Journal Samstag, 28. März 2020 – Drinnenbleiben trotz warmer Sonne

Sonntag, 29. März 2020 um 9:32

Köstliches Aussschlafen bis nach sechs – Verwunderung beim Blick auf den Wecker, weil es draußen schon so hell war. Die Sommerzeit kommt für mich dieses Jahre etwa zwei Wochen zu spät, so hell hat es um sechs schon seit einer Weile nicht zu sein.

Ich hatte lebhaft geträumt, eingebettet in so leichtem Schlaf, dass ich mir gleichzeitig versuchte die Träume zu merken.
Dass ich zum Beispiel für eine Zeitungsschlagzeile die Abkürzung „HOCTOR“ erfunden hatte, für „Hollywood Actor“, und wie scheußlich das aussah.
Dass ich einen alten Bekannten wiedertraf, mich sehr über die Begegnung freute und darüber, dass er einen leuchtend grünen Lidschatten als neues Markenzeichen trug, weil das sehr cool aussah.
Dass ich ihn in Brighton traf, wo es aber nicht aussah wie in Brighton und wo Buchläden jetzt schon weihnachtlich dekoriert waren – aber nur zum Zweck von Fotoaufnahmen für Weihnachtsanzeigen.

Gemütlicher Morgenkaffee, ich buk einen Nusszopf, der eigenartigerweise zum mindestens zweiten Mal auch nach 40 Minuten innen noch roh war.

Sport: Ich hatte wochenendlich genug Zeit für Yoga und eine ausführliche Runde Crosstrainer, letztere allerdings nicht ganz so vergnüglich wie die zuvor, weil die Muskeln um meine wehe Hüfte zu fest hielten und nicht zu lockern waren.

Zum Frühstück den letzten Rest Wildpastete und viel Nusszopf (nachgebacken).

Ein milder, sonniger Tag, doch ich blieb daheim. Gehen/Spazieren ist mir ja im Moment nicht wirklich möglich, irgendwohin zu radeln wäre eine Alternative gewesen, aber ich nahm an, dass bei dem schönen Wetter eh wieder zu viele Leute draußen waren. Also übte ich mich lieber in gutem Beispiel und öffnete stundenweise die Balkontür.

Frisch gewaschen spielt der rausgewachsene Haarschnitt noch sowas wie eine Frisur, doch schon jetzt bin ich genervt. (Haben Frauenzeitungs-Websites bereits Strecken mit „Stylingtipps für ausgewachsene Haarschnitte“?)

Zum Nachmittagssnack Orange, Apfel, Nusszopf.

In der Abenddämmerung wieder Ausschau gehalten (Herr Kaltmamsell macht das bereits seit einer Woche), diesmal erfolgreich: Fledermaus! Das machte mich sehr froh.

Den Fernseher deutlich vor acht eingeschaltet, in der Sicherheit, dass ich ja nicht in Fußball stolpern kann, weil derzeit Seuchen-bedingt keiner gespielt wird. Stellte sich heraus: Die zeigen jetzt einfach ALTE Fußballspiele auf dem Sportschau-Sendeplatz!

Herr Kaltmamsell hatte auf meinen Wunsch zum Nachtmahl japanische Suppe zubereitet.

Was ich vergesse zu erwähnen: Wie dankbar ich dafür bis, dass ich in diesen Quarantänezeiten mit jemandem zusammenlebe, den ich liebe, den ich berühren kann.

§

Leschs Kosmos zur Coronakrise: „Corona: Was weiß die Wissenschaft?“ Viel interessanter Forschungsstand, Blick in die jüngere Forschungshistorie, nützlicher Blick auf andere gut dokumentierten Pandemien. (Allerdings wünschte ich mir mal wieder, sie hätten keinen Off-Sprecher mit raunender In a world…-Stimme genommen.)

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https://youtu.be/2jEJNUu73ms

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Carolin Emcke denkt auf die ihr so eigentümliche Art über das Leben in der Pandemie nach:
„Politisch-persönliche Notizen zur Corona-Krise
Woche 1: Vom Spazierengehen in Kreuzberg, von nahen und fernen Körpern – und Wörtern, deren Bedeutungen sich verschieben.“

(Von ihr lese ich sogar ein neu begonnenes Corona-Tagebuch – eine Gattung, die ich sonst meide: Wenn ich den vorherigen Tagebuchalltag nicht kenne, kann ich doch den Unterschied zu jetzt nicht nachspüren.)

