Journal Samstag, 10. Februar 2018 – Schokoladenkuchen und Lasagne

Sonntag, 11. Februar 2018 um 9:05

Erster von vier freien Tagen. Nach unruhiger Nacht wachte ich mit bösem Kopfweh auf, das mir unter anderem die Lust auf Sport nahm.

Doch so hatte ich noch Zeit für ein gemütliches Gespräch mit dem Übernachtungsgast und für eine mittägliche Einkaufsrunde mit Herrn Kaltmamsell. Unter anderem besorgten wir Zutaten für den Double Chocolate Bundt Cake with Chocolate Glaze, den ich bei David Lebovitz gesehen hatte. Etwas verwundert war ich über die dortige Diskussion zu Methoden gewesen, mit denen man das Festkleben von Rührkuchen in der Napfform verhindert: Im deutschsprachigen Kulturkreis würde ich Napfkuchen als den Standardkuchen ansehen, so dass das Buttern der Form zu den ersten Handgriffen gehört, die die Anfängerin lernt – bei besonderer Gefahr wird zusätzlich gemehlt oder gebröselt. Da es sich beim gestrigen Schokoladenkuchen um einen besonders zarten handeln sollte, mehlte ich; Semmelbrösel erzeugen eine äußere Knusprigkeit, die ich hier nicht haben wollte.

Zum Abendbrot hatte ich mir etwas wünschen dürfen (als wenn Herr Kaltmamsell nicht ohnehin immer auf meine Wünsche einginge): Ich hatte Lust auf klassische Lasagne al forno gehabt. Die mache ich eigentlich immer nach Gefühl (Bolo, Bechamel, Mozarellawürfel, Parmesan, Nudelplatten), Herr Kaltmamsell aber hatte gründlich recherchiert und orientierte sich am Rezept im Guardian, das Hühnerleber und viel Bechamel, aber keine Mozarella vorsieht. Dazu machte ich aus Ernteanteil-Zuckerhut einen Salat.

(Geständnis: Ich habe am Sättigungsregler gedreht, weil das Original etwas unappetitlich farblos war.) Das Ergebnis schmeckte gut, doch ich bevorzuge die Fruchtigkeit von deutlicheren Tomaten und vermisste die Käsefäden.

§

Heimat – meine erste Assoziation ist dieses Wort im Mund der Mitglieder von Vertriebenenverbänden. Spürt man Heimat vielleicht vor allem, wenn man sich nicht dort und dann befindet? Als Vermissen?

Nicht erst seit der Koalitionsvertrag „Heimat“ als Teil einer Ministeriumszuständigkeit vorsieht, wird wieder öffentlich darüber nachgedacht und diskutiert. Was wohl niemand übersehen kann: Es gibt keinen unbefangenen Umgang mit dem Begriff. Wie vergiftet er ist, beschreibt Juna auf ihrem Blog Irgendwie jüdisch:
„Heimat?“

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu “Journal Samstag, 10. Februar 2018 – Schokoladenkuchen und Lasagne”

  1. Elfe meint:

    Mehlen oder Semmelbrösel – das ist bei „uns“ so selbstverständlich, dass es nicht einmal in den meisten Rezepten eigens erwähnt wird, hätte ich gedacht. Aber was ist Bolo? In unserer Lasagne landen nur Nudelplatten, Bolognese (ah, ich glaube, jetzt ist der Groschen gefallen) und viel Béchamel, dazwischen Parmesan. Aber das mit den Mozzarella-Käsefäden klingt sehr verlockend.

  2. Joel meint:

    Boah!
    Diesen Schockokuchen wird es im Mai in Luxemburg geben.

  3. Chris Kurbjuhn meint:

    Mit dem Begriff Heimat verbinde ich Enge, Miefigkeit und Piefigkeit. So empfand ich das Leben in der Gegend, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Nach dem Abitur ließ ich den Landstrich in einer Staubwolke zurück, und mir wird definitiv NICHT warm ums Herz, wenn ich ihn ein oder zweimal im Jahr wieder aufsuche. Auch für Berlin, wo ich seit nunmehr 40 Jahren sehr gern lebe, hege ich keine heimatlichen Gefühle. Wenn man sich in gewohnter Umgebung geborgen fühlt, ist das ja vollkommen okay, aber dieses Heimat-Gedöns geht mir auf den Zeiger: Kapitulation vor den Verlockungen der Engstirnigkeit, sonst nix. Tucholsky hat mal vom „warmen Muh der Heimat Herde“ geschrieben und traf den Nagel auf den Kopf.

  4. Antje meint:

    Ich bin ja einen Anhängerin dieses Textes eines von den Nazis aus seiner Heimat Vertriebenen: http://www.textlog.de/tucholsky-heimat.html

  5. Diana meint:

    „am Sättigungsregler drehen“: Wie herrlich doppeldeutig! Ich habe echt kurz gebraucht, bis ich den Zusammenhang zur Bildbearbeitung hatte. Wie gerne würde ich manchmal während des Essens am Sättigungsregler drehen, für noch mehr Genuss… :-)

    Danke für Ihr wunderbares Blog und die vielen – nicht nur kulinarischen – Inspirationen!

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