Journal Dienstag, 9. April 2019 – Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen

Mittwoch, 10. April 2019 um 5:52

Wieder sehr gut geschlafen, selbst nach einem Klogang Viertel nach fünf nochmal bis sechs tief eingeschlafen.

Nach einem Arbeitstag mit viel Manuellem in milder Luft nach Hause spaziert. Dieser Frühling hat nach zwei Jahren Sommer im März und April endlich wieder angemessene Temperaturen, es wärmt sich langsam und mit Rückschlägen auf.

Daheim nur kurz pausiert und gewerkelt, dann mit Herrn Kaltmamsell zum Treffen unserer Leserunde spaziert. Es gab wieder gut zu essen.

Frühlingssalat mit gekochten Kerndln, Spargel und Karotten aus dem Ofen mit Knusperpolenta und Ziegenkäse.
Wichtiger Nachtrag: Dazu gab es großartige Geschichten über Autounfälle und Polizeibegegnungen in Deutschland und Australien.

Geredet wurde über Maja Lunde, Ursel Allenstein (Übers.), Die Geschichte der Bienen, das ich in England gelesen hatte – an einem Tag, denn es sieht nur dick aus, hat aber wenige Buchstaben pro Seite. Und ist inhaltlich dann doch dünner, als man bei der Beschreibung vermuten möchte: Drei Bienengeschichten zu drei verschiedenen Zeiten werden ineinander geschoben. Eine spielt in der Viktorianik und dreht sich um einen Ich-Erzähler, der ein neuartiges Bienenhaus entwickelt. Die zweite spielt in unserer Gegenwart in den USA bei einem hauptberuflichen Bienenzüchter, der das Aussterben der Bienen miterlebt. Die letzte in einer nicht zu fernen Zukunft in einem dystopisch gemeinten China, in dem alle Arbeitskraft in das manuelle Bestäuben von Blüten gesteckt wird, damit die Bevölkerung nicht verhungert.

Wozu diese Handlungsstränge abwechselnd erzählt werden, erschloss sich mir nicht, denn sie beleuchten einander nicht (erst am Schluss stellt sich heraus, wodurch sie zusammenhängen, und selbst dann wird das nicht ganz klar), man hätte sie auch hintereinander hängen können. Und dann sind die Szenerien und vor allem die Personen platt und holzschnittartig. Als Leserin rollte ich nicht nur über die Kurzsichtigkeit der Ich-Protagonisten die Augen, sondern auch über die plumpe Vermittlung derselben. Sogar ärgerlich machte mich die Schilderung des Zukunfts-Chinas: In der zweiten Hälfte dieses Handlungsstrangs soll ein oppressiver Staat geschildert werden – der allerdings in seinem Totalitarismus hinter dem heutigen China zurücksteht und im Grunde das Individuum freier sein lässt als heute. Das wies für mich auf eine peinliche Unkenntnis bestehender Verhältnisse hin.

Der Empfehler des Buches blieb bei seiner Empfehlung, der Rest der Runde war sich einig, dass der Roman überflüssig ist. Aber: Jetzt habe ich auch mal norwegische Literatur gelesen.

Nächtlicher Spaziergang nach Hause, immer noch in angenehm milder Luft.
Daheim noch Pizzateig mit wenig Hefe für Mittwochabend angesetzt.

§

Don Reisinger entdeckt, dass das Internet aus Menschen besteht:
„I Thought I Understood Facebook. Then My Dad Died“.

via @tknuewer

Wir uralten Hasen des Pleistozän-Web wissen das. Es ist rührend zu lesen, wie jemand das nachträglich erkennt.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu “Journal Dienstag, 9. April 2019 – Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen

  1. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Wenn Sie eine Empfelung für ein Bienen Buch haben mögen:
    Ulla Lachauer: Von Bienen und Menschen
    Es erzählt von Imkern aus ganz Europa, ich habe viel über Bienen, Menschen, Landschaften und den Geschmack von Honig gelernt.
    Über ein paar Fehler der offensichtlich nicht vorhandenen Lektors habe ich mich geärgert, aber gut.
    Hat schon jemand das Buch von Sahra Wiener zum Thema Bienen gelesen? Und? Lesenswert?

  2. Ute meint:

    Ich quäle mich gerade durch dieses Buch – es wird ja (fast) überall gepriesen, muss doch gut sein! – und finde es langweilig. Ich lese nur weiter, weil ich mir eine geniale Verknüpfung der Erzählstränge zum Ende hin, erhoff(t)e. Nun ja, diese Hoffnung haben Sie dankenswerterweise zunichte gemacht. Da kann ich mich also doch etwas anderem zuwenden.
    Herzliche Grüße
    Ute

  3. Sebastian meint:

    Der Empfehler kann die Ablehnung verstehen und bleibt auch dabei, dass er nicht versteht (und das jetzt beim Lesen der Zusammenfassung hier erst in Worte fassen kann), warum die Schilderung dieses Chinas in 80 Jahren „auf eine peinliche Unkenntnis bestehender Verhältnisse“ hinweist.

    Ich würde den Vorwurf verstehen, wenn die Autorin da drüber geschrieben hätte „oppressiver Staat, der dann natürlich schlimmer als heute sein muss“ Sie hat sich aber nur was ausgedacht.

    Ja aberaber? Alsdann: Wenn 1939 jemand das Deutschland von heute sich so ausgedacht hätte wie es grad ist – ich hätte sogar ein bisschen mehr Verständnis wenn ihr oder ihm „eine peinliche Unkenntnis bestehender Verhältnisse“ vorgeworfen würde. Nur ein bisschen.

    Oder kurz: „Hey, da hast Du die Zukunft aber echt falsch recheriert.“ Dichter dürfen das, find ich.

  4. Elbwiese meint:

    Ich fand das Buch wahnsinnig platt. Gemessen an all dem verfügbaren Wissen über Bienen und über die ökologische Katastrophe war mir das viel zu oberflächlich. Ach wenn es doch nur neben den Bestseller-LIsten auch aktuelle Listen der meistgelesenen Bücher gäbe.
    Ich kommentiere aber eigentlich um brandaktuell zu berichten, daß meine Kastanien, 4 alte Bäume, in diesem Jahr nahezu keine Blütenknospen ausgebildet haben. Als die Blätter sich enthüllten („Pfötchen gaben“), war ihre Mitte leer. Eine Folge der extremen Trockenheit. Kastanien ohne Blüten: gruseliger als jedes Buch, für mich jedenfalls.

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