Journal Samstag, 31. Januar 2026 – Wie Joggen echt keinen Spaß macht
Sonntag, 1. Februar 2026Nur wenig unruhig geschlafen (der Alkohol), durch rechtzeitiges Herablassen des Rollladens gegen Morgenhelle aber ausreichend lang.
Ich hielt mich ein bisschen ran mit Bloggen und Kaffee-/Wasser-/Teetrinken, sandelte nicht zu sehr: Draußen schien die Sonne, ich wollte nicht zu spät zu meinem Isarlauf loskommen. Was ich dann ab Haustür tat.
Eines der prominentesten Gräber auf dem Alten Südfriedhof, in 1A Lage am Mittelgang: Das der Familie Pschorr. Als Brauereien die Macht in der Stadt waren.
Scheiß Winter: Die ersten 20 Minuten hatte ich wenig Probleme mit eisigen Stellen, die Innenstadtwege waren völlig frei. Doch dann kam ich an unasphaltierte Wege und musste genau hinschauen, um nicht von Eisglätte überrascht zu werden. Echter Horror begann hier hinterm Tierpark:
Geforener Matsch. Ich rutschte bei fast jedem Abdrücken ein Stück nach hinten, verlegte mich auf mehr Hüpfen als Joggen, glitschte und balancierte (es fühlte sich an wie Gymnastikübungen auf der Halbkugel bei der Physio – WEHE das war nicht zumindest gesund!). Das war ein 20-minütiger, sehr anstrengender Horror, den ich ganz sicher nicht nochmal zurück laufen wollte. Ich plante also um und wechselte über die Großhesseloher Brücke auf die andere Isarseite.
Um auf die Brücke zu gelangen, zog ich mich am Geländer hoch: Die Stufen waren lückenlos scheiße rutschig.
Auf dem Isarhochufer und um den Hinterbrühler See hatte ich mit einer Mischung aus Eis und Matschdreck zu tun, die nicht ganz so anstrengend war, aber auch keinen echten Spaß machte. Ich lief ein paar Umwege und stückelte, um insgesamt auf meine gewünschte Lauflänge von 1 Stunde 45 Minuten zu kommen.
Nach Eis kommt Matsch.
Außen und innen.
Bevor ich eine U-Bahn nach Hause nahm, holte ich noch Frühstückssemmeln.
Die gab’s nach einem Apfel um zwei mit Frischkäse und Bergamotte Lemon Curd.
Gebühr für ein weiteres Jahr Münchner Stadtbibliothek gezahlt: 20 Euro. (Tiefe Dankbarkeit, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die das ermöglicht.)
Gemütliches Zeitunglesen, das Wohnzimmer wurde dabei gestern endlich warm genug, dass ein dicker Pulli und zwei Paar Socken gegen Frieren reichten.
Bei (deutlich nach hinten geschobenem) Einbruch der Dunkelheit kochte ich das Dessert fürs Sonntagessen mit allen Eltern: Englische Orangencreme. Herr Kaltmamsell hatte bereits den Großteil des Nachmittags in der Küche verbrachte, um das Bœuf bourguignon und die Spätzle für Sonntag zuzubereiten. Die schlichte Vorspeise kam wieder von mir: Makrelen-Peté nach Delia Smith (wenn ich am Sonntag an ein Foto denke, stelle ich das Rezept in meine Rezepte-Ecke).
Dann war Zeit für einen Aperitif: Den letzten Saft der direktimportierten Bergamotte verschüttelte ich zu einem Whiskey Sour. So ein Naturalientausch erzeugt eine ganz eigene Art von Nähe und wärmt mir ja immer besonders das Herz, auch unter Kolleginnen in der Arbeit, dort z.B. Quitten gegen Ajvar gegen Orangenmarmelade gegen Honig gegen Rakija gegen Zwetschgen etc. Vielleicht weil bei den Beteiligten die landwirtschaftlichen Wurzeln durchschlagen, die wir auf lange Sicht zurück ja dann doch fast alle haben?
Als Nachtmahl verwertete Herr Kaltmamsell die Hälfte des Ernteanteil-Blaukrauts und servierte es mit Linsen (und ein paar missratenen Spätzle), darüber geröstete gehackte Mandeln – sehr gut. Dazu ein Glas Burgunder, der vom Kochen übrig war. Nachtisch Schokolade.
Im Fernsehen ließen wir Tropc Thunder von 2008 laufen – eine Vietnamkriegverfilmung-Actionkomödie mit sensationeller Starbesetzung (die die Filmhandlung spiegelt), von der ich noch nie gehört hatte: Komplett wahnsinnig mit immer noch einer Metaebene.
Früh ins Bett zum Lesen einer ganz anderen Darstellung von Erlebnissen im Vietnamkrieg, nämlich der von Sigrid Nunez.













