über die Theresienwiese schräg an.

Den Tag über bewölkte es sich zwar, es gab auch vereinzelte Regengüsse, doch es blieb schwül warm. Als ich nach Feierabend im T-Punkt in der Sendlinger Straße stand, tropfte mir der Schweiß aus den Haaren auf die Schultern. Das hinderte mich nicht am Erhalt eines neuen Smartphones zur Vertragsverlängerung.

Der Abend war entsprechend mit dem Umzug aufs neue Telefon gefüllt (Abgleich über itunes auf meinem Rechner – ich verweigere weiterhin irrationalerweise die icloud), deutlich weniger reibungslos als beim letzten Mal vor dreieinhalb Jahren: Ich musste erst mal das Betriebssystem aktualisieren, einige Apps von Hand wieder installieren und einige anderen Apps nahmen ihre bisherigen Daten nicht mit.

§

Mittag las ich im Lokalen der Süddeutschen über die Pläne eines Informationszentrums für Friedhofs- und Bestattungskultur am Alten Südfriedhof:
„Angst vor dem Gräber-Tourismus“.

Darin hieß es:

In der Bürgerversammlung in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt im November gab es niemanden, der die Ausbaupläne befürwortete.

Gab es wohl, nämlich mindestens mich. Ich stimmte gegen den Antrag, kein solches Besucherzentrum einzurichten. (Ins Protokoll aufgenommen wurde, soweit ich das verstanden habe, lediglich, dass der Antrag mit Mehrheit angenommen wurde.) Zwar hatte ich auf der Versammlung zum ersten Mal überhaupt von den Plänen gehört, verstand aber den Protest nicht, der davon ausging, eine solche Informationsstelle würde die Ruhe des Friedhofs stören, zu Partystimmung und Menschenmassen führen. Ich kann mir viele schöne Formen der Information vorstellen: Audio-Guides (am besten von Florian Scheungraber und anderen Expertinnen und Experten des Alten Südfriedhofs besprochen), QR-Codes für Info aufs Smartphone (Kunstgeschichtliches, Typografie – Sie erinnern sich, dass ich von Themenführungen träumte). Besucherinnen und Besucher, die sich interessiert mit den Bestatteten und den Grabmälern befassen, sind mir persönlich lieber als durchbrausende Radlerinnen und Radler oder Mode-Fotoshootings, denen ich dort bereits begegnet bin, und die den Friedhof lediglich als Hintergrund brauchen. Ich als Anwohnerin teile den Zauber des Alten Südfriedhofs gerne mit anderen, die ihn zu würdigen wissen.

Zudem weiß ich, wie wenig Geld für die Erhaltung der Grabdenkmäler zur Verfügung steht: Von einem Besucherzentrum erhoffe ich mir zusätzliche finanzielle Mittel und Personal zur Erhaltung. (Mag ja sein, dass ich mal wieder zu naiv bin.)

Journal Sonntag, 11. Juni 2017 – Freibad und Balkon, Elektronikgefummel

Montag, 12. Juni 2017

Den gestrigen Sonntag empfand ich als wirklich frei. Als hätte ich sonst jeden Tag fremdbestimmtes Programm, was nun wirklich überhaupt nicht so ist.

Morgenkaffee auf dem Balkon (wenn auch mit Socken an den Füßen, so warm war’s dann doch nicht), Bettwäsche gewaschen, zu Fuß in den Hochsommertag und zum Schwimmen ins Schyrenbad.

Das Becken war schon vormittags gut besucht, doch die meisten Schwimmerinnen und Schwimmer machten nur ein paar Bahnen.

Umgezogen und gut sonnengemilcht wärmte ich mich in der Sonne mit Musik auf den Ohren auf, Blick auf den unbelebten Teil der Liegewiese. Das sonstige Schyrenbad war knackenvoll, als ich am frühen Nachmittag nach Hause aufbrach.

Ungefähr hier hielt sich der Rest Münchens auf.

Auf dem Heimweg kämpfte ich mit dem Wackelkontakt meiner iPhone-Knöpfe, der über die vergangenen Wochen immer schlimmer geworden war und jetzt ständig Apps schloss – unterwegs zum Beispiel PokénomGo.

Zu Hause bereitete ich das Abendessen vor: Zitronen-Thymian-Huhn. Inzwischen habe ich es so oft gemacht, dass ich nicht mehr von der Anweisung überrascht werde, es zum Marinieren ein paar Stunden in den Kühlschrank zu stellen.

