Journal Samstag, 25. April 2020 – Gruß aus den Staatlichen Museen von Gaganien

Sonntag, 26. April 2020 um 8:43

Wohlig ausgeschlafen bis fast sieben. Draußen lachte ein weiterer Sonnentag; als ich vormittags nach Gymnastik auf den Crosstrainer stieg, den eben erworbenen Sountrack von Guardians of the Galaxy auf den Ohren, konnte ich der Kastanie beim Aufblühen zusehen. Ich strampelte locker, leicht und ausführlich.

Herr Kaltmamsell hing nach der vergangenen Arbeitswoche erschöpft in den Seilen, ich durfte fürs Abendessen sorgen und die Wochenendeinkäufe erledigen (wenn man nicht für eine Woche und eine vierköpfige Familie einkauft, geht das nämlich problemlos allein, liebe blockierenden Einkaufspärchen). Abstandhalten war in den beiden besuchten Läden schwierig, in einem war die Angestellte mit der Hemdaufschrift „Security“ das Problem: Wenn so jemand ohne Mundschutz mitten im knapp zwei Meter breiten Eingang steht und auf mein Stehenbleiben mit der freundlichen Aufforderung „Sie können ruhig reingehen“ reagiert – weiß ich auch nicht weiter.

Daheim stürzte sich Herr Kaltmamsell in das Vier-Herdplatten-Frühstück Eggs florentine (MIT selbst gemachten Crumpets!), ich freute mich an dem am Vortag eingegangenen Gruß aus den Staatlichen Museen von Gaganien:

Die wundervolle Gaga Nielsen hatte eine Frühlingstombola beschlossen und durchgeführt.

Nach dem Frühstück befasste ich mich mit der aus dem Keller geholten Sommerkleidung (also der, die nicht ganzjährig Platz im Schrank hat) und kellerte ein wenig Winterkleidung ein, schweren Herzens auch die Wandersachen – es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ich dieses Jahr wanderfähig bin. Zudem füllte ich eine Kiste mit meinen hohen Schuhen, die ich seit knapp einem Jahr wegen der Schmerzen nicht mehr tragen kann und die nur im Regal einstauben: Noch bringe ich den Optimismus für eine Zukunft auf, in der sie wieder zum Einsatz kommen können.

Ein Vorteil des verschlankten Kleidungsbestands, der nur wenig Einkellerung beim Jahreszeitenwechsel nötig macht: Ich muss weniger aufbügeln. So dauerte der Bügeleinsatz inklusive Wäsche der vergangenen Wochen nur ein Stündchen, in dem ich den vorletzten NDR-Drosten-Podcast anhörte. Unter anderem lernte ich daraus, woher der Präventionsvorsprung Deutschlands resultiert und welche Hinweise aktuelle Studien geben, hier der Text er Sendung zum Nachlesen als PDF.

Der Tag war blitzschnell vergangenen: Ich war nicht mal zum Zeitunglesen gekommen und hatte den Verdacht, dass mir irgendjemand am Vormittag und am frühen Nachtmittag mindestens zwei Stunden geklaut hatte.

Als Nachtmahl hatte ich Rosenkohlragout mit gefüllten Pfannkuchen ausgesucht. Ich kämpfte ein wenig mit den Pfannkuchen: „Der erste geht immer daneben“ stimmte halt auch hier, was allerdings bei ohnehin nur fünf bis sechs Stück ein großer Schaden ist. Geschmack allerdings ausgezeichnet, ein sehr befriedigendes Essen.

§

Auch die geschätzte Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Kathrin Zinkant hatte sich mit Prof. Drosten unterhalten, und zwar vor allem über seine eigenartige gesellschaftliche und mediale Rolle derzeit:
„‚Als Wissenschaftler schafft man keine Fakten'“.

Ich bin weiterhin sehr beeindruckt von Drostens Konzentration auf Inhalte und Lösungen, hinter der persönliche Befindlichkeiten zurücktreten.

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Journal Samstag, 25. April 2020 – Gruß aus den Staatlichen Museen von Gaganien“

  1. Frau Klugscheisser meint:

    Die hohen Schuhe gehen irgendwann wieder, da bin ich ganz sicher – vielleicht nicht mehr so lange und nur kurze Wegstrecken aber so ein Schuhwerk soll ja schmücken und nicht für lange Fußwege gefertigt sein. Ich nenne sie deswegen Taxischuhe – obwohl ich als Jugendliche darin ganze Abende incl. An- und Abmarsch verbrachte. Später dann sehr erstaunt und widerwillig dieses Konzept der großen Handtaschen in New York beobachtet, die Büroschuhe trugen, während die Füße zum Kostüm in Turnschuhe steckten. Da ich lange keine Handtasche besaß, war das für mich ausgeschlossen. Irgendwann beugte ich mich dem Modediktat – nicht ungern, denn ab einem gewissen Alter sind Bequemlichkeitsaspekte wichtiger als das Aussehen. Die Zeit der Jacken und Strümpfe bei niedrigen Temperaturen fällt damit zusammen.

