Journal Dienstag, 16. Januar 2024 – Routine-Dienstag mit Ausflug in die Blutenburgstraße

Mittwoch, 17. Januar 2024 um 6:33

Nicht ganz so unruhige Nacht, aber unruhig genug, dass ich mich an ein paar wüste Träume erinnere.

Auf dem Weg in die Arbeit unter klarem Himmel suchte ich angestrengt nachdenkend nach einem Arbeitsauftrag für jemanden, der sonst nicht zu tun hat und sich langweilt, das war auch ein nächtlicher Unruhefaktor gewesen (und ist es immer wieder in meinem Arbeitsalltag).

Fast idealer Arbeitstag mit genau dem richtigen Maß an Emsigkeit und Abwechslung: Recherchen mit Ergebnis, etwas gelernt, kleinere Ideen gehabt, Reinfliegendes sofort einsortieren und verarbeiten können, Themen geklärt, genetworkt (!).

Keine Zeit für Mittagscappuccino, zumindest aber für Zeitungslektüre beim Mittagessen: ein Kanten selbstgebackenes Brot, Granatapfelkerne mit Joghurt.

Über Mittag zog der Himmel zu und verlegte sich wieder auf geschlossen und grau.

Nach Feierabend machte ich einen größeren Umweg, um zu ein wenig Bewegung zu kommen: Ich ging in die Blutenburgstraße zu dem kleinen Laden Donosti und kaufte dort baskischen Wein Txakoli (die Sorte Gorrondona hatte mir von den drei Test-Flaschen am besten geschmeckt), außerdem Café torrefacto und Turrón. Nach Hause spazierte ich die ganze schmale Blutenburgstraße lang, die einen sehr lebendigen und heimeligen Eindruck macht.

Zu Hause Yoga-Gymnastik, als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch Shakshuka – ein Genuss. Nachtisch zu viel Süßigkeiten.

Früh ins Bett zum Lesen, Sina Poussets Schwimmen ist auf eine schlechte Weise seltsam (ich glaube ihr keine einzige der Romanfiguren, habe nicht eine der skizzierten Umgebungen vor Augen, die Handlung wirkt angestrengt konstruiert), das wollte ich bald weghaben.

§

Der Guardian ordnet die lautstarken deutschen Proteste von Landwirt*innen international ein.
“Why Europe’s farmers are protesting – and the far right is taking note”.

Autor Ajit Niranjan fasst die Demos in den Niederlanden, in Belgien und in Irland (zu hohe Nitratwerte im Boden durch Massentierhaltung), Spanien (Bewässerungsbeschränkungen in anhaltender Dürre), Frankreich (Regulierung des Einsatzes von Pestiziden) und jetzt auch in Deutschland unbarmherzig zusammen:

In recent years, farmers in western Europe have fought with increasing ferocity against policies to protect the planet that they say cost too much.

Übersetzt: In den vergangenen Jahren widersetzen sich Landwirte in Westeuropa immer heftiger gegen eine Politik zum Schutz des Planeten, weil der Preis dafür ihrer Meinung nach zu hoch ist.

Die Unterwanderung dieser Proteste durch rechtsextreme Populisten ist ebensowenig Deutschland vorbehalten: In den Niederlanden wurde eine rechte Landwirtschaftspartei gegründet, nicht nur in Deutschland werden Verschwörungstheorien nach Jahrhunderte bewährtem Muster verbreitet. Außerdem weist Niranjan auf die Spaltung der konservativen Kräfte im Europaparlament hin.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Dienstag, 16. Januar 2024 – Routine-Dienstag mit Ausflug in die Blutenburgstraße“

  1. Lempel meint:

    Wo sehen Sie bei den derzeitigen Protesten in Deutschland eine namhafte “Unterwanderung durch rechtsextreme Populisten”? Ich erkenne diese weder bei den Funktionären der Bauernverbände noch bei den Protesten vor Ort.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Hier ein Überblick, Lempel.
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-01/proteste-landwirte-unterwanderung-rechtsextremismus-aktionswoche
    Hier ein aktuellerer:
    https://taz.de/Rechte-Unterwanderung-der-Bauernproteste/!5982919/
    Zudem berichten zahlreiche Augenzeug*innen von nationalistischen Symbolen/Fahnen auf den Demos.

  3. Beate meint:

    Ich meine ja, dass die Rechtsextremen jetzt, da die Pandemie vorbei ist, sich an das nächste Aufregerthema dranhängt. Egal was, Hauptsache dagegen und miese Stimmung machen.

  4. Lempel meint:

    Die Bundesinnenministerin Faeser, verantwortlich für innere Sicherheit und öffentliche Ordnung, unterstützt die These von der Unterwanderung der rechtsextremen Unterwanderung ausdrücklich nicht: “Extremisten haben keinen prägenden Einfluss auf die Proteste gewonnen und auch das Bild der Proteste nicht geprägt”, sagte die SPD-Politikerin. “Das haben wir etwa bei den Corona-Protesten anders erlebt, wo aus Verunsicherung und Wut schnell Hass und Gewalt wurde.” (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-01/bauern-landwirte-protest-faeser-rechtsextreme#:~:text=Die%20Proteste%20der%20Landwirte%20sind,%2C%20sagte%20die%20SPD%2DPolitikerin)

  5. Hauptschulblues meint:

    @Lempel: Das dürfte mittlerweile doch allen Andersdenkenden klar sein. Die Quellen von Frau Kaltmamsell unterstützen dies bestens.

  6. Verena meint:

    Ich liebs wenn Sie „meine“ Heimatstrasse erwähnen, denn genau das ist sie: lebendig, heimelig und mit vielen schönen kleinen Geschäften, Cafés und Lokalen. Dass Sie extra den Weg auf sich nehmen, um beim Donosti einzukaufen, gibt mir zu bedenken, dass ich vielleicht auch mal dort reinschauen sollte?

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