Archiv für November 2017

Journal Mittwoch, 22. November 2017 – München-Aachen

Donnerstag, 23. November 2017

Morgens München.

Abends Aachen (beruflich).

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Tetiana Savchynska erzählt:
“Ishiguro Before and After: On Translating a Nobel Laureate into Ukrainian”.

As fate would have it, I heard the news about Ishiguro’s Nobel Prize the week I was proofreading my translation of The Buried Giant. I remember sitting down to begin my work, my heart pounding with excitement. It was in that moment that I realized: I was no longer translating Ishiguro’s novel into Ukrainian, I was creating a Ukrainian answer to the question of why this year’s Nobel Prize winner — among dozens of other candidates — was worthy of the most prestigious literary award in the world.

(…)

In one of his own interviews Ishiguro mentioned that he always writes with translators in mind. “I want my words to survive translation,” he said. “I know when I write a book now I will have to go and spend three days being intensely interrogated by journalists in Denmark or wherever. That fact, I believe, informs the way I write — with those Danish journalists leaning over my shoulder.”

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Blogs “Everybody has a voice”. Mit der richtigen Stimme interessieren mich auch Familiengeschichten – wie die hier von Vater Mierau:
“Über Esel, Matsch und mein Snoop Dogg Moment in Bochum”.

Meine Lieblingsstelle:

fraumierau wird endlich mit den Kindern abgeholt. Der Sohn des Bauern kommt hinzu. In „Männer stehen um ein Auto und fachsimpeln“-Situationen bin ich ja nicht ganz so textsicher und nicke dann eher zustimmend. Egal, zu was.

Journal Dienstag, 21. November 2017 – I remember it well

Mittwoch, 22. November 2017

Ah, die Temperaturen steigen wieder ein wenig: Ich brauchte auf dem Weg zum Langhanteltraining und abens nach Hause keine Handschuhe – wurde an einem immer wieder regnerischen Tag aber auch nicht nass. Langhanteltraining machte Spaß, aber ich war nicht sehr stark; beim Zu-Bett-Gehen spürte ich bereits Muskelkater heraufziehen (der in der Woche zuvor völlig ausgeblieben war).

Abends puderzuckerte ich die Stollen für Italien, dann servierte Herr Kaltmamsell Kürbis und Äpfel aus Ernteanteil als Salat.

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Über die letzten Polio-Opfer, die in den USA noch (fast ganz oder zum Teil) in einer eisernen Lunge leben – und über ihre Probleme, diese letzten Maschinen ihrer Art am Funktionieren zu halten:
“The Last of the Iron Lungs”.

When Lillard was a child, polio was every parent’s worst nightmare. The worst polio outbreak year in US history took place in 1952, a year before Lillard was infected. There were about 58,000 reported cases. Out of all the cases, 21,269 were paralyzed and 3,145 died. “They closed theaters, swimming pools, families would keep their kids away from other kids because of the fear of transmission,” Bruno said.

(…)

In 1955, Americans finally had access to the polio vaccine developed by Jonas Salk. “It was hailed as a medical miracle and the excitement about it was really unparalleled as far as health history in the United States,” Jay Wenger, director of the Bill & Melinda Gates Foundation’s polio-eradication effort told me. “No one who remembers the 1950s, in terms of polio, wants to go back there and be in that situation again.”

(…)

another thing they all had in common is a desire for the next generations to know about them so we’ll realize how fortunate we are to have vaccines. “When children inquire what happened to me, I tell them the nerve wires that tell my muscles what to do were damaged by a virus,” Mona said. “And ask them if they have had their vaccine to prevent this. No one has ever argued with me.”

Ich hatte selbst noch einen Altersgenossen, der wegen einer überstandenen Polio-Erkrankung leicht verkrüppelt war und hinkte. Es fällt mir sehr schwer, sachlich mit Impfleugnern zu diskutieren.

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“Everybody has a voice”: Stattkatze erinnert sich mit jemandem zusammen – aber ganz anders.
“There and back again, just not quite”.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/sISWPzEqHLQ

Journal Montag, 20. November 2017 – Stollen für Italien

Dienstag, 21. November 2017

Kalt aber schneefrei, die Morgensonne vergoldete meinen Weg in Arbeit.

