Journal Sonntag, 8. März 2026 – Wahlhilfe als Vorsteherin bei der Kommunalwahl, Teil 1
Montag, 9. März 2026 um 6:45Trotz eh schon weniger Schlaf auch noch zu früh aufgewacht, wie erwartet bei der hohen Anspannung, eh schon egal.
Der Nußbaumpark erwacht.
Hier erreichte mich die erste Krankmeldung aus dem Wahlhilfeteam noch vor sieben, als ich auf dem Weg zum Wahllokal in der Grundschule an der Tumblingerstraße war, per SMS – ich antwortete umgehend mit der Bitte, sich beim Wahlamt krank zu melden, damit man Ersatz schicken konnte.
Ich war eine Minute nach sieben am Gebäude, und keine Minute zu früh, denn diesmal war es wieder ziemlich aufwändig, den Wahlraum zu finden (in diesem Gebäudekomplex waren sechs untergebracht), einzurichten und den komplizierten Weg dorthin auszuschildern. Mein großes Glück: Drei Team-Mitglieder im ersten Einsatz, die völlig eigen-initiativ zupackten und Lösungen fanden. Zum ersten Mal war ich es, die “Es ist acht Uhr. Die Wahl ist eröffnet.” ansagte (bisschen wie damals, als ich als Pub-Bedienung zum ersten Mal “Last orders!” ausrufen durfte). Und bis dahin hatten wir bereit einen Ablauf etabliert (anhand der Schulungsunterlagen), den wir an den ersten beiden Wählenden (“Sie sind unsere Trainingswähler!”) durchspielten und der zur Routine taugte.
Von vorne die Urnen für OB-Wahl (gelber Zettel), Stadtratswahl (grüne Tapete), Bezirksratswahl (weißer Zettel).
Bis zum Mittag war der Raum nie leer, aber nur zweimal mussten wir Wahl-Willige kurz Schlange stehen lassen. Schöne Überraschung in der Materialbox: Zwei Exemplare der Broschüre “Einfach verstehen. Die Kommunal-Wahlen in Bayern am 08. März 2026″ – das ganze in Einfacher Sprache erklärt.
Eigentlich ist Wählen ganz einfach.
Die Kommunal-Wahl ist etwas schwieriger.
Deshalb erklären wir Ihnen in Leichter Sprache: wie Sie richtig wählen.
Wie bislang jedesmal stellten sich die Mitglieder des Wahlteams beim Plaudern als höchst interessante Menschen heraus.
Bei Schichtwechsel erwies sich, dass die Krankmeldung vom Morgen in Wirklichkeit die zweite Krankmeldung war: Jemand aus der Nachmittagsschicht tauchte nicht auf. Ich blieb, bis ich sichergestellt hatte, dass alle notwendigen Stellen informiert waren – und hoffte, dass uns bis zum Auszählen am Abend Ersatz geschickt würde.
Hunger-schwindlig und durchgefroren (das Wahllokal war ein offensichtlich selten genutzter Container-Raum für Kunstunterricht) spazierte ich das kurze Stück nach Hause. Wie verabredet hatte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Sellerie Lasagne gekocht, die gab es um halb zwei – schmeckte besonders gut und wärmte. Kurz vor drei verabschiedete sich der Koch zum Wahlhelfen bei der Briefwahl in der Messe Riem.
Es war komplett unwahrscheinlich, dass ich es in den drei Stunden Pause bis zum Abend zu irgendeiner Form von Entspannung schaffen würde. Ich befasste mich also gleichmal mit den Modalitäten der abendlichen Auszählung. Kurz legte ich mich zu einem erfolgreichen cat nap hin, dann las ich ein wenig Internet, sprang immer wieder für Handgriffe auf, die mir den Abend erleichtern könnten. Die panische Anspannung blieb durchgehend.
Zurück zum Wahllokal mit Herrn Kaltmamsells Rad, mit dem ich nach Auszählen der Oberbürgermeisterwahl Unterlagen zur Bezirksdirektion fahren würde.
Ab dann wurde es viel besser: Ersatz-Beisitzerin kam (zum ersten Mal hatte ich eine Wahlhelferlin zum zweiten Mal im Team, wir hatten bereist vor sechs Jahren bei der Kommunalwahl zusammengearbeitet), wir waren in Rekordzeit mit der OB-Wahl durch, u.a. weil es keine ungültigen oder diskussionsbedürftigen Stimmzettel gab, über die der Wahlvorstand einen Beschluss fassen und festhalten musste. Zum ersten Mal war ich es, die Wahlunterlagen in die für uns zuständige Bezirksdirektion brachte: Mitten in der Touristenmeile zwischen Isartor und Marienplatz liegt der unauffällige Eingang Tal 31, im 2. Stock freute man sich über die Anleitungs-gerecht sortierten und unterzeichneten Unterlagen (nicht nur ich, sondern auch die beiden Schriftführenden hatten diese Anleitungen gelesen.
Zurück im Wahllokal stimmten ebenfalls zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, alle Gegensummen beim Zählen und Stapeln der Stadtratswahlzettel. Wir kamen mit allen weiteren Vorbereitungen glatt durch (sehr angenehmes Team), offizieller Cut war nach Auszählen der Stadtratswahlstimmen, auf denen nur ein Listenkreuz gesetzt war, und nach Durchzählen einzeln gekreuzelter Kandidat*innen plus Mischung von Beidem – am heutigen Montag starten wir mit der Zuordnung der Stimmen zu Kandidat*innen mit Zählhilfen. Ich war schon deutlich vor 22 Uhr daheim und aß zu Abend noch ein wenig Sellerielasagne und Schokolade. Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl war schon veröffentlicht: Am 22. März gibt es eine Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause, dann bin ich nochmal im Einsatz.
Kurz bevor ich völlig erledigt ins Bett kippte, kam Herr Kaltmamsell heim.
4 Kommentare zu „Journal Sonntag, 8. März 2026 – Wahlhilfe als Vorsteherin bei der Kommunalwahl, Teil 1“
Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)
Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.








9. März 2026 um 6:56
******************KOMMENTAROMAT**********************
Gerne gelesen
*******************************************************
9. März 2026 um 7:19
Wow.
Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat – und dass Sie sich den Stress trotz der Sorge angetan haben.
Mich motiviert es ungemein, mich für solches Ehrenamt zu bewerben (Kinder werden größer, Zeit wird wieder frei) – ähnlich wie bei Schöffen hatte ich es nie auf dem Schirm. Doof, aber isso.
9. März 2026 um 8:35
Das ist so ein Aufwand! Großen Dank, dass Sie das auf sich genommen haben!
9. März 2026 um 9:10
Das ist gelebte Demokratie. Danke für all die Mühe und die Arbeit.