Journal Dienstag, 12. Januar 2021 – Alltag in der Pandemie

Mittwoch, 13. Januar 2021 um 6:18

Die lustige Körpertemperatur-Achterbahn hat derzeit eine noch nie dagewesene Amplitude: Sie reichte von Schweiß-Rinnsalen in der Nacht auf Montag und auf Dienstag bis zu Eiszapfen-Gefühlen, mit denen ich Montagabend nach Yoga bei aufgedrehter Heizung erst mit Nickyhose über Gymnastikhose, Wollsocken, mit Winterjacke über Sportoberteil und Hoodie warm wurde.

Der Nachtschlaf war eigentlich gut – bis er um 4 Uhr endete.

Auf dem Weg in die Arbeit sah ich noch schönes Morgen-Pink hinter mir auf der Theresienwiese – und mitten im Westend auf einer Kreuzung ein Kaninchen um ein Häusereck hoppeln (sehr weit weg von irgendwelchen Grünanlagen). Doch danach blieb der Wintertag grau und windig, ab Vormittag stöberten Schneeflocken, die sich immer deutlicher in Regen verwandelten.

Zackiges Arbeiten. Vormittags packte mich der Hunger, den ich mit einer Hand voll getrockneten Aprikosen bekämpfte. Mittags gab’s einen Rest weiße Bohnen vom Wochenende, außerdem Granatapfel mit Joghurt.

Ich bekam eine Nachricht vom Friseur, den ich bereits seit zwei Wochen herbeisehne: Der bereits beim letzten Besuch vereinbarte Termin am 20. Januar wird ja aus Pandemiegründen nichts, ab jetzt kann ich mich auf einen im Februar freuen. (Wenn der klappt, die Infektionszahlen geben keine Entwarnung.)

Nachmittags getrocknete Feigen und getrocknete Aprikosen, dennoch eine Stunde später schon wieder Magenknurren.

Nach nicht zu spätem Feierabend nahm ich eine U-Bahn an den Odeonsplatz: Ich steuerte von dort aus (in superekligem Wetter) den Hofbräuhausmühlenladen an, um meine Vorräte an diversen Mehlen aufzufüllen.

Die bayerische Staatsregierung macht ab nächsten Montag FFP2-Masken verpflichtend für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und das Betreten von Geschäften. Mit den leichten OP-Masken bin ich bestens ausgestattet, FFP2 hatte ich zwar letzte Woche bestellt, doch die wurden vom Anbieter noch nicht mal abgeschickt. Im DM-Drogeriemarkt auf dem Heimweg gab es keine mehr; in den zwei Minuten, die ich mit anderen Einkäufen an der Kasse anstand, fragten drei Kunden danach. Das könnte lustig werden.

Daheim stürzte ich mich wieder umgehend in Yoga, dasselbe Programm wie Montagabend – wieder sehr anstrengend. Herr Kaltmamsell hatte als Abendessen aus Vorräten einen Kichererbsen-Erbsen-Tomaten-Eintopf gezaubert, darin Eier stocken lassen: wunderbares Gemütsessen. Ebenso wie die anschließende Schokolade.

Angesichts der Mühen von Menschen mit Kindern natürlich eine Petitesse, aber diese Pandemie-Einschränkungen wirken sich schon auch auf meine Partnerschaft aus. Die gewohnten Gelegenheiten zum Austausch, zum Näherkommen, fürs Teilen von Erlebnissen, Wahrnehmungen, Gefühlen waren bei uns ausgedehnte Restaurantbesuche oder Wanderungen, auch gemeinsame Zugfahrten ließen uns ins Reden kommen, selbst wenn es nur eine Stunde zu Familientreffen ging. Das fällt alles seit Monaten weg, uns muss etwas Neues einfallen.