Nach Feierabend schnell heimgegangen, um das Stollenbacken nachzuholen. Ist abends gar nicht so entspannt, wenn man hungrig ist und eigentlich frei haben will. Aber am Ende gab es vier kleine Christstollen für die italienische Familie (um die Schwester meiner Mutter, die als junge Frau dorthin ausgewandert ist).

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Noch mehr schlimme Geschichten:
“Ex-Skiläuferin: ‘Es hat Übergriffe gegeben. Von Trainern, von Betreuern, von Kollegen'”.

Als Teenager gab die Tirolerin Nicola Werdenigg ihr Debüt im Skiweltcup. Es waren die Siebzigerjahre, Machtmissbrauch wurde hingenommen, Gewalt unter den Tisch gekehrt. Die österreichische Abfahrtsmeisterin von 1975 spricht über ihre Zeit im Leistungssport. Es geht um einen pädophilen Heimleiter, eine Vergewaltigung, Scham und Schuldgefühle.

Schlüsselaussage (Hervorhebung von mir):

Alle haben von solchen Vorgängen gewusst. Man dachte, das sei normal. Geredet wurde darüber kaum, erst recht nicht dagegen vorgegangen.

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“EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska
‘Das Auto-Zeitalter geht zu Ende'”

Das glaube ich ja, wenn ich’s sehe. Denn:

Die Hersteller wissen sehr genau, dass da gerade eine Revolution im Gange ist. Sie investieren auch große Summen in Zukunftstechnologien. Auf der anderen Seite erzählen sie immer noch die unendliche Geschichte von den Jobs, die auf der Kippe stehen. Natürlich lobbyieren sie und geben ihr Bestes, damit ihre bisherigen Methoden, Autos zu produzieren, sowie die Art der Autos, die sie produzieren, noch möglichst lange fortbestehen. Die Industrie muss sich aber im Klaren sein: Wenn sie nicht schnell genug ist, wird sie einen großen Teil des Geschäfts an die Konkurrenz außerhalb der EU verlieren.

(…)

Die Art, wie Mitgliedstaaten mit dem Thema umgehen, ist nicht sehr zufriedenstellend. Sie sollten viel konsequenter sein, wenn es darum geht, den Problemen auf den Grund zu gehen und uns zu informieren. Wir müssen ihnen buchstäblich jede Information entreißen.

(…)

Ist für Sie die deutsche Automobilbranche noch ein verlässlicher Gesprächspartner?

Ich würde nicht so weit gehen, dies in Abrede zu stellen. Trotz nicht zu leugnender Skandale sind die Vertreter der Konzerne für mich immer noch wertvolle Gesprächspartner. Wissen Sie, was das Problem ist? Diese Branche glaubte, dass sie allmächtig ist. Schließlich fahren alle Menschen ein Auto. Und es handelt sich um eine Schlüsselindustrie für Europa. Da glaubte sie, sie könne sich buchstäblich alles erlauben. Sie unterlag auch der vermessenen Einschätzung, die Verbraucher in einer bestimmten Weise behandeln zu können.

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Wir (also unsere Sorte) Blogger sind im New Yorker angekommen:

It’s hard to remember this now, in the era of professional Instagram influencers, but there was a time, not too long ago, when many ordinary people just . . . had blogs. From about 2002 through 2006, once the Internet had stopped being the exclusive province of people with real technical expertise, and right before the dawn of widespread social-media use, WordPress and Movable Type made it possible for civilians with only a tiny bit of HTML at their fingertips to launch their own small publications. They wrote about bands and books and their love lives, often with no real goal beyond recording their daily existences.

Tatsächlich geht es um (das sehr geschätzte)
“An Unabashed Appreciation of Smitten Kitchen, the Ur-Food Blog”.

via @ankegroener

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Blogs der Marke “Everybody has a voice”: Da ist diese Künstlerin und Pensionswirtin am Neckar, deren Posts meist aus Bildern bestehen. Sie baut gerade wieder einen Teil der alten Gebäude um, in denen ihre Pension liegt – auch das begleitet von Fotos. Ein Kleinod und wie ein langer, ruhiger Fluss:
“Am linken Ufer”.

