Journal Mittwoch, 13. Januar 2021 – Befang aus dem Internet

Donnerstag, 14. Januar 2021 um 6:39

Fast durchgeschlafen.

Rutschiger Weg in die Arbeit, weil es am Vorabend getaut hatte und dann überfror. An manchen Stellen ein Hauch Neuschnee. Der feste Blick auf den Meter Fußweg vor mir verhinderte, dass ich sonst etwas mitbekam – fast: Einmal blieb ich stehen, mitten auf der Theresienwiese, um die Weite und den langsam morgenhellen Himmel zu genießen.

Reichlich Arbeit, verlangsamt durch technische Probleme.

Mittags Scheiben vom letzten selbstgebackenen Brot aus der Gefriere (am Wochenende darf ich wieder backen!), Grapefruit mit Joghurt. Nachmittagssnack Eiweißriegel.

Auch auf dem Heimweg war ich sehr vorsichtig unterwegs: Zu dem glatten Untergrund kam in der Dunkelheit schlechte Sicht.

Als Sport hatte ich mir eigentlich eine Cardio-Einheit auf dem Crosstrainer vorgenommen, doch schon am Nachmittag gemerkt, dass ich mich dazu nach der Arbeit nicht würde aufraffen können. Also statt dessen eine halbe Stunde Yoga, hauptsächlich Dehnen.

Bei einer weiteren empfohlenen Quelle FFP2-Masken bestellt. Hier ein Forschungsergebnis der FH Münster, wie man sie im Privatgebrauch möglichst lange und dennoch hygienisch benutzen kann.

Das Abendessen ließen wir aushäusig zubereiten: Herr Kaltmamsell holte Gerichte vom bewährten Vietnamesen Chi Thu, ich genoss Reisnudeln mit gebratenem Tofu, frischem Gemüse und vielen frischen Kräutern.

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„Deutschland jetzt mit höherer Corona-Todesrate als die USA“.

Wie Prof. Drosten vergangenen Sommer erklärte: Wir haben in Deutschland in der ersten Welle vor allem Glück gehabt. Glück, dass die ersten Infektionen entdeckt wurden, bevor es den ersten Toten gab. Und Glück, dass hier der weltweit erfahrendste Spezialist für Coronaviren forscht und die Bundesregierung seine Expertise in Anspruch nahm. In der zweiten Welle hatten wir das nicht mehr.

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Andere Gegenden haben andere schlimme Vergangenheiten zu bewältigen. Irland arbeitet seit Jahren die insitutionalisierte Misshandlung unverheirateter Mütter und ihrer Kinder auf. Nachdem inzwischen der Bericht des Untersuchungsausschusses zur Beteiligung des Staats am System der Magdalen Laundries vorliegt, wurde diese Woche der Untersuchungsbericht zu den „Mother and Baby Homes“ veröffentlicht, die ebenfalls die katholische Kirche betrieb, bis in die 1990er (!) (!!), und in denen jedes siebte Kind starb. (Harter Tobak, eher in einer stabilen und ruhigen Minute zu lesen.)
„‘I was born in a jail and I spent years in a jail. I got no love, no care, no education’ – harrowing testimonies from inside Mother and Baby Homes“.

Ich bin immer wieder fassungslos, wie lange und mit welch weitreichenden Auswirkungen uneheliche Schwangerschaften auch bei uns stigmatisiert wurden (werden? würde ich es mitbekommen, wenn das in bestimmten Teilen meiner eigenen Gesellschaft immer noch so wäre?).

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Wieder mal Respekt vor den Feministinnen, die dieselben Argumente unermüdlich wiederholen, täglich auf dieselben unsachlichen Einwände. Margarete Stokowski fasst nochmal den Stand zur geschlechtergerechten Sprache zusammen.
„Auch durch Astronautinnen ändert sich nicht alles“.

Sagt doch einfach, dass es euch nervt, »zu gendern«, wie man umgangssprachlich sagt, was aber natürlich nicht ganz richtig ist, denn auch Texte, in denen für alle Personengruppen die männliche Form benutzt wird, sind »gegendert«, nur halt: männlich.

(…)

Niemand glaubt, dass sich durch gerechtere Sprache alles ändert. Aber auch durch Frauenquoten, kostenlose Tampons auf öffentlichen Toiletten oder Interviews mit Astronautinnen ändert sich nicht »alles«. Es wurde millionenfach erklärt, warum es richtig und notwendig ist, geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, unter anderem weil man aus Studien weiß, dass Menschen sich unter der männlichen Form einer Gruppenbezeichnung eben nicht alle Geschlechter vorstellen.

