Journal Sonntag, 27. Mai 2018 – Dublin – Howth

Montag, 28. Mai 2018 um 10:15

Nach unruhiger Nacht (Lärm draußen – gegen Polizeisirenen helfen auch geschlossene Fenster und Ohropax nicht, Schmerzen) früh aufgewacht. Das Wetter sah gut aus, also wollten wir, When in Dublin do as the Dubliners, einen Ausflug ans Meer nach Howth machen, zumal es dort am Sonntag einen Market geben sollte.

Schon auf der schönen Zugfahrt raus nach Howth (ALLES SO GRÜN HIER!), verdunkelte sich der Himmel immer gründlicher. Der Market war dann doch eher eine Streetfood-Angelegenheit, ich holte mir am Bäckerei-Stand als Frühstück ein Stück Chester Cake.

In ersten Regentropfen spazierten wir auf den West Pier. Von möglichen Delphinsichtungen hatte ich mehrfach gehört, doch statt dessen sahen wir im Hafenbecken Seehunde – irische Seehunde waren mir komplett neu.

Jetzt begann es zu gießen, und die nächsten Stunden erlebten wir nur einen kurzen regenfreien Abschnitt, den wir zwischen Cafébesuchen zu einem Spaziergang auf den Ostpier nutzten. Den Gang die Klippen entlang hoben wir uns für ein ander Mal auf.

Als spätes Mittagessen gab es berühmte Fish&Chips, wir aßen sie am gut überdachten Bahnsteig beim Warten auf den Zug zurück nach Dublin. Um uns herum viele weitere Ausflüger und Ausflüglerinnen, die sich fast durchgehend in anderen Sprachen als Englisch unterhielte. Auch im Zentrum von Dublin begegnen wir bislang vor allem Spanisch-, Deutsch-, Niederländisch-, Französisch-, Italienisch-, Dänisch-, Schwedischsprechenden – das Marketing des irischen Tourismusbüros ist sensationell erfolgreich.

In Dublin drehte ich eine kleine Einkaufstour, die meisten Geschäfte sind hier auch sonntags geöffnet. Der Versuch, bei Lush Kosmetik mit Stechginsterduft zu bekommen, schlug fehl: Niemand hatte davon gehört oder wusste überhaupt, was gorse oder furze war, ich musste buchstabieren. Doch online scheint man zumindest ein Parfum bestellen zu können. (Heilige Scheiße, ich hatte völlig vergessen, wie komplett überwältigend intensiv es in diesen Läden riecht. Ich halte ja schon beim Passieren der Filiale in der Münchner Sendlinger Straße die Luft an, gestern im Laden würgte mich diese Insektizidwolke.)

Erfolgreich war dagegen die Suche nach einer Salatschüssel samt Besteck, und im Supermarkt vom Vortag bekamen wir Duschgel (hatten wir in den B&Bs nicht gebraucht, weil immer vorhanden) und Waschmittel. Mit Letzterem wusch ich im Apartment unsere wanderverdreckte Ober- und Unterkleidung.

Nachtmahl wurden die Frühstückswürschtl, die uns die Vermieter in den Kühlschrank gestellt hatten, dazu Tomatensalat, als Nachtisch griechischer Joghurt mit Honig (Apartment-Bestand) und Nüssen (Wanderproviant).

Streetart gleich ums Eck unserer Ferienwohnung.

Howth mit überraschend vielen Staren, die hier die Rolle der Spatzen übernehmen.

Seehund!

Blicke aus unserem Schlafzimmerfenster in Dublin (nachmittags wurde es wieder sonnig):

Gute Nacht.

§

In Cafés und im Zug im aktuellen Granta-Magazin gelesen, das eine besonders gute Ausgabe ist: Thema “After the fact”. Kostenlos online lesbar ist der ausführliche und tiefe Artikel von Charles Glass (Nahost-Experte und 1991-1993 Nahost-Korrespondent für ABC) über Palmyra, einst blühend und jetzt zerstört, mit Fotos von Don McCullin:
“Palmyra”.