Unser Wäschetrockner scheint sich nach nicht mal 25 Jahren Nutzung zu verabschieden. Was die Bettwäschelogistik komplizierte.

Auf dem Balkon Internet und Wochenend-SZ gelesen, den Vögeln am Meisenknödel zugesehen. Die Buntspechte vertreibe ich inzwischen: Zum einen zerhacken sie innerhalb weniger Stunden den ganzen Knödel und lassen den anderen Vögeln nichts, zum anderen sollen sie gefälligst Schädlinge aus Baumborken popeln. Die Meisenkinder (Kohl- und Blau-) haben inzwischen gelernt, selbst vom Knödel zu fressen, fiepen dabei aber weiterhin ihr durchdringendes FÜTTERE MICH!

Hühnchen in den Ofen geschoben, Fotos und Text für ein Interview fertig gebastelt, um das ich gebeten worden bin.

Beim Einstecken des iPhones zum Laden entdeckte ich, dass auch das Ladekabel einen Wackler hat, es bricht Steckdosen-seitig. Mit viel Gefummel brachte ich es noch einmal zum Vollladen, die Fotos musste ich mir allerdings auf den Rechner schicken, statt sie runterzuladen.

Zum Abendbrot gab es den wunderbaren Film Spy auf Deutsch und mit Werbeunterbrechung. Die Synchronübersetzungsmannschaft hatte offensichtlich Spaß – aber die Stimme von Miranda Hart als Nancy hätte besser eine Komikerin übernommen, im Original stiehlt sie in fast jeder Szene die Schau, übersetzt geht sie unter. Ich blieb extra bis zum Schluss des Films auf, weil ich die überraschende allerletzte Szene nochmal sehen wollte. Nur um daran erinnert zu werden, dass die in den Abspann eingebaut ist – und im Fernsehen wird schon seit vielen Jahren der Abspann weggelassen.

§

Manche Aspekte der Elternschaft finde sogar ich interessant. Zum Beispiel, was Menschen ihren Kindern aktiv beibringen wollen (und was offensichtlich nicht, oder nicht können, aber das ist ein ganz anderes Kapitel). So ist Herr Buddenbohm entschlossen, seinen Kindern Einkaufen beizubringen. Das liest sich sehr vernünftig, aber unerwartet anstrengend.1
„Der Mensch braucht achtzehn Sorten Milch“.

§

Die Zeit erkennt:
„Wir sind Konsumnation“.

Heute, 45 Jahre nachdem der Club of Rome seine wegweisende Studie Die Grenzen des Wachstums veröffentlichte, sind die sozialen und ökologischen Folgeschäden des Massenkonsums selbst von Verfechtern des deregulierten Marktes nicht mehr zu leugnen. Angesichts von Klimawandel, Naturzerstörung oder den Arbeitsbedingungen in pakistanischen Sweatshops und chinesischen Fabriken ist im öffentlichen Bewusstsein mittlerweile verankert, dass der in Konsumgesellschaften produzierte Wohlstand nur durch die Zerstörung seiner eigenen Grundlagen, allen voran der Natur, zu haben ist. Wird heute deshalb von Konsumgesellschaft gesprochen, so meist in gesellschaftskritischen Kontexten. Dann, wenn nachhaltiger Verbrauch oder gar Post-Wachstum, also eine Art wirtschaftliches „Gesundschrumpfen“, gefordert wird.

An dieser Stelle wird es kompliziert. Denn so unzweifelhaft die Erkenntnis ist, dass die Konsumsteigerung zu irreversiblen Folgeschäden führt, und so klar die Einsicht, dass insbesondere westliche Gesellschaften ihr Verbrauchsniveau signifikant senken müssten – die Konsumkritik umfasst in der Praxis dennoch eine Reihe fundamentaler Widersprüche, von denen viele sich kaum auflösen lassen.

(…)

Das erste Problem einer wirksamen Konsumkritik liegt nicht darin, dass sie es mit mangelndem Bewusstsein zu tun hätte. Falls doch, dann bräuchte es „nur“ Aufklärung. Das Problem ist eher, dass Hochkonsumkulturen auf einer Art kollektiven Akt der Verdrängung beruhen, auf der schlichten Tatsache, dass das Lustprinzip in der Regel das Realitätsprinzip aussticht.