(…)

Auch das Argument, dass die ganze Unterstrich- und Sternchensache ja nur fürs Schriftliche gedacht sei und mündlich nicht funktioniere, haut nicht hin, denn erstens gibt es eben die Möglichkeit, eine kurze Pause zu sprechen (Stichwort »Glottisschlag«, klingt komplizierter als es ist, es klingt dann einfach wie »Lehrer innen«). Und zweitens: Selbst wenn es nur schriftlich üblich wäre, wäre das kein Gegenargument, denn auch Dinge wie »Mit freundlichen Grüßen…« oder das Semikolon finden in der gesprochenen Sprache nicht statt und niemand will sie abschaffen.

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Noch was Lustiges, gell. Frauengespräche beim Aussuchen einer passenden Wandfarbe (mit schottischem Akzent).
via @katzentratschen

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 13. Januar 2021 – Befang aus dem Internet“

  1. Alexandra meint:

    Meine katholische Mutter war mit 19 Jahren schwanger von meinem protestantischen Vater, drei Jahre bevor sie in geheiratet hat. Sie wohnte noch bei ihren Eltern zu dieser Zeit. Unter wüsten Beschimpfungen hat ihre katholische Mutter sie, die noch nie zuvor bei einem Gynäkologen gewesen ist, in einer heimlichen Nachtaktion zu einem Abtreiber gebracht. Im Nachgang musste meine Mutter als Notfall ins Krankenhaus.

    So viel über meine Gefühle zu der gestrigen Radiomeldung in Sachen Kindstode in katholischen Heimen für ledige Mütter.

    Die fest installierte Verachtung hat auch hier Schicksale bestimmt und Leben gekostet – ich kenn‘ viele solcher Geschichten.

    Der Ausdruck „institutionalisierte Misshandlung“ bringt es sehr, sehr gut auf den Punkt.

  2. Katrin meint:

    Zum Thema „Magdalen Laundries“ empfehle ich den Film Magdalen Sisters. Sehr ergreifend.

  3. Duden meint:

    https://www.aok.de/pk/fileadmin/user_upload/AOK-Bayern/05-Content-PDF/MP2018_5_HF_AhrHawranek.pdf

  4. Trulla meint:

    @Katrin
    Ja, ein unglaublich erschütternder Film. Und nicht übertrieben, denn alles, was in der Realität später zu erfahren war, hat ihn nicht nur bestätigt, sondern teilweise noch übertroffen.
    Und wieder und wieder bestätigt sich die Heuchelei der Religion. Mir ist es ein Rätsel, dass trotz des Wissens um die Grausamkeiten ihrer Institutionen in sämtlichen Fragen der Sexualität (Zölibat, Kindesmissbrauchs usw.) immer noch Menschen daran festhalten.

    @Alexandra
    So traurig. Hat Ihre Mutter das je verzeihen können bzw. wollen?

    Wir dürfen niemals aufgeben, Diskriminierung jeglicher Art zu bekämpfen. Leider sind sehr viele Menschen nicht bereit, alte Denkmuster in Frage zu stellen. Oft nur aus Bequemlichkeit.

  5. Andrea meint:

    Zum Thema Magdalen Laundries gibt es natürlich auch noch den Film Philomena mit der wunderbaren Dame Judi Dench. Dadurch wurde ich auf dieses grausame Thema aufmerksam.

  6. Alexandra meint:

    Das ganze katholische Zeug hat meine Mutter in meinen Augen so sehr von ihrer Selbstwahrnehmung abgeschnitten, dass sie mir (selbst bereits Mutter zu dem Zeitpunkt) auf meine fassungslose Nachfrage zu ihrem Bericht, irritiert antwortete (wörtlich): „Sauer? Nee, wieso sollte ich denn sauer sein … ?!“ Aber was weiß ich schon, ich kann ihr ja auch nur vor den Kopf gucken.

    Zum Thema „Kirche & Sexualität“ habe ich zwei sehr erhellende Bücher gelesen, ich bin mir nicht sicher, ob inzwischen sogar beide nur noch antiquarisch zu haben sind: „Das Kreuz mit der Kirche – Eine Sexualgeschichte des Christentums“ und „Der Pfaffenspiegel“. Mir ist bei der Lektüre über Seiten der Mund offen stehen geblieben – ums plastisch zu formulieren.

  7. Berit meint:

    Falls noch jemand eine FFP2 Quelle benötigt, auf real.de gibt es eine gute und halbwegs erschwingliche Auswahl mit akzeptablen Lieferzeiten (Stand Bestellung gestern vormittag)

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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