Journal Samstag, 10. August 2024 – Die Hochzeit in Essen
Sonntag, 11. August 2024Eine gute Nacht.
Sonnenaufgang über Zeche vor Hotelzimmerfenster.
Meine Hoffnung auf Frühstückshunger erfüllte sich nur so halb. Als wir (sauber, aber noch ungestylt) runtergingen, konnte ich Brot, Butter, Käse, Obst zwar ohne Widerwillen essen, aber leider auch ohne Begeisterung. Begeisterung dann aber über den erbetenen negativen Corona-Test. (Auf der abendlichen Feier blieben tatsächlich ein paar Stühle leer: Es hatte auch positive Testergebnisse gegeben.)
Große Freude: Ich traf auf die vom Joggen rückkehrende Braut und konnte sie schonmal vor dem großen Hoo-ha in die Arme nehmen. Außerdem bekam ich den bislang unbekannten Bräutigam zu Gesicht, sah ihn seine Freund*innen begrüßen – und merkte mir diese, denn: Es war sehr unwahrscheinlich, dass ich ihn selbst bei dieser Gelegenheit würde kennenlernen können; aber ich konnte mir von seinen Freund*innen über ihn erzählen lassen.
Wen ich auch zu sehen bekam: Den Rabbi und seinen ganz entzückenden Hund.
Es stellte sich nämlich heraus, dass die Chuppa doch erst in der jüdisch-protestantischen Trauung am Nachmittag stattfand: Freitagabend war ein Shabbat-Dinner mit einem anderen Teil der Zeremonie gewesen (Brit Ahava).
Eigentlich hatte ich gehofft, den Vormittag für einen Besuch des Red Dot Design Museums gleich gegenüber nutzen zu können, doch es öffnete erst um elf – das hätte mir nur eine knappe Stunde darin ermöglicht, war mir zu wenig.
Also setzte ich mich mit Laptop in den Salon-Bereich auf der Galerie des Hotels und las (bequemer als im Hotelzimmer, wo es nur einen Hocker gab, außerdem wollte ich dem Zimmerservice Gelegenheit für seinen Einsatz geben). Es war aufregend, in jedem Menschen, der vorbeilief, einen möglichen Hochzeitsgast zu sehen.
Unangenehm voller Bauch, mein Körper kann das mit diesem Frühstücken einfach nicht mehr.
Als die Lobby sich mit immer mehr offensichtlichen Hochzeitsgästen (weil glitzernd oder in Smoking) füllte, machten wir uns ebenfalls fertig und saßen noch eine Weile in vollem Ornat herum. Mittlerweile hatte sich draußen das angekündigte prächtige Sommerwetter entwickelt, wir spazierten zum Bergmannsdom, der Kirche am Kartenberger Markt.
Herr Kaltmamsell im Smoking.
Mein Outfit im Wind.
Der Bergmannsdom.
Am Eingang bekamen wir eine wundervolle Broschüre zur Trauung, die die protestantischen und jüdischen Teile verständlich und sehr Brautpaar-nah (also witzig) erklärte. Beim Warten auf den Beginn der Zeremonie lernten wir gleich mal Gäste kennen – und sahen prächtige Outfits: Sehr viele Gäste waren dem Wunsch des Brautpaars gefolgt und trugen die ganz großen Kleider / Smoking, sogar mit schicken Varianten.
Die Chuppa im Altarraum. Es war eine magische und bezaubernde Zeremonie, sehr detailliert und liebevoll geplant, mit der Dauer, die das Verbinden zweier Religionen nunmal erfordert.
Draußen wartete eine kleine Marching Band auf die Hochzeitsgesellschaft, es gab Getränke und erste Snacks. Gratulationen ans Paar, viele fröhliche Unterhaltungen, Kennenlernen, Genießen des schönen Wetters. Dann der Versuch, alle Hochzeitsgäste auf ein Foto zu bekommen.
In aller Gemütlichkeit machten wir uns auf den Weg zur Fest-Location, dem Erich Brost Pavillon auf dem Dach des Besucherzentrums Zeche Zollverein.
Und dann wurde mit dieser sensationellen Aussicht gefeiert.
Wenn Sie genau hinsehen, finden Sie auf dem Rasen das Brautpaar beim Fotografiertwerden.
Wiedersehen mit Bekanntschaften von ganz früher, Kennenlernen von Freunden des Brautpaars, wundervolles Essen mit dem Höhepunkt eines sensationellen Dessert- und Kuchenbuffets, das örtliche Familie und Freunde hergestellt hatten. (Alkohol ließ ich lieber fast ganz bleiben.) Zu später Stunde Tanz, Herr Kaltmamsell und ich kamen zu ein paar Foxtrotts. Und um Mitternacht noch eine Runde Currywurst!
Dem können Sie entnehmen, dass ich und sogar Herr Kaltmamsell da noch wach und essbereit munter waren, wir kamen tatsächlich erst um eins ins Bett. Mein Kleid stellte sich so bequem wie erwartet heraus, die Riemchensandaletten sogar als unerwartet bequem: Ich schlüpfte erst für den Heimweg (und dazwischen für den Weg von Kirche zum Feiern) in die Ersatzschuhe.