Unter anderem versucht Glass die Kriegshandlungen nachzuvollziehen, die zur mehrmaligen Eroberung Palmyras durch den IS führten – er erfährt mehrere Versionen.

Eine weitere Geschichte, die noch aufschlussreicher für mich war: Jason Cowley, editor des New Statesman, schreibt über die “New Town” Harlow, in der er groß geworden ist – und die 2016 in die Schlagzeilen kam, weil ein polnischer Einwanderer nach einer Prügelei mit örtlichen Jugendlichen starb (damals kurz nach dem Brexit-Referendum sofort als fremdenfeindliche Gewalt deklariert – dass sich sehr schnell herausstellte, dass fremdenfeindliche Motivation eher unwahrscheinlich war, las man nicht). Es geht viel um die utopischen Ideen, die nach dem 2. Weltkrieg in der Nähe Londons zum Bau der “New Towns” geführt hatten, und wie Cowley sein Aufwachsen darin erinnert.
“New Town Blues”.

Leider nur für Abonnentinnen ganz zu lesen.

Auch Sonntagszeitungen las ich, dominierendes Thema natürlich der klare Ausgang des Referendums.

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Journal Sonntag, 27. Mai 2018 – Dublin – Howth“

  1. Joël meint:

    Das tut mir leid dass Sie bei Lush nicht fündig wurden.
    https://allthingslushuk.blogspot.lu/2017/07/furze-body-lotion.html
    Ich habe erst jetzt gemerkt dass es ein ‘Oxford Street Exclusive’ Produkt ist. Deshalb findet man es wahrscheinlich nirgendwo außer in London in dem einen Laden.
    Und ich habe Sie auch noch dem schrecklichen Parfümtod der Lushläden ausgesetzt. Ich bin untröstlich.

  2. adelhaid meint:

    furze…hihi… (scnr)

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ich habe den Bestellvorgang abgebrochen, Joël, als 14 Pfund Versandkosten auftauchten – so viel ist es mir dann doch nicht wert.

  4. Joël meint:

    14 Pfund!!!!
    Das ist echt zu viel. Wenn ich Ende des Jahres nach London komme, schau ich dort vorbei.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Das ist sehr lieb, Joël, doch es hieß, das sei ein online only- Artikel.

  6. Angela meint:

    Was den Stechginsterduft angeht kann Parfumerie Brückner im Münchner Rathaus bestimmt weiter helfen.

  7. Myriade meint:

    Das Brillenfoto ist richtig romantisch und intim ……

  8. Anke meint:

    Ha, gestern im „Ulysses“ das Wort „furze“ gelesen und gedacht, nee, das schlägst du nicht nach, so isses lustiger. Jetzt weiß ich auch ohne Nachgucken, was es bedeutet, danke.

  9. Frau-Irgendwas-ist-immer meint:

    Wir haben irischen Seehunde letztes Jahr auch gesichtet, im Hafen von Belfast lagen sie dekorativ auf Steinen und sonnten sich, trotz unseres Hafenrundfahrtdampfers. Auch wir waren überrascht, aber natürlich angemessen begeistert.
    Ja, Dublin und die Touris, das schien uns auch sehr voll, aber die Iren (egal ob Belfast oder Dublin) waren entspannt, freundlich und rothaarig/sommersprossig gemütlich, wir haben beide Städte sehr gemocht.

  10. Jule meint:

    Im Norden Englands kommt der Stechginster auch auf den Teller:

    https://twitter.com/Erniechef/status/1001414109374615552

  11. Sonja meint:

    Hallo Frau Kaltmamsell,
    Ach, schade – das Furze Parfum gibt’s hier in UK in den meisten Lush Laeden. Anscheinend in Irland nicht. Und auf der deutschen Lush website ist es scheinbar auch nur online zu bekommen (und kostet 35 Euro – schluck, da ist das Risiko es “unerschnuppert” zu bestellen zu gross.)

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