(…)

Gleichwohl wird Konsumkritik auch heute oft als moralistischer Diskurs der Besserverdienenden empfunden, als Nachhaltigkeitsmantra jenes ökologisch sensibilisierten Bürgertums, das sich punktuellen Verzicht eben nicht nur leisten kann, sondern diesen dann auch noch zum Mittel sozialer Distinktion macht: Der Aldi-Wurst mampfende Billigurlauber wird dann nicht nur mehr als ästhetische, sondern auch als ökologische Zumutung empfunden.

(…)

Bedürfnisse sind an einem bestimmen Punkt befriedigt. Begehrnisse sind letztlich unstillbar, da es sich bei ihnen um Mittel handelt, das eigene Leben auszustaffieren und zu inszenieren. Die Möglichkeiten dafür ragen ins Unendliche. Ein Deutscher besitzt heute im Durchschnitt rund 10.000 Dinge.

(…)

[Zum Beispiel dass] der alles beherrschende Leistungsgedanke nun in die Freizeit verlängert wird, also auch die ästhetische Ausstattung des Lebens einem Zwang des „immer mehr“ gehorcht. Körperliche Schönheit oder die Pflege einer Erlebniskultur, sei es als Fußballfan oder Operngänger, offenbaren sich eben zunehmend als biografische Projekte, an denen man „arbeiten“ muss.

(Mir fällt sofort die immer heißere Ausstattungsschlacht des so ziemlich Ausstattungs-ärmsten Sports überhaupt ein: des Schwimmens.)

§

Spannender Forschungbericht der Max-Planck-Gesellschaft:
„Aug in Aug mit dem Neandertaler
Wissenschaftler rekonstruieren das Verhältnis zwischen modernem Menschen und Neandertaler“.

Proteine überdauern in uraltem Knochenmaterial zehnmal länger als DNA. Die Untersuchung des Erbguts galt bisher als Königsweg, um einen Knochen einem bestimmten Lebewesen zuzuordnen. Die Paläoproteomik könnte der DNA-Analyse diesen Ruf streitig machen.

  1. Nur als Fußnote: Selbst wurde ich schon vor der Schulzeit Einkaufen geschickt, zum Beispiel Samstagmorgen zum Bäcker zum Semmelnholen oder zur Metzgertheke im benachbarten Supermarkt des Wohnblockviertels, in dem wir wohnten – eine Metzgerei lag zu weit weg. Die Semmelbestellung konnte ich auswendig, die zu erledigenden Metzgereieinkäufe schrieb meine Mutter auf einen Zettel, den ich über die Theke reichte. Umstehende Einkäuferinnen passten ein bisschen auf, dass mir keine schlechte Ware angedreht wurde, das Geld hatte meine Mutter mir ungefähr abgezählt mitgegeben. Ganz wichtig war: IMMER den Kassenzettel mitbringen, denn meine Mutter führte Haushaltsbuch. []

Journal Samstag, 10. Juni 2017 – Befeiern einer neuen Wohnung

Sonntag, 11. Juni 2017

In der Nacht auf Samstag gab es wieder Migräne zum Dessert (ja, langsam wird’s langweilig), die ich mit Triptan-Nasenspray brach. Dafür musste ich nicht mal entsetzlich lang schlafen, sondern konnte schon kurz nach acht aufstehen.

Das Wetter lieferte bayerisch weiß-blauen Himmel mit wenigen dunklen Tupfern, bestes Laufwetter. Zwar noch schwindlig und benommen, aber das hatte ich ja schon schlimmer, radelte ich zum Friedensengel für eine Isarrunde. PokémonGo ließ ich ausgeschaltet, und so lief ich mich in die gedankenverlorene Leichtigkeit, die auch den letzten Rest Kopfweh der vorherigen Tage wegpustete.

Ohne Spielerei bin dann doch ein Stück schneller.
Die hübsche Spinne entdeckte ich beim abschließenden Dehnen am Fahrrad.

Nach Duschen und Frühstück folgten Herr Kaltmamsell und ich einer Einladung zur Wohnungseinweihung – ein Ehepaar war viele Jahre nach der Hochzeit in eine gemeinsame Wohnung in Obersendling zusammengezogen. Wunderschöne großzügige Wohnung, fröhliche Gäste, verheißungsvolle Zukunft.

Auf dem Rückweg noch ein paar Einkäufe, abends servierte Herr Kaltmamsell Coca de verdura.

