Journal Sonntag, 19. Januar 2020 – Überraschungsbesuch aus England

Montag, 20. Januar 2020 um 6:51

Morgens ein Hauch Schnee auf den Dächern, dann ein paar Flocken in der Luft, auch mal ein echter Schneeschauer.

Ich hatte lange geschlafen und war so bei aller Zerstückelung auf ausreichende Nettoschlaf gekommen.

Wer mir übrigens nie Gesundheitstipps gibt, auch nicht zu meinen jahrelangen Kreuz- und Hüftproblemen, ist Herr Kaltmamsell. Statt dessen bemitleidet er mich, hört mir zu und berücksichtigt meine jeweilige Tagesform.

Nun daure ich ihn allerdings so sehr, dass er sich die Erlaubnis für Stellungsnahmen geholt hat: eine pro Tag. Am Samstag lautete die, ich solle die Ärzte doch bei Gelegenheit fragen, wie viel und wie intensive Bewegung sie raten (Ich bin ja schon froh, wenn sich ein Arzt überhaupt ernsthaft mit meinen individuellen Beschwerden befasst und nicht einfach in die Standardkiste greift.), gestern empfahl er mir mal konsequente Sportpause. Woraufhin ich tatsächlich die geplante Schwimmrunde strich, auf die ich mich wirklich gefreut hatte. Versuche ich es also mal eine Woche lang mit gezielt möglichst wenig Bewegung, auch dazu kann ein Schrittzähler ja dienen.

Auch sonst lief der Sonntag anders als geplant: Vormittags klingelte mein Handy (zur Erinnerung: mich ruft NIE jemand an, allerhöchstens Friseur oder Arztpraxis, also am Sonntag schon gleich überhaupt niemand), ich sah eine englische Nummer – und erkannte die Stimme am anderen Ende auch nach vielen Jahren bereits nach zwei Wörtern. Meine nordenglische Studienfreundin H. war gerade auf Skiurlaub in den Alpen und hatte vor dem Rückflug Sonntagabend von München aus noch Zeit. Ich warf umgehend alle Pläne um und lud sie zu uns ein, freute mich gewaltig.

1992_ines3 after the chip stop

Sie ist die rechte, das links bin ich damals 1992 in Swansea. Bei ihren Eltern hatte ich damals Weihnachten verbracht (silly hats!), sie hatte mir mit ihrem unglaublichen Kopf für Faktenwissen eine Menge über England und seine Geschichte beigebracht (definitiv jemand, die man beim Pub Quiz im eigenen Team haben will). Ihre Eltern waren es, die mir im Jahr drauf über Monate alte Stark Trek-Folgen aufnahmen und auf VHS-Kassette nach Deutschland schickten – in Zeiten, in denen hier nur sehr schwer an die unsynchronisierte Fassung heranzukommen war.

Bei einer ähnlichen Gelegenheit hatten wir einander 2016 gesehen. Diesmal holte ich H. vom Bahnhof ab (vorher schnell noch ein halbes Dutzend Krapfen besorgt), brachte sie zu uns. Schöner Austausch der Lebenssituation, sie machte einen guten Eindruck. H. berichtete allerdings Besorgliches über eine gemeinsame englische Freundin, bei der ich mich also dringend melden will.

Klar sind wir alle älter geworden, doch ich freute mich sehr, den Kern der alten Freundin wiederzuerkennen: Messerscharfer Verstand kombiniert mit Menschenfreundschaft und Pragmatismus. Allein schon ihre Geschichten, wie sie auf Reisen immer wieder einfach Abstecher zu Menschen aus ihrer Vergangenheit macht – sei es gestern in Süddeutschland oder bei anderer Gelegenheit in Italien oder Slowenien: „So I thought, mmh, why not give her a ring and drop by?“ Das geht!

Ruhiger Räumabend, zum Nachtmahl gab es Reste der vergangenen Tage.

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Außensicht ist ja immer interessant, gestern zum Beispiel die Sicht eines britischen Anwalts, der als Zeuge vor dem Bundesverfassunggericht aussagte, auf diese Institution – als Twitter-Thread.

via @miriam_vollmer

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Kashmir Hill von der New York Times hat über den Stand der Gesichtserkennung recherchiert – und herausgefunden, dass die (noch) kleine Firma Clearview einige Mauern niedergerissen hat, die ohnehin nur auf vager Selbstverpflichtung basierten. Die Verbindung aller Speicherorte, an denen Bilder mit persönlichen Angaben verknüpft sind (u.a. Polizeidatenbank, Facebook, YouTube), bedeutet das Ende jeglicher Privatspäre.
„The Secretive Company That Might End Privacy as We Know It“.

Wie gut die Software bereits funktioniert, bekam gleich mal die recherchierende Journalistin zu spüren:

While the company was dodging me, it was also monitoring me. At my request, a number of police officers had run my photo through the Clearview app. They soon received phone calls from company representatives asking if they were talking to the media — a sign that Clearview has the ability and, in this case, the appetite to monitor whom law enforcement is searching for.

Nachtrag: Die Zeit hat eine Zusammenfassung des Artikels auf Deutsch.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Sonntag, 19. Januar 2020 – Überraschungsbesuch aus England“

  1. Simone meint:

    „Messerscharfer Verstand kombiniert mit Menschenfreundschaft und Pragmatismus.“
    Gäbe es doch mehr solcher Menschen.

  2. Sabine meint:

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    Gerne gelesen

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  3. arboretum meint:

    Sie ist die rechte, das links bin ich damals 1992 in Swansea.

    Wer Sie sind, erkennt man aber auch ohne Bildunterschrift sofort am Lächeln. :-)

    Und wie schön, dass Sie sich auch nach all den Jahren noch mögen und sich etwas zu sagen haben.

  4. Mareike meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

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  5. Sabine Mertes meint:

    Herr Kaltmamsell scheint ein richtiger Schatz zu sein.
    Was für ein Glück, so einen Menschen an seiner Seite zu haben, oder?!
    Herzliche Grüße
    Sabine


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