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Dienstag, 12. Januar 2021 – Alltag in der Pandemie“

  1. Sabine Kerschbaumer meint:

    Bei uns auch spürbar: Nach mehreren Fällen an der Schule hat mein Mann Angst, mir Corona mit nach Hause zu bringen. Als mobile Reserve ist er aktuell in der Notbetreuung eingesetzt, hat also laufend Kontakt zu Kindern und (wenigen) Kollegen. Das führt zu einer bei uns ungewöhnlichen Distanz, die vermutlich vernünftig ist, die sich aber zunehmend schlecht anfühlt.

    Ach was bin ich froh, wenn wir irgendwann unbeschwert(er) sein dürfen…

  2. Michael meint:

    Brettspiele? Und Nüsse gegen das Hungerloch? Bei mir halten die recht lange vor.

  3. Berit meint:

    Ich weiß nicht ob es sie tröstet, aber auch bei Familien mit Kindern gibt es Abstufungen. Wir können unser Kind in die Kita-Notbetreuung geben, haben beide einen Job der jetzt noch sicherer ist, als er vorher schon war und erfreuen uns bester Gesundheit *klopf auf Holz*

    Aber auch hier, Gefühle gemeinsamer und individueller Einsamkeit, Frust und der dringende Wunsch nach mehr Leichtigkeit im Leben. Wenn ich an meine Waxing-Lady denke, die seit Mitte November schließen musste, wird mir ganz anders im Vergleich zu meinen eigenen Befindlichkeiten, aber helfen tut es uns ja beide nichts wenn ich mir selbst meine dunklen Gefühle abspreche.

    Was soll man sagen…alles doof.

  4. Julia meint:

    Ja, es ist viel auszuhalten derzeit. Uns fehlen auch Anregung und Inspiration, über die wir uns gerne bei einem Feierabend-Wein um die Ecke austauschen. Das ständige Beieinandersein, das Dahintröpfeln der immergleichen Tage macht was mit uns. Und, ja, ich bin mir des Privilegs Homeoffice ohne Homeschooling bewusst.

  5. Susann meint:

    Same here! Wir sind mit 2x Homeoffice und 1x Kindergartenkind gut ausgelastet…jeder versucht, dem anderen irgendwelche Freiräume zu schaufeln und gleichzeitig das Kind gut zu betreuen. Es geht, aber nur gerade so. Und es geht nicht ewig so. Ich kenne viele Miteltern, die beziehungstechnisch irgendwo zwischen Frust und Lagerkoller stehen bis hin zur Volleskalation, wer den Weihnachtsbaum raus auf den Abholplatz bringt. Was die Mütter besonders erbost ist die Geringschätzung ihrer Erwerbstätigkeit, die sich in den Maßnahmen zur Notbetreuung an Kindergärten ausdrückt. Eigentlich ist der dringende Wunsch des Ministeriums, dass alle Kinder zuhausebleiben. Kompensiert werden soll dass dadurch, dass jeweilt ein Haushalt (sprich: eine Mama) mit einem anderen Haushalt (sprich: einer anderen Mama) eine Art unentgeltliches, exklusives Betreuungspaket schließt. Anscheinend denkt das Ministerium, weibliche Berufstätigkeit funktioniert so, dass Mamas prinzipiell an unterschiedlichen Tagen arbeiten, so dass Mama A am Montag Kind B betreuen kann, während Mama B am Dienstag ihre Yogastunde oder die Fingernägellackeirerei ausfallen lässt, um Kind A mitzubetreuen. Der Drang, sich für DIESE Politik aufzuopfern, ist unter den Mamas nur mehr sehr schwach vorhanden, stelle ich fest. Wo es geht, werden die Kinder in den Kindergarten gegeben.

  6. julisonne meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell

    Bei mir hilft Salbeitee am abend getrunken gegen das Schwitzen in der Nacht – ist leider nicht so richtig lecker.

  7. julisonne meint:

    und ich wollte Sie noch fragen, hat Ihnen „the city and the city“ gefallen? da klingt der Plot sehr interessant – hat Ihnen das Buch gefallen?

    Danke, liebe Grüße :)

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