§

Dank Internet ist nicht nur Quarantäne nicht einsam, wir lernen viel Neues über Menschen:
Anthony Hopkins stellt uns seine Katze vor,
Steve Martin beweist, dass Banjo auch lyrisch klingen kann.
Und ich freue mich über all die Filmchen aus geschlossenen Zoos der Welt.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Samstag, 28. März 2020 – Drinnenbleiben trotz warmer Sonne“

  1. hafensonne meint:

    Vielen Dank für Ihre Berichte!

    Hier wird Interesse an der japanische Suppe geäußert. Möhren, Pilze, Schoten, Tofu, Miso?

  2. FrauC meint:

    Oh ja, Tipps für rausgewachsene Haarschnitte wären wirklich mal hilfreich! Im Gegensatz zu den Tipps gegen die angebliche Langeweile, die sich hier einfach immer noch nicht einstellen will… im Gegenteil, ich habe mehr zu tun als sonst!

  3. Herr Kaltmamsell meint:

    >Hier wird Interesse an der japanische Suppe geäußert. Möhren, Pilze, Schoten, Tofu, Miso?

    Tatsächlich war die Suppe nicht so gut wie sonst, aber ich hatte gehofft, das für mich behalten zu können; sieht man auf dem Bild ja nicht.

    Miso: wenn im Haus ist (diesmal nicht), evtl. Algen (diesmal nicht), unbedingt Ramen- oder am liebsten Udon-Nudeln (schwimmen im Bild unten). Ansonsten was da ist: Frühlingszwiebeln, Sprossen, Pak Choi, Ingwer, Koriandergrün, Chilistückchen, gebratene Knoblauch-, Schinken- oder Fleischscheiben, evtl. ein Ei (zum Beispiel ganz, ganz weich gekocht und einen Tag in Sojasoße eingelegt). Ich fürchte, ich habe es diesmal ein wenig schleifen lassen.

    Frau Kaltmamsell besteht ja auf Hühnerbrühe, recht hat sie. Seit ich mal Brühe vom ausgekochten Jamón-Rest dazu gegeben habe, lässt sie mich nicht mal mehr das halbe Glas Wildfond aufbrauchen, das noch im Kühlschrank gewesen wäre.

  4. Leonie meint:

    Das Problem mit dem herausgewachsenen Kurzhaarschnitt hatte ich auch – vielleicht noch einen Ticken schlimmer als bei Ihnen aktuell, bei mir kamen die Nackenhaare sogar schon in der Frontansicht nach vorne um die Ecke gekringelt, brrr. Seit gestern ist alles ausnahmslos 12 mm kurz und ich fühle mich äußerst befreit.

  5. hafensonne meint:

    Vielen Dank, Herr Kaltmamsell! Hühnerbrühe aus Eigenproduktion ist hier kein Problem, aber aus Resten von Jamón? Schinken am Knochen? Das ist mal eine Idee.

    Kommen Sie beide gut durch und bleiben Sie gesund! Viele Grüße von der Ostsee.

  6. Angela meint:

    ❤️ was Sie über das Zusammenleben in Quarantänezeit schreiben, genauso hab ich das heute morgen zu meinem Mann gesagt. ☺️

  7. PaulineM meint:

    Hier auch. Es tut so gut einen Lieblingsmenschen im Haus zu haben.

  8. Ka meint:

    Die Möhren sehen so hübsch aus wie Blumen … wie geht denn das? Gibt es da einen Trick ?

  9. Herr Kaltmamsell meint:

    Ich kann nur zwei Sachen, die halbwegs als Deko durchgehen: „horse ear cut“ für Frühlingszwiebeln, und mit einem Ziseliermesser Blümchenscheiben machen: https://www.amazon.de/Professionelles-Ziseliermesser-Spitzenqualit%C3%A4t-gleichm%C3%A4%C3%9Figem-Zackenr%C3%A4ndern/dp/B01FJPZ6G8/


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