Journal Sonntag, 13. September 2020 – Sommersonntag im September

Montag, 14. September 2020 um 6:03

Wieder endete die Nacht kurz nach vier. Ich wälzte mich noch bis halb sechs und gab dann das Warten auf Schlaf auf.

Erst mal las ich bockig noch ein Kapitel Nineteen Eighty-Four, dann erklärte ich den Morgen für begonnen (Milchkaffee, Bloggen). Aber so hatte ich halt um neun bereits die Twitter-Timeline ausgelesen, Bettzeug abgezogen, gewaschen, aufgehängt, Zwetschgenkuchen gebacken und saß auf dem Rad Richtung Olympiabad. (Ich hatte mich wieder vergeblich um eine Anmeldung zum Freibadschwumm im Schyrenbad bemüht.)

Den leichten Pulli hätte ich nicht mal gebraucht, es war schon jetzt Kurzärmel-warm. Schwimmen leider nicht erfreulich: Erst zickte die kaputte Hüfte, und gerade als ich in Fluss gekommen war und das ignorieren konnte, wurde die Schwimmbahn von einer zehnköpfigen Rotte älterer Kinder gekapert, die mit allem Spielzeug ausgestattet waren, das das Sportmarketing hergibt (Bretter, Polster, Flossen, Paddel) und immer im Pulk losschwammen – gerne genau dann, wenn ich gewendet hatte. Ich brach ab, nicht ohne hiermit wissenschaftlich zu dokumentieren, dass einem auch in Chlorwasser vor Wut Rauch aus den Ohren steigen kann.

Auf dem Heimweg besorgte ich Semmeln, die gab’s daheim. Danach war ich zu meiner Erleichterung Siesta-schwer und konnte anderthalb Stunden Schlaf nachholen.

Ich setzte mich auf den Balkon (nicht zu warm, nicht zu kalt), las Nineteen Eigty-Four aus, aß Zwetschgenkuchen mit Sahne. Jetzt trieb es mich doch nochmal raus, ich spazierte über den Südfriedhof und ein Stück die Isar entlang.


Der Südfriedhof noch ohne Herbstanzeichen.


Die Isar eifrig bebadet. (Abstand? Welcher Abstand?)

Zurück daheim packte ich den Bügelstapel an, unwillig – ich hängte mir die Karotte vor die Nase, dass ich dabei endlich das Netzpolitik-Interview mit Zoë Beck anhören konnte:
„Zoe Beck: Netzpolitische Krimis“.

Ich wurde reichlich für die Bügelanstrengung entschädigt. Hatte ich schon lange den Verdacht gehabt, dass Zoë Beck eine besonders kluge Frau ist, fand ich mich jetzt bestätigt: Ob es um die Verlagswelt ging, um das Leben überhaupt oder um die Konstruktion ihrer Romane – zu allem waren ihre Gedanken erhellend (u.a. warum man im Erzählen des 19. Jahrhunderts noch viel beschreiben musste, heute aber nicht). Bitter auch ihr Bericht, wie frühere Verlage ihr Frauen als Zielgruppe erklärten und wie sie folglich über welche Themen schreiben sollte. Ich habe gute Lust, zu einer Unterschriftenliste von viellesenden Frauen aufzurufen, die gerne Geschichten mit viel Technik und viel Politik mögen (das interessiert uns nämlich laut diesen Verlagen nicht).

Der erste Kürbis der Saison bekam wieder die Ehre, gebacken mit Äpfeln, Pilzen, Ruccola und Käse als Salat serviert zu werden.

Im Bett neues Buch für die Leserunde angefangen: Karosh Taha, Im Bauch der Königin.

§

Langer, sehr lustiger Twitter-Faden zur Lage UK-Brexit, damit geht er los:

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Sonntag, 13. September 2020 – Sommersonntag im September“

  1. Die Toni meint:

    Gerne unterschriebe ich auf Ihrer Liste! Und viele meiner Freundinnen auch.
    Die Toni

  2. jongleurin meint:

    Ich habe hier auch gerade solche Schlafstörungen. Highlight war am Samstag, als ich ab 3 Uhr morgens nicht mehr einschlafen konnte (ironischerweise habe ich sogar ein kleines Kind, das aber rein gar nichts von mir wollte in dieser Zeit). Darf ich nach Erfahrungswerten fragen: Gehen Sie dann am nächsten Abend entsprechend früher ins Bett? Oder versuchen Sie, bis zu einer für Sie einigermaßen gängigen Schlafenszeit durchzuhalten?

    Zoe Beck mag ich auch sehr. Ihren Blog durchaus noch lieber als ihre Bücher.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Bislang, jongleurin, funktionierte das noch mit üblicher Schlafenszeit – ich gehe ohnehin früh ins Bett (zwischen 22 und 22.30 Uhr).

  4. Nina meint:

    Ich habe seit Jugend schlimme Schlafstörungen. Das einzige, was oft hilft (leider nicht immer), ist die Yoga-Übung Viparita Karani/Beine hoch an der Wand-Übung. Offenbar entlastet sie Herz und Kreislauf und beruhigt den Parasympathikus. Da ich restless legs habe, dusche ich die Beine davor ein paar Minuten eiskalt ab. Klingt kontraintuitiv, entspannt mich aber tatsächlich sehr. Vielleicht hilft Viparita Karani (+ Variationen in der Haltung, also gegrätschte Beine, Fußflächen aneinander legen) ja auch anderen mit Schlafproblemen.

  5. Liv meint:

    Meine „Karotte“ fürs nächste Mal Wäsche bügeln bzw. falten (ich bügle nur das Minimum) wird die Sendung Sternstunde Kunst mit Margaret Atwood auf SRF. In die letzten Minuten habe ich gestern zufällig reingezappt, und musste da gleich an Sie denken. Vielleicht können Sie es bei Interesse in der Mediathek schauen (falls keine Geo-Schranke existiert – ich hatte das Problem leider schon des öfteren, mit umgekehrtem Wohnland, in dt. Mediatheken).

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