Journal Sonntag, 28. März 2021 – Auer Mühlbach revisted

Montag, 29. März 2021 um 6:31

Herr Kaltmamsell hat Osterferien, das bedeutet, dass er mir einen Tag des Wochenendes zur Verfügung stellen konnte: Wir wollten den Spaziergang den Auer Mühlbach entlang wiederholen, den wir vor neun Jahren zum ersten Mal gemacht hatten. Ich war ihn seither zwar nochmal allein, auch mal mit Besuch gegangen, doch mit Herr Kaltmamsell nicht.

Am Vormittag hatte ich eine Runde Reha-Kraftgymnastik gemacht, meine Matte auf einem sonnenbeschienen Stück Parkett im Wohnzimmer ausgerollt: Der Tag war wie angekündigt herrlich sonnig.

Zum Frühstück gab’s zwei Scheiben vom Samstag gebackenen Brot (also halbe Scheiben, weil ich den riesigen Laib immer viertle und drei Viertel einfriere, eins zum Gleichessen behalte), eine mit Käse, eine mit Butter und Marmelade.

Für den Spaziergang reichte eine leichte Wanderjacke überm kurzärmligen Shirt, wir nahmen die U-Bahn nach Thalkirchen.

Erst mal gingen wir an den Anfang des Auer Mühlbachs, wo er vom Isarkanal abzweigt und unter der Isar durch führt (Düker).

Am Kreuzweg vor der Marienklause werden Wildpiesler vergrämt. Hier sahen wir bereits durch eine Lücke im Zaun zum Tierpark Eisbären, vom Weg über dem Tierpark aus dann Seehunde beim Training (Herr Kaltmamsell hat mich möglicherweise für alle Niedlichkeisgefühle verdorben, als er meinte: „Sehen eigentlich aus wie Nacktschnecken.“) und hinunter auf den Pavianfelsen, beim Absteigen des Harlachinger Bergs erspähte ich noch einen Elefanten.

An der Kraemer’schen Kunstmühle die traurige Info, dass das Café Fausto es nicht durch Corona geschafft hat und schließen musste.

Zumindest das (vom Auer Mühlbach angetriebene) Wasserkraftwerk in der Mühle ist noch zu sehen.

Das Templer-Kloster, dessen Hintergrund die Süddeutsche vor ein paar Jahren mal recherchierte, am Tor Info-Blätter, wie die Essensausgabe an Bedürftige in Corona-Zeiten abläuft.

Auch Giesing hat einen Schlittenberg. Beim Wegbiegen von der Falkenstraße gesehen: Das Restaurant Österia gibt es nicht mehr (aber vorne noch den Weinhandel Ösiwein).

Mondstraße (verdenkmalt in Sigi Sommers autobiografischem Roman Und keiner weint mir nach) mit abgefahrener Hausschild-Typografie.

Hier stand mal die Paulaner-Brauerei.

Das ehemalige Zuchthaus ist immer noch Baustelle, wie schon vor zwei Jahren – nur dass das Gerüst inzwischen ziemlich mitgenommen aussieht und nach Renovierungsruine. Eigentlich sollte das Projekt (Luxuswohnungen, was sonst) bereits 2017 fertig geworden sein. Oder dann doch zumindest 2020?

Den Kunstbunker gibt’s noch.

Bislang war ich immer nur bis zum Müller’schen Volksbad spaziert, diesmal begleiteten wir den Auer Mühlbach bis an sein Ende.

Hier verlässt er das Muffatwerk.

Er fließt parallel zur Isar, bis er zu Füßen des Maximilianeums zum letzten Mal verschwindet.

Im Maximilianswerk dient er ein letztes Mal der Stromerzeugung (wir hörten es darin rauschen und brummen), und vom gegenüberliegenden Ufer sieht man, wie er unter zwei dunklen Torbögen in die Isar fließt.

Nachtragsbild vom 1.4.: Maximilianswerk und Zufluss zur Isar.

Die Strecke war durchaus menschenreich gewesen, doch es funktionierte ganz gut mit dem Ausweichen. Auffallend viele Bärlauchsammlerinnen und -sammler in den Grünanlagen.

Wir spazierten weiter bis zur Haltestelle Bayerisches Nationalmuseum und ließen uns von der Tram nach Hause fahren.