§

Auf Facebook bin ich jetzt mit ein wenig US-Verwandtschaft des Herrn Kaltmamsell verbandelt. So versuche ich dran zu denken, öfter als bisher (das war etwa alle zwei Monate) dort etwas zu posten, um in Kontakt zu bleiben. Bei instagram-Fotos muss ich ja nur vor dem Abschicken dran denken, den Facebook-Knopf zu drücken.

Journal Freitag, 9. Juni 2017 – Cocktail- und Pizzafreitag

Samstag, 10. Juni 2017

Wunderbares Licht auf dem Weg in die Arbeit.

Bis zum Abend hatte sich der Himmel allerdings bewölkt, es war auch kühler geworden.

Ich war nach der Arbeit mit Herrn Kaltmamsell auf Cocktails und Pizza verabredet. Vor allem auf ersteres freute ich mich: Nachdem mich in letzter Zeit die Migräne so häufig beutelt (wenn auch nicht mit den klar abgegrenzten, heftigen Attacken, die ich aus den ersten Jahren kenne), verzichte ich unter der Woche ganz auf Alkohol (ein wahrscheinlicher Trigger). Dass ich dennoch die ganze Woche unter Kochpfschmerzen und Schwindel litt, ignorierte ich geübt weg.

Im Auroom gab’s Gin Salad für den Begleiter.

Ich wiederum hatte mir etwas Fruchtiges mit rauchigem Whisky gewünscht – Alex mixte wie immer den perfekt passenden Cocktail.

Für die Pizza gingen wir ins Viva Maria, aßen, während draußen ein Wolkenbruch nieder ging.

Völlig erschöpft ins Bett, als der Himmel noch hell war.

Journal Donnerstag, 8. Juni 2017 – Erfreulicher Besuch aus schlimmen Gründen

Freitag, 9. Juni 2017

Alte Freundinnen habe ich sehr wenige, die ältesten Freundschaften reichen nur bis in meine Studienzeit – und die habe ich erst in den vergangenen Jahren wieder aufgenommen. Eine solche alte Freundin, A., ist derzeit aus bitteren Gründen in München, gestern Abend kam sie bei uns vorbei. Herr Kaltmamsell servierte das Nachtmahl: Salat aus eben abgeholtem Ernteanteil, Mairübchen-Kartoffel-Mus zu Lammkoteletts, und zum Nachtisch eine Tapiokaspeise mit frischen Erdbeeren. Wir unterhielten uns am Esstisch und auf dem Balkon auf der schnell tiefen Ebene, die langes Wissen umeinander ermöglicht (die ich auch von Bloggerinnenfreundschaften kenne; ein Unterschied ist der immer noch selbstverständliche gegenseitige Besuch daheim). Die Gründe blieben entwaffnend bitter, auch wenn ich jedem nur wünschen kann, bei der Bewältigung an die superpragmatische und nahezu unerschütterliche A. zu geraten.

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Warum die Welt nicht nur Visionäre und Macherinnen braucht, sondern auch Korinthenkackerinnen und Hausmeister: Damit die Kriminellen unter den Visionären und Macherinnen nicht durchkommen.
„Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte“.

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Ich leiste hiermit Abbitte für meine bisherige Geringschätzung des akademischen Abschlusses Bachelor. Josef Holnburger und Andreas Hartkamp haben sich Facebookseiten zu Verschwörungstheorien vorgenommen und analysiert.
„Nachrichten aus dem Paralleluniversum: Wie sich Verschwörungstheoretiker auf Facebook vernetzen“.

Auch wenn ihre Untersuchung lediglich Anfangsansätze durchspielt, sind die Ergebnisse hochinteressant.

Im Rahmen einer Bachelorarbeit habe ich, zusammen mit Andreas Hartkamp, die Facebookseiten untersucht, welche hauptsächlich Verschwörungstheorien verbreiten. Wir befürchteten, dass sich eine geschlossene, verschwörungstheoretische (im Folgenden: VT) Gegenöffentlichkeit auf dem sozialen Netzwerk Facebook gebildet haben könnte. Diese Vermutung haben wir wissenschaftlich überprüft und wollen hier einen kleinen Abriss der Ergebnisse dokumentieren. Spoiler: Sie existiert, sie ist groß und sie ist stark vernetzt.

Lehrreich fand ich die Gegenüberstellung der Vernetzung der definierten Verschwörungstheorie-Seiten mit traditionellen Medien.

