Journal Samstag, 3. Dezember 2022 – Augsburg-Ausflug zu Familien-Mittag

Sonntag, 4. Dezember 2022 um 8:36

Nach gutem Schlaf um sechs aufgewacht, nach Klogang energisch wieder ins Bett gelegt. Doch statt Schlaf kamen Sorgen und Ängste, ich stand lieber ins Wache auf.

Gemütlicher Morgen, doch erst um neun wurde es langsam hell genug für Lichtausschalten. Vor dem Ausflug zur Augsburger Familie wäre noch Zeit für eine Laufrunde gewesen, doch das Draußen lockte mich nicht. Statt dessen sportelte ich eine inzwischen seltene Runde Hanteltraining, Rumpfstärkung mit Fitnessblender. Ich kam ganz schön ins Schwitzen: Auch wenn ich kein Problem mit Durchhalten hatte, war das schon eine andere Nummer als Yoga – diese Einheit war mir in der Vergangenheit schon mal einfacher gefallen.

Corona-Selbsttest wie vor allen Geselligkeiten – ich möchte der Verwandtschaft nichts unfreiwillig anhängen.

Ein Zug um halb zwölf brachte uns nach Augsburg – wo die Dezember-Düsternis auch noch neblig war. Die lieben Schwiegers luden Herrn Kaltmamsell und mich zum Mittagessen ins Traditionsgasthaus Settele.

Ich hatte die Entenbrust mit Wintergemüse und Serviettenknödel, war sehr zufrieden.

Bei Schwiegers daheim gab es noch Espresso und Plätzchen, wir wurden zudem mit einer Kiste Weihnachtsplätzchen und dem legendären Quittengelee ausgestattet. Außerdem Austausch von Neuigkeiten und bislang unbekannten Details zu alten Geschichten.

Auf den Zug nach Hause warteten wir am Bahnhof Augsburg Haunstetter Straße ungeplant deutlich länger als eine halbe Stunde: Streckensperrung wegen “Personen im Gleis”, gegen Idioten hilft keine noch so gute Organisiertheit.

Daheim in München hatte ich Lust auf noch ein wenig Yoga. Das weniger anstrengend ausgefallen wäre, hätte diese Runde nicht ausgerechnet die anstrengenden Übungen für die seitlichen Bauchmuskeln wiederholt (Seitstütz, Bankstütz mit abwechselndem Knie-Anziehen), aus denen die Kraftrunde am Morgen bestanden hatte.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell nochmal richtig auf: Es gab die Sellerie-Knolle aus Ernteanteil mit asiatischer Barbecue-Kruste, dazu Pakchoi aus Ernteanteil mit Scharf aus der Pfanne. Beides sehr gut. Als Nachtisch eine Orange und nochmal ordentlich Plätzchen.

Aus dem Maschinenraum: Ich habe das Blog-Heinzelmännchen gebeten, die Schrift der Blogposts ein wenig zu vergrößern. Als ich mich dabei ertappte, wie ich die Schrift beim Lesen des eigenen Blogs im Browser vergrößerte (bei gedrückter Mouse-Taste über Scroll-Rädchen), nahm ich an, dass nicht nur ich dieses Bedürfnis haben würde.

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Kurt Kister schreibt in seinem Abonnenten-Newsletter, der seit zwei Wochen auch in der Süddeutschen erscheint, über die aktuelle und doch ewig gleiche Diskussion zur Einbürgerung von Nicht-Deutschen (€):
“In diesem mühsamen Nirgends”.

Ich denke mir, dass es nicht schlecht wäre, wieder einmal, immer wieder darüber nachzusinnen, was „Staatsangehörigkeit“ heute bedeutet. Ja, Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und nein, das Blut bestimmt nicht, wer oder was deutsch ist. Aber bei der Innenministerin und dem Kanzler klingt es so, als gehe es eigentlich um kaum viel mehr als um die Zugehörigkeit zur Firma Deutschland, weil man ja Arbeitskräfte braucht und die sich, sagt Scholz, am besten über die Arbeit integrieren. Ist Deutschland also eigentlich nur so etwas wie ein noch größerer Siemens-Konzern und sind Deutsche, vielleicht ein paar Ebenen höher oder seitwärts, so was wie Siemensianer?

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Stephan Noller wiederum macht sich nachvollziehenswerte Gedanken über die politische Vermittlung von Realität, vor allem wenn sie unangenehm oder unsicher ist.
“Der Deal stimmt nicht mehr”.

Warum sind die Leute so fasziniert von Habeck? Weil er einen fundamental neuen Politik-Stil probiert, der vor allem durch eines geprägt ist: das Bemühen um Wahrhaftigkeit. Will damit nicht sagen, dass PolitikerInnen lügen – keinesfalls. Aber es ist schon so, dass sich in den letzten 50 Jahren da auch so eine Art Deal etabliert hat, der sich bis ins Reden der PolitikerInnen reingezogen hat. Bestimmte Dinge sagen wir nicht, machen wir aber trotzdem. Andere Dinge sagen wir, machen wir aber eh nicht. Und überhaupt ist vieles, was wir tun zu komplex für Euch, da simulieren wir vielleicht ein bisschen Diskurs aber dann ist auch gut. Zu den Dingen, die z.B. nicht gesagt wurden gehörte die unglaubliche Abhängigkeit unseres wundersamen Wohlstands-Wachstums von ein paar dreckigen Faktoren wie billiges russisches Gas, gnadenloses Ausschlachten von Absatzmärkten, ekelhafter Niedriglohnsektor usw. – wir haben alle heimlich unserer Frieden damit gemacht, weil es war ja alles irgendwie gut.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Samstag, 3. Dezember 2022 – Augsburg-Ausflug zu Familien-Mittag“

  1. Alexandra meint:

    Schmutzige Deals – da tut sich Einiges auf, Jedenfalls für mich, die ich zugegebenermaßen lange Zeit keinen Antrieb hatte, mich tiefer gehend politisch zu interessieren. Obwohl ich eigentlich die – heißt sowas eigentlich Bigotterie? – Schieflage kaum ignorieren konnte. Einmal wirklich aufwachen muss wohl sein.

  2. Hauptschulblues meint:

    Danke für die neue Schriftgröße – ich hatte den Blog bislang immer größer gestellt.

  3. Sandra meint:

    Haben nicht die Reichsbürger schon eine Antwort auf Kurt Kisters Frage, indem sie erklären, die Bundesrepublik Deutschland sei lediglich eine GmbH?

  4. Susann meint:

    Ich als Nichtdeutsche war fassungslos, als meinem hier geborenen Kind automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft zugeteilt wurde. Ich hätte es zumindest angebracht gefunden, wenn man uns einen Antrag stellen hätte lassen – so kann ich den Vorwurf des “Verramschens” gut verstehen. Ich selbst würde mich nie einbürgern lassen – Deutschland ist eben NICHT mein Land, sondern nur das Land, in dem ich (aus Gründen) momentan leben muss. Die Vorstellung, man müsse mir nur die Staatsbürgerschaft schenken, und dann würde ich mich schon mit dem Land identifizieren, halte ich für sehr lieb und sehr deutsch und sehr unzutreffend.

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