Journal Sonntag, 19. November 2017 – Erster Schnee

Montag, 20. November 2017

Ich bin ja keine grundsätzliche Freundin des Draußen; das Draußen muss mir schon ein wenig entgegenkommen, z.B. mit Wetter, Licht oder Landschaft.

Erster Schnee, die Matschflocken ließen sich fast nicht fotografieren.

An sich hatte ich mich auf die erste Laufrunde seit zwei Wochen gefreut, und an sich macht mir ein bisschen Regen nichts aus. Doch mittelstarker Schneeregen und Wind, die laut Prognose noch Stunden andauern würden, schreckten mich dann doch ab. Mit zornigem Seufzer stieg ich also nach Morgenkaffee und Bloggen auf den Crosstrainer.

Zumindest etwas Spannendes hören wollte ich. Ich folgte dem Tipp von Kommenatorin Eva und hörte eine Folge des Podcasts der Helmholtz-Gemeinschaft:
“Kognitionsforschung”.

Holger Klein interviewt darin Peter Weiss-Blankenhorn (wir bemerken: beim Helmholtz dürfen Forscher auch mal ohne “Prof. Dr.” genannt werden), den Leiter der Arbeitsgruppe Motorische Kognition am Institut für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich. Hochinteressant und mit mehreren “Ach”-Momenten (einmal kam genau diese Reaktion auch von Holgi.) Unter anderen fühle ich mich jetzt gründlich gerüstet für einen eventuellen Schlaganfall. Unter noch anderem ging es auch um Synästhesie: Weiss-Blankenhorn merkte an, dass fast alle Menschen so dächten, eine kleine Gruppe halt sehr extrem. Als Beispiel führte er an, für sie sei die Vier blau. Völliger Blödsinn! Die Vier ist selbstverständlich gelb, Acht und Zwei rot, Drei ist grün, die Eins schwarz, die Sieben hingegen blau. Pft. (Nein, ich bin sicher keine Synästhetikerin, doch interessanterweise denkt selbst mein durchschnittliches Hirn so.)

Gleich beim Hören fand ich eine Anwendung für die Aussagen des Podcasts: Beim Bügeln werde ich von interessanten Podcasts immer völlig gefangen – die manuelle Tätigkeit scheint mein Gehirn neben dem Sprach-Input auszulasten. Gestern war das stupide Crosstrainer-Treten wohl nicht anspruchsvoll genug: Meine Gedanken versuchten gleichzeitig Kommentare und abgeleitete Ideen zum Podcast zu formulieren, doch das funktionierte nicht – ich verpasste sekundenweise das Interview. Mein Nebendenken beanspruchte wohl im Gegensatz zur Motorik des Bügelns denselben Gehirnbereich (Sprache?) wie das Zuhören.

Der Podcast war so klasse, dass ich mich auch fast gar nicht ärgerte, als noch während meiner Strampelei erst der Regen aufhörte und dann auch noch die Sonne rauskam.

Zum Frühstück kochte ich Porridge, aß ihn mit Honig und Granatapfelkernen.

Eigentlich hatte ich ja für den Nachmittag Stollenbacken geplant, aber nicht einkalkuliert, dass die Ente, die es zum Abendessen geben sollte, denselben Backofen brauchte. Und das zumindest zum Teil auch zur selben Zeit, wie die Abstimmung mit dem Entenbeauftragten Herrn Kaltmamsell ergab. Abendessen schlug Weihnachtsbäckerei, ich bereitete alles für Backen am Montagabend vor.

Ganz ausgesprochen freute ich mich, dass Sie meine Kanon-Idee aufgegriffen haben: Danke fürs Mitspielen!

Im gemischtwolkigen Abendrot drehte ich noch eine kurze Spazierrunde, um meinen Pokémon-Streak nicht abreißen zu lassen.

Die Ente zum Nachtmahl wurde gut – aber wir sahen noch Verbesserungsbedarf. Begleitung war Kartoffel-Sellerie-Püree (Ernteanteil) und ein israelischer Pinot noir.

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Spät besungene Heldinnen, zum Beispiel die Frau, die sich vor 50 Jahren auf Sizilien weigerte, ihren Vergewaltiger zu heiraten:
“1966-1968
Franca Viola says ‘No'”.