Während sich im Netzwerk der Massenmedien viele Gruppen bilden und nur wenige Verbindungen zwischen diesen bestehen, zeichnet sich das Netzwerk der VT-Seiten durch eine große Homogenität aus.

Am Ende des Blogposts ist die gesamte Arbeit verlinkt.

Journal Dienstag/Mittwoch, 6./7. Juni 2017 – Spanienurlaub im Visier

Donnerstag, 8. Juni 2017

Dienstag Arbeit, Regenwetter, unterm Schirm nach Hause gegangen. Auf dem Heimweg Einkauf von Süßigkeiten, Brotzeit für die nächsten Tage (Paprika, Gurke, Wurst im Glas) und Körperpflegeprodukten. Abends gab es Spargel, den die Nachbarin Herrn Kaltmamsell fürs Blumengießen mitgebracht hatte.

Mittwochmorgen mit Kopfschmerzen aufgewacht, die kleine Migränesymptome mitbrachten, dennoch die geplante Runde Krafttraining absolviert, die mir gut tat.
Der Tag brachte mehr Sonne, doch es blieb weiter kühl, und es gab überfallartige Regengüsse. Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell Risotto mit Petersilienwurzeln aus Ernteanteil und Spargelsud, darüber in Olivenöl gebratene Semmelbrösel, die ein wunderbar knuspriges Gegenstück zum cremigen Risotto bildeten.

§

Am Montag hatte ich endlich eine Ferienwohnung für unsere Urlaubswoche in Madrid gebucht. Und schon listet mir meine Twittertimeline einen interessanten Madrid-Artikel auf.
„Spanische Kaffeehäuser
‚Madrid hört auf, Madrid zu sein'“

via @malomalo

Ich merkte, wie sehr ich mich auf Madrid freue. Vielleicht verbringen auch meine Eltern einige Tage mit uns (eigentlich ist es meinem Vater in den Sommerferien dort zu heiß) und ich kann mit meinem Papá ein paar Spuren seiner Kindheit abgehen (z.B. wo war eigentlich die Salesianerschule, die ihm den Katholizismus ausgetrieben hat? wo die Berufsschule, an der er Elektriker lernte?).

Davor werde ich ja mit Herrn Kaltmamsell eine Woche im äußersten Norden Spaniens wandern. Dazwischen würde ich gerne ein paar Tage Badeurlaub dort machen – hat hier jemand einen Tipp für Baden in Galizien?

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Der Münchner Lokalteil der Süddeutschen Zeitung versucht, zwischen deutsch- und türkischstämmigen Münchenbewohnern zu vermitteln – mit der Kolumne „Die Isartürkin“. Über die gestrige habe ich sehr gelacht, weil sie deutsche und türkische Hochzeitsbräuche heutzutage aufs Korn nimmt.
„Blutige Hochzeit, gute Hochzeit“.

An Kalorien glaube ich nicht

Mittwoch, 7. Juni 2017

Schon seit einiger Zeit spitze ich scherzhaft zu: Ich glaube nicht an Kalorien.
Die Überlegung dahinter: Um den Kaloriengehalt zu bestimmen, verbrennt man eine genau abgewogene Probe des Lebensmittels und misst die Wärmemenge, die dabei frei wird. Eine genauere Beschreibung, wie dieser buchstäbliche Brennwert ermittelt wird, findet sich zum Beispiel in diesem Artikel auf RP online.
Ernsthaft? Feuer in einem Metallgefäß soll irgendwas zu tun haben mit dem menschlichen Stoffwechsel?

Und dann erklärte mir einmal zu oft ein Diät-Neuling (Konvertiten sind bekanntlich die schlimmsten), Abnehmen sei doch ganz einfach auf der Basis der Rechnung:
Energie rein kleiner Energie raus
Damals wusste ich nämlich bereits genug über Motoren, dass ich mit dem Konzept Wirkungsgrad vertraut war. Der unterscheidet sich je nach Motorart massiv – und beim menschlichen Stoffwechsel, der deutlich komplexer ist als jeder Verbrennungsmotor, soll der bei jedem und jeder gleich sein?