Es war dann doch keine gute Idee gewesen, gar kein Wasser mitzunehmen, ich hatte nach den zweieinhalb Stunden vor Durst Kopfweh. Daheim also erst mal zwei Gläser Wasser runtergestürzt, dann gab es Kuchen. Nämlich:

Dieses Ostern steuere ich einen internationalen Back-Overkill an: Torrijas UND Hot Cross Buns UND Osterzopf UND Colomba pasquale UND Pinzen UND polnischen Mazurek. Wobei ich noch am ehesten auf den gewohnten Osterzopf verzichten könnte und die Colomba gern erst mal kaufe. Doch als ich Herrn Kaltmamsell meine Pläne erzählte, warf er sich in die Brust und behauptete, Hot Cross Buns seien SCHON IMMER seine Sache gewesen. Na gut, also war er am Sonntagvormittag backend in der Küche gestanden, und jetzt wartete beim Heimkommen frisches Hefegebäck auf uns:

Nicht so fluffig wie in England gekaufte, aber sehr aromatisch und saftig.

Ein bisschen Internetlesen, bis es Zeit war, das Sonntagabendessen zu kochen. Herr Kaltmamsell hatte Hirschlende gekauft, die er zubereitete, ich machte dazu aus dem Ernteanteil-Weißkraut Bayrisch Kraut. Die Hirschlende kam in drei Formen auf den Teller: In der Pfanne gebraten, im Ofen gegart und Sous-vide, die letzten beiden in der Pfanne nachgebraten.

Und dann sah ich von der Küche aus den Vollond und freute mich wieder sehr an der neuen Wohnung.

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Journal Sonntag, 28. März 2021 – Auer Mühlbach revisted“

  1. Ilka meint:

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    Gerne gelesen

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  2. lihabiboun meint:

    … ach, die „Österia“ ist weg? Wie schade … Schöner Bericht, danke.

  3. Joël meint:

    Danke für die schöne Wanderung. Das Wort Bärlauch erinnerte mich sofort an meine Marmeladenfrau vom Markt die letztes Jahr in den Ruhestand ging, die auch immer um diese Jahreszeit frischen Bärlauch und Bärlauchpesto anbot. Sie fehlt mir.

  4. Angelika meint:

    Ja, die Österia hat zugemacht, aber nicht aufgrund Corona. Die Schließung war vorher schon beschlossen worden. Wir waren ein letztes Mal im Januar 2020. Die komplette Verwandtschaft bedauert es sehr, es wurde einige Geburtstage dort gefeiert.

  5. Berit meint:

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    Gerne gelesen

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  6. Arnulf meint:

    Lustig : gestern in der Mittagszeit von Pullach kommend über Thalkirchen, Lindwurmstraße, Drogenpark, an Kaltmamsells gedacht, wo die wohl gerade sind…, Maximilianeum, nach A94…

  7. Croco meint:

    Dass es die Tempelritter doch noch gibt, überrascht mich sehr. Wir sind mal von Burg zu Burg gefahren in den Pyrenäen. Die Geschichten dazu sind grausam: Die Vernichtung aller Ordensmitglieder war Programm und wurde durchgeführt.
    Das Kloster ist ja bezaubernd.

    Die Hot Crossed Buns habe ich nur ein Mal gegessen, an einem Palmsonntag in Wales. Wir waren als Schülergruppe aus Versehen in den Empfang der Bürgermeisterin geraten.

  8. Nina meint:

    Danke für die Wanderbilder. Den Weg muss ich unbedingt auch mal gehen. Große Münchenvermissung.

  9. Anke meint:

    Ich habe Rezepte für die Hot Cross Buns gegoogelt, und dabei sehr viel wiedersprüchliches gefunden. Wäre es möglich das im Hause Kaltmamsell verwendete Rezept zu bekommen?

  10. die Kaltmamsell meint:

    Herr Kaltmamsell kann das verwendete Rezept aus einem alten Buch von Delia Smith nicht empfehlen, Anke. Dieses ist seiner Ansicht nach die deutlich verbesserte Version:
    https://www.deliaonline.com/recipes/occasions/easter/easter-traditional-recipes/hot-cross-buns

  11. Susann meint:

    Ich habe mit diesem Rezept recht gute Erfahrungen gemacht:
    https://www.hefe-und-mehr.de/en/2013/04/schokoladen-hot-cross-buns/

  12. Anja meint:

    Danke für den schönen Bericht. Vor ein paar Monaten gab es auf Ihrem Blog viel Hüft- und Reha Nachrichten. Es freut mich, dass Sie wieder laufen und hoffentlich komplett schmerzfrei sind

  13. Anke meint:

    Vielen Dank für die Rezepte!
    ich test mich gerade durch.

    Liebe Grüße!

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