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Gerhard Polt veröffentlicht seit ein paar Wochen hin und wieder kleine Monologe (hinter der Website steht eine “Agentur Well”, Verantwortlicher laut Impressum ist Martin Polt – ein Familienunternehmen). Ganz besonders hat mir das aktuelle Filmchen gefallen:
“Der Schweigegeldempfänger”.

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Wozu Blogs der Sorte “Everybody has a voice” auch taugen: Zur Selbstversicherung, dass man nicht allein ist mit seinen Exzentriken und Idiosynchrasien (was Letzteres bedeutet, habe ich sogar irgendwann in einem Blog gelernt). Es erleichtert mich sehr, dass es Menschen gibt, die einen ähnlichen Realitätsbezug haben wie ich.
“Containern”.

Kurz überlegte ich auch, ob wir möglicherweise insgesamt in Gefahr wären, gruselige Monster, die aus der Dunkelheit hervorbrechen, Zombies oder Außerirdische oder Moorleichen oder so etwas. Horrofilme fangen aber immer mit heiler Welt an, nie damit, dass drei Frauen nachts um eins zu Fuß Elektroschrott entsorgen, weil sie in ihrem normalen Alltag keine Zeit dazu finden. So etwas habe ich noch nie gelesen oder davon auch nur gehört. Wir waren also in absoluter Sicherheit.

Journal Samstag, 18. November 2017 – Kanonsingen mit der Kaltmamsell

Sonntag, 19. November 2017

Auf dem vormittäglichen Weg zum Olympiabad radelte ich wieder auf der Schleißheimer Straße an diesen beiden Katzen vorbei und freute mich. Zum einen habe ich eine kleine, seltsame Schwäche für Genossenschaftsbaukunst,1 zum anderen spielte mein Gehirn – das ohnehin dazu neigt, assoziierte Musik sofort einzuspielen – jedesmal den Kinderkanon “Miau, miau”.

Kanonsingen ist etwas sehr Schönes und die einfachste Form, mehrstimmig zu singen. Nur dass man dazu noch jemanden braucht, der meist nicht zur Hand ist. So lebe zum Beispiel ich mit jemandem zusammen, den ich als Partner in allen Belangen schätze – nur dass er nicht singen kann. Und da dachte ich mir: Biete ich Ihnen doch einfach meine Stimme für einen Kanon an. Die Einsätze sind jeweils nach zwei Zeilen. Wenn Sie den Kanon noch nicht kennen, hören Sie ihn sich an, singen Sie mit – und nach zwei-, dreimal Mitsingen mögen Sie ihn vielleicht auch im Kanon mitsingen. Hier stehen die Noten dazu.

Miau, miau, hörst du mich schreien?
Miau, miau, ich will dich freien.

Folgst du mir aus den Gemächern,
singen wir hoch auf den Dächern.

Miau, komm geliebte Katze,
miau, reich mir deine Tatze.2

(Dank an Herrn Kaltmamsell für die Hilfe bei der Bereitstellung der Tondatei.)
(Nachtrag: Herr Kaltmamsell hatte so Dringendes zu tun, dass er begeistert statt dessen die Tondatei in eine Endlosschleife umwandelte.)

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Schwimmen war schön, brachte mir allerdings einen Chlorschnupfen ein, der mich abends zum Nasenspray greifen lies – damit ich schnaufen konnte.

Nachmittags Einkaufsrunde mit Achtsamkeitsarbeit – womit ich Empathie meine und auf die Umgebung zu achten. Nach nachvollziehbaren Appellen von Menschen, die mit den Ärmsten in unserer Gesellschaft arbeiten, habe ich seit einiger Zeit immer Münzen bei mir, um sie Bettlern und Bettlerinnen zu geben; mir als Innenstadtbewohnerin begegnen sie täglich. Es war mir sehr unangenehm, als ich auf einem Arbeitsheimweg letzthin der alten Frau an Rollator begegnete, die mich wieder um “Geld zum Einkaufen” anbettelt, und ich das ihr zugedachte 2-Euro-Stück gerade ausgegeben hatte.