Das wollte ich jetzt aber doch mal genauer wissen – ich fürchtete nämlich, dass ich dem für Laien typischen Denkfehler aufsitze, indem ich Wortbedeutung (BRENNwert) überschätze. Doch siehe da, mein Unglauben hat gute Gründe.
Ziehen wir erst mal die Begrifflichkeit gerade. Eigentlich wird schon seit 1948 in Joule gemessen (kJ, also Kilojoule ist das, was in Klammern hinter der Kilokalorienangabe auf Lebensmittelpackungen steht). Damit werden physiologischer und thermischer Brennwert gemessen, für Lebensmittel und Ernährung interessant könnte eh nur der physiologische Brennwert sein. Wie nützlich aber ist eine Größe, die durch das Verbrennen in einem Metallgefäß ermittelt wird, im Zusammenhang mit menschlicher Ernährung? Die ZEIT meinte 2014:

Spätestens seit den Sechzigern ist selbst Forschern klar, dass Kalorien sich nicht einfach zählen lassen wie Murmeln und dass es vermutlich eher auf die Art der Nahrung ankommt als auf die bloße Kalorienmenge.

Und schon 2013:

Obwohl das Atwater-System im Lauf der Zeit weiterentwickelt wurde, kritisieren Wissenschaftler es zunehmend als ungenau. Sie sehen seinen entscheidenden Mangel darin, dass es den Energiegehalt eines Lebensmittels vor dem Verzehr beschreibt, also weitgehend unabhängig davon, was im Körper damit passiert, wenn man es gegessen hat. Folgerichtig plädieren die Experten dafür, stattdessen den Energiegehalt eines Lebensmittels immer im Zusammenhang damit auszudrücken, wie es der Körper verarbeitet.

Oder Spektrum der Wissenschaft in einer Buchbesprechung von 1995, die auf Erkenntnisse der pharmakologischen Wissenschaften verweist:

Minimale Änderungen in der Zusammensetzung von Arzneimitteln vermögen große Verschiebungen in der Resorption, Verteilung und Ausscheidung von Wirkstoffen hervorzurufen und deren physiologisch-klinische Wirkung maßgeblich zu beeinflussen. Das müßte auch für Inhaltsstoffe aus Lebensmitteln und ganzen Mahlzeiten gelten.

Der Wikipedia-Eintrag zu pysiologischem Brennwert fasst zusammen:

Schon der physikalische Brennwert für ein bestimmtes Lebensmittel fällt im Einzelfall höchst unterschiedlich aus, je nach Anbaubedingungen, Verarbeitung etc. Die nach dem Verzehr über die Verdauung ausgeschiedenen Anteile sind nur geschätzt und variieren stark von Person zu Person. Der Rest wird im Körper nicht verbrannt, sondern auf vielfältigste Weise (oft unter Energiefreigabe) abgebaut und umgekehrt (unter Energieeinsatz) wieder neu zusammengesetzt, teils auch mit dem Urin ausgeschieden. Erhebliche Teile der Nahrung werden überhaupt nicht energetisch verwertet, sondern als Bausteine im Körper verwendet.

Einordnung von Lebensmitteln nach Kalorien ist also ein mindestens so großer Blödsinn wie Gesundheitsprognosen nach BMI.

Aber nehmen wir uns doch einfach die Verbrauchsseite vor. Viel einfacher müsste es doch sein, den Energieverbrauch bei Bewegung zu berechnen. Wenn ein Joule die Energie ist, die man zum Beispiel braucht, „um einen Körper mit der Masse 0,102 (…) Kilogramm um einen Meter anzuheben (1 Newtonmeter) oder eine Sekunde lang die Leistung von einem Watt – das ist ungefähr die Leistung des menschlichen Herzens – zu erbringen (1 Wattsekunde)“, dürfte es doch keine Zauberei sein zu berechnen, wie viele Joule notwendig sind, 75 Kilo Mensch aufs Matterhorn zu bringen. Bewegungstracker sollten also ziemlich verlässlich sein in ihren Angaben des Energieverbrauchs.
Reingefallen: Die drei Tracker, die ich zeitweise parallel laufen hatte (Zähler an Crosstrainer/Rudergerät/Laufband, Mi Band, Move App), wichen in ihren Verbrauchsangaben bis zu 100 Prozent voneinander ab. Wenn schon diese Größe, die weit weniger vom ungeheuer komplexen menschlichen Stoffwechsel abhängt, nicht halbwegs sicher zu berechnen ist – wie wahrscheinlich ist es dann, dass die tatsächliche Energieausbeute messbar ist, die ein konkreter Körper aus einem Lebensmittel rausholt?


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