    Vor meiner OP war ich so kurz (Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger etwa 2mm) davor, alle >5cm Absätze auszusortieren. Die taten nicht nur an der betroffenen, sondern auch an anderen Stellen weh (Hallux, Knie). Seit kurzem kann ich mich wieder schmerzlos hineinwagen. War‘ arg schad gwes’n, weil die Schuah war’n pfenningguad.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank, Frau Klugscheisser, fürs Hoffnungspenden!

  3. Defne meint:

    Eine ähnliche Begegnung mit einem Security-Mitarbeiter hatte ich auch: Er stellte sich so hin dass es unmöglich war an ihm mit Abstand vorbeizugehen.
    Bei der Security-Dame am Freitag hat es mir dann gereicht als sie mich geduzt hat habe ich mich bei der Supermarktleitung beschwert.
    Ich habe das Gefühl dass das Security-Personal oft gar nicht kapiert hat um was es überhaupt geht.

  4. Croco meint:

    Diese Security kommt direkt aus der Clubszene. Sie hauen erwachsene nüchterne Menschen an, und bekommen den Kontrollblick Richtung Kleidung und Schuhen nicht weg. Ich glaube, das mit dem Abstand wurde in der Schnellschulung vergessen.
    Oder sie können es sich nicht merken.
    Meine hochhackigen Schule hebe ich einfach auf, mit großem Bedauern. Aber wer weiß, was in zwei drei Jahren mit den halbtauben Füßen sein wird.
    Dieses wissenschaftliche Denken gefällt mir sehr. Es ist egal, ob Du gerade traurig bist oder froh, diese Struktur hält Dich.

  5. Sandra meint:

    Sie wurden geduzt? Ist ja nicht auszuhalten! Im Dönerladen wird man fast immer geduzt- da beschwert man sich doch auch nicht.

  6. Gaga Nielsen meint:

    Die Postkutsche von Gaganien nach München war aber schnell. Man merkt eben doch, dass die Straßen ein bißchen freier sind. In Gaganien ist es heute ein bißchen wolkig, aber dahinter guckt die Sonne vor.
    Schönen Sonntag wünsche ich.

  7. Defne meint:

    @Sandra
    Ich denke wenn ich im Dönerladen einkaufen würde, dass ich als Rentnerin nicht geduzt werden würde, sondern einigermassen respektvoll angesprochen würde. Die Jungs aus diesem Kulturkreis wissen im Prinzip schon wie sie sich benehmen sollen. Ausprobieren werde ich das nicht denn Fleischstücke mit etwas Salat, raustriefende Sauce und Brot drumrum ist nicht so meines. Es ist sicher über 10 Jahre her dass ich sowas mal gegessen habe.
    Das „Du“ kommst hier nicht rein! der Security-Frau im Supermarkt passt sicher nicht dort hin. Es wäre schon hilfreich wenn sie freundlich die Bedingungen für den Zutritt in den Supermarkt artikulieren könnte.

  8. Frau Irgendwas ist immer meint:

    So toll wie das Sportprogramm durchgezogen wird, Sie also fit wie der sprichwörtlich Turnschuh sind, werden Sie die Reha auf High Heels verlassen!!! Natürlich in einem, extra dafür zugelegten Schuhwerk!
    Gruß und tapfer bleiben!

  9. Olga meint:

    Der erste Pfannkuchen haelt bei mir, seit ichdas REzept auf „Kochen mit der Maus“ verwende:

    für 2 Pfannkuchen:
    1 Ei
    1 Prise Salz
    140 ml Milch (oder Wasser)
    80 g Mehl
    Butter oder Butterschmalz

    Ei, Salz und Milch verquirlen, dann Mehl, ruehren, bis es glatt ist. Eine halbe Stunde stehenlassen, dann noch einen Schuss Sprudel unterruehren.

    … und dann wie immer.

  10. Andrea Stock meint:

    Ich hab das mit dem ersten Pfannkuchen, der nichts wird (war bei mir genauso), durch einen sogenannten Pfannkuchenautomaten (kein Crêpemaker) überwunden. Sieht aus wie ein Waffeleisen ohne Zacken. Das Gerät wurde von einer Firma im Hochsauerlandkreis produziert- leider nicht mehr im Angebot :-(
    Herzliche Grüße
    Andrea

  11. Hauptschulblues meint:

    Das Dilemma mit dem ersten Pfannkuchen liegt nur an der nicht ausreichenden Hitze.

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