Doch zur Arbeit an mir. Bettlerinnen und Bettlern Geld zu geben ist das eine, das andere ist das Wie. Meine böse, arrogante Seite fühlt sich immer noch genervt (“Eure Armut kotzt mich an” / “Pah, wenn ich so arm wäre wie ihr, wäre ich nicht so lange arm.”), und muss mühsam erzogen werden. Gestern habe ich es glücklicherweise wieder ein Stück gelassener und freundlicher geschafft, als mich in einem U-Bahn-Zwischengeschoß ein Herr anbettelte, dem ich schon mal (leider mit brüsker Geste) meine Streifenkarte geschenkt hatte. Ich grüßte anständig und gab ihm mit hoffentlich freundlichem “Kommen’S her” Geld. Dass ich seine Erklärungen, warum er Geld brauche, mit “Keine Rechtfertigung nötig” abschnitt, war dann wieder nicht so nett. Baby steps.

Es war den ganzen Tag derart kaltdüster, dass jetzt sogar ich bereit wäre für Schnee – der macht wenigstens ein bisschen hell.

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Zu den Blogs der Klasse “Everybody has a voice” gehören auch Blogs von Journalistinnen, die im Web ihre Expertise einfach so zur Verfügung stellen. Johanna Bayer scheint in ihrem Blog Quark und so zu genießen, dass sie genug Platz für wirklich tiefe Auseinandersetzung mit Themen hat. Zum Beispiel um mal wieder die Polemik zu sezieren, Zucker fungiere im Körper als Droge wie Kokain:
“Visite beim NDR: Neues über Zucker und Kokain. Aus der Epoch Times.”

Ob Essen oder irgendein Stoff im Essen trotzdem süchtig machen könnte, ist zur Sicherheit geklärt worden: Forscher haben im Auftrag der EU 2013 ein internationales Konsenspapier erstellt, das die Lage zum Thema Essen und Abhängigkeit – Food and Addiction – sondiert.

Demnach gibt es kein einzelnes Lebensmittel oder einen Inhaltsstoff, der abhängig macht wie eine Droge, die reinen Genussmitteln Alkohol und Kaffee ausgenommen.

Bisher sieht es nicht so aus, als ob sich die Einschätzung sich ändert.

Das heißt nicht, dass es nicht Menschen mit suchtartigem oder suchthaftem Essverhalten gibt. Und dass sie nicht genau die charakteristische Veränderungen im Gehirn aufweisen, die denen von Drogenkonsumenten ähneln. Oder tatsächlich eine suchtartige Gier nach Süßem, aber besonders auch nach Fettigem entwickeln könnten. Darauf sind wir nunmal biologisch geeicht.

Aber es geht dabei nicht um einen chemischen Stoff, der das Gehirn manipuliert. Sondern um das gestörte Verhalten und das ständige Wiederholen: Menschen werden nicht süchtig nach den Substanzen Zucker oder Fett. Sondern abhängig vom Essen als zwanghafte Handlung.

  1. Das mag daran liegen, dass ich in einem Ingolstädter Wohnblockviertel aufgewachsen bin, in dem viele Gebäude solchen und ähnlichen Wandschmuck trugen, mit tendenziell christlichen Motiven, weil vom St.-Gundekar-Werk gebaut. Und für mich als kleines Kind waren diese riesigen Bilder rätselhaft und faszinierend. []
  2. Ich konnte nirgends ein Urheberrecht zum Text finden und hoffe, dass er wirklich so gemeinfrei ist, wie es aussieht. []

Journal Freitag, 17. November 2017 – Schilderverwirrung Should I stay or should I go

Samstag, 18. November 2017

Nochmal ein grauer und kalter Tag. Ich hatte wie schon am Donnerstag auf dem Heimweg das dringende Bedürfns nach Jagatee, Bratwurst, Pommes vom Christkindlmarkt, aber so weit sind wir ja noch nicht.

Irritation auf dem Heimweg (die Schilder auf der Gegenseite des Abschnitts waren genauso kombiniert):

Erster Adventeinkauf: Zutaten für Thüringer Weihnachtsstollen besorgt, am Sonntag will ich die erste Runde für den Versand an die italienische Familie backen (nur an die Adresse meiner Tante geschickt, denn es scheint dort Erbzank zu geben, den ich im Detail gar nicht wissen will – die Wirtschaftslage in Italien scheint dazu zu führen, dass auch normale Menschen in der Lebensmitte für normalen Lebensunterhalt auf elterliche Unterstützung angewiesen sind, unter anderem in Form von Erbe).

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch Koteletts vom Weideschwein mit Rosenkohl (Ernteanteil) aus der Pfanne und gebratenen Apfelringen (Ernteanteil).

§

Heute gleich zwei Leseempfehlungen von Blogs der Klasse “Everybody has a voice”. Diese Blogs haben in meinen Augen oft die wichtige Funktion der Zeitzeugenschaft. Die Diskussion, inwiefern Blogs nun Journalismus sind oder nicht, scheint endlich verblasst. Sie verpasste für mich schon immer das Eigentliche: Blogs können ein Pendant zum Journalismus sein, nämlich eine historische Quelle (im Gegensatz zum Journalismus, der Quellen in Verbindung bringt und auswertet). Gerade die Lebensblogs, die ich so gerne lese, haben diese Funktion.

Frau Indica erzählt, wie ihr Freund Emma Deutscher wurde; sie hat ihn zur Einbürgerungsfeier ins Rathaus Neukölln begleitet:
“Die Verdeutscherung”.

Das Techniktagebuch hat ja sogar die expizite Mission der Zeitzeugenschaft. Aufgezeichete Erinnerungen belegen die Grundaussage “Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!” So erinnert sich Drago Starcevic an die Technik zum Postversand in einem Finanzamt Ende der 1980er:
“Lecken und lecken lassen”.

Allerdings könnte man argumentieren, dass auch die Purse-Blogs historische Quellen sind: Sie geben Zeugnis davon ab, wie man heutzutage im Internet Geld verdient.

Journal Donnerstag, 16. November 2017 – Beifang aus dem Internetz

Freitag, 17. November 2017

Weiterhin unangenehm kalt, gestern zudem düster.

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Würden Sie dieser Frau einen Browser abnehmen? Ich habe gestern Firefox Quantum installiert – allein schon wegen dieser Öhrchen.

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Einer der bereicherndsten Twitter-Accounts ist für mich seit Abonnieren vor ein paar Wochen @Hoaxeye. Hier werden Bilder gezeigt, die im Web herumgereicht werden, aber entweder manipuliert sind oder nicht das abbilden, was sie vorgeben. Manchmal ist ein wenig desillusionierend, wie viele sehr bekannte dabei sind. Zu manchen Themen gibt es sogar davon so viele, dass der Autor/die Autorin auf ihrem Blog Sammlungen angelegt hat. Zum Beispiel:
“Pictures of Woodstock festival that aren’t”.

Das hat allerdings dazu geführt, dass ich fast keine als historisch bezeichneten Fotos mehr teile – ich würde erst mal die Zuschreibung überprüfen wollen (Ausnahmen sind Bilder von @altmuenchner, die mittlerweile immer brav die Quelle vermerken).

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Oh nein – nicht auch George Takei.
“George Takei’s facebook empire strains under sexual harassment allegations”.

Was außerdem komplett an mir vorbeigegangen ist (apropos “Everybody has a purse”):

Publishers that rely on social media as a distribution tool might pay to have their articles and videos shared by well-known figures or Facebook pages that have large, loyal followings. Publishers usually make arrangements with companies that coordinate across so-called “influencer networks” to get content shared.

(…)

In 2012, the Daily Dot named Takei the No. 1 most influential person on Facebook, and the following year, he was awarded a distinguished achievement in internet culture award at the Shorty Awards, an annual social media awards show.

In more recent years, Takei has used his fan base as a lucrative business opportunity, offering publishers access to his social media fan base for a fee. Publishers pay for their content to be shared by people like Takei, and in exchange have their articles and videos shared. On Takei’s page, those posts are often accompanied with jokes, puns or other quips.

§

Blogserie “Everybody has a voice”: Vergessen wir nicht die Toon-Blogger! Die eignen sich ja fast per Definition nicht fürs Purse-Bloggen.
Heute: Jungvater Beetlebum macht, was Elternblogger am besten machen, nämlich Erziehungsratgeben.
“Paradigm Parenting Paradigma”.

(Bis ein Windelhersteller auf die Idee kommt, ihm Geld dafür zu bieten, dass er seine Windel in einem Panel auftauchen lässt.)


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