Journal Samstag, 11. April 2026 – Eltern-Power und Besuch aus dem Internet

Sonntag, 12. April 2026 um 8:41

Eigentlich gut geschlafen, aber zu früh von einer Angstwelle geweckt worden.

Ich möchte mich hiermit über die geringe Akku-Leistung meiner elektrischen Zahnbürste echauffieren, und zwar seit Kauf: Die Ladung reicht nur für fünf Tage, also zehnmal Putzen (Herr Kaltmamsell hat ein eigenes Gerät), gleichzeitig dauert das Laden zehn Stunden. Eine Stunde Laden für einmal Zähneputzen finde ich zu viel.

Statt Wochenend-Gesandel hatte ich gestern Programm: Gestern waren meine Eltern so nett anzureisen und mir bei ein paar Häuslichkeiten zur Hand zu gehen – die ich ohne sie zwar auch geschafft hätte, aber mit ihnen halt so viel besser. Also frühes Fertigmachen und kurze Einkäufe in einem Sonnenlicht und unter blauem Himmel, die den angekündigten Frühsommertag versprachen.

Häuslichkeit 1: Vor gut zwei Jahren hatte ich sechs Drucke von Giselle Dekel gekauft, vergangenes Jahr rahmen lassen, jetzt sollten sie endlich an die Wand, für die ich sie vorgesehen hatte. Auf die Unterstützung meiner Eltern hatte ich gewartet, weil meine Mutter für die konkrete Hängung den Deko-Blick und Einrichtungsgeschmack hat, die mir komplett fehlen, mein Vater wiederum verfügt über die lebenslange Routine und das Geschick, die Bilder sauber und sicher aufzuhängen (was passiert, wenn ich es selbst mache, sieht man an der Wand neben der Küchentür) – die vorgesehene Wand machte unter anderem die Notwendigkeit von Hohlraumdübeln wahrscheinlich.

Also vermaßen und ordneten wir gemeinsam, Herr Kaltmamsell und mein Vater bohrten, hämmerten, hängten an Haken auf.

So sauber und befriedigend hätte ich das ganz sicher nicht hinbekommen.

Häuslichkeit 2: Parallel nutzte ich den grünen Daumen und die lebenslange Erfahrung meiner Mutter in Pflanzenpflege, nämlich zum Umtopfen der zu Monstermaßen gewachsenen Efeutute, die den Geschirrschrank im Wohnzimmer verschlang. Ich kenne die Pflanze seit Auszug aus dem Elternhaus und weiß, dass sie auf jede Veränderung ausgesprochen beleidigt reagiert, mir war klar, dass sie nach so etwas Existenziellem wie Umtopfen mindestens ein Drittel ihrer Blätter abwerfen würde – doch die Situation würde nicht von allein besser. Und allein schon für das Herunterholen des Dschungels brauchte ich mindestens zwei paar zusätzliche Hände.

Die Pflanze hatte sich den Blumentopf bereits völlig einverleibt und ihn zu Teilen umwurzelt, meine Mutter brauchte ein großes Küchenmesser, um sie davon zu trennen. Und sie überzeugte mich, sie umzusiedeln, von Geschirrschrank zu Bücherschrank. Ich stimmte auch deshalb zu, um alle existenziellen Veränderungen auf einmal umzusetzen, damit ich die Efeutute nicht zweimal stressen musste.

Aber wir werden Nägel auf dem Schrank brauchen, um sie einzuhegen (bis sie nach einem sehr wahrscheinlichen Blätterabwurf weniger Platz braucht).

Weitere Pflanzen-Aktionen: Einpflanzen von Weißlilien-Ablegern, Tausch der Balkon-Feige: Die Bayern-Feige hat sich in den vier Wochen seit Abstellen auf unserem Balkon überhaupt nicht verändert, meine Mutter möchte sie der verkaufenden Gärtnerei vorstellen. Der als Zweitfeige vorgesehene Baum, den meine Eltern mir gestern schenkten, nimmt erstmal ihren Platz ein.

Wir waren selbst mit Aufräumen und etwas Putzen unerwartet schnell fertig, es gab als Brotzeit die vorbereiteten Meatball Sandwiches (stelle ich in meine Rezept-Ecke ein, sobald ich ein passables Foto davon aufnehmen konnte).

Meine Eltern machten sich auf den Rückweg nach Ingolstadt, ich revanchierte mich zumindest ein bisschen mit einem Gürtel-Einsatz: Meine Mutter hatte mir einen roten Gürtel dagelassen, dessen Leder über viele Jahre Tragen zerfallen war – ich wusste eine Möglichkeit, ihm mit einem neuen Riemen zu einem zweiten Leben zu verhelfen.

Dazu ging ich nochmal raus in die Wärme, die wie angekündigt Frühlingstemperturen mit Karacho um zehn Grad überholte und sich mal kurz an die 20 Grad machte. Über den Sendlinger-Tor-Platz schallte schon von Weitem “El Condor Pasa”-Panflöte – ZACK! fühlte ich mich wieder wie 23 und in der Augsburger Fußgängerzone.

Volltreffer bei Leder Baumann in der Herzog-Wilhelm-Straße:

Es gab genau einen Lederriemen in Rot, doch der hatte exakt die perfekte Farbe und Breite.

Jetzt sandelte ich ein paar Stunden mit Zeitunglesen, Internetlesen bei offener Balkontür, Fenster- und Balkongucken, einer Runde Yoga.

Für die Chronik: Stand der Kastanien vorm Haus.

Für den Abend hatten wir eine weitere hoch erfreuliche Verabredung: Eine meiner kleinen Freundinnen aus dem Internet war mit Partner in der Stadt und schenkte Herrn Kaltmamsell und mir den Samstagabend. Wir waren zum Abendessen verabredet, da die Besucher in unserer Nähe untergekommen waren, holten sie uns ab.

Große Wiedersehensfreude, tiefes Glück, welche Begegnungen und Verbindungen mir das Bloggen seit Jahrzehnten ermöglicht. Wir bekamen Süßes aus dem Spanischen Früchtehaus mitgebracht, zeigten unsere Wohnung her, mussten uns losreißen, um unsere Restaurant-Reservierung nicht zu sehr zu reißen. Gebucht hatte ich nach Abstimmung mit den Mitessenden im Hot-Pot-Lokal Chois in Fußweite.

Und dort verbrachten wir einen wunderbaren Abend mit vielen Geschichten, unter anderem aus dem kürzlich abgeschlossenen Berufsleben der beiden und wie sich die Zeit seither entwickelt hat. Wer sich für so Vieles und die dazugehörigen Menschen so von Herzen interessiert, hat halt Interessantes zu erzählen. Dazu gab es spannendes Essen zum Eintunken in vier verschiedene Brühen, wir hatten Spaß und aßen gut. Allerdings war ich ausgesprochen erledigt und konnte den Abend nicht so lang werden lassen, wie ich es mir gewünscht hätte. Wir spazierten mit den beiden zum U-Bahnhof Goetheplatz und schickten sie in ihr Hotel.

§

Exzellenter Journalismus, der ein “Huch – hatte ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht” auslöst: Annette Ramelsberger über den gefährlichen Umstand, dass die wichtigsten Gerichtsprozesse derzeit weit draußen in schier nicht erreichbaren Gebäuden verhandelt werden (€):
“Ausgerechnet die Gerichtsprozesse, in denen die Wehrhaftigkeit der Demokratie verhandelt wird, finden immer öfter ganz weit draußen statt. Dort, wo es niemand mehr mitbekommt.”

Das Abschieben eines Gerichtes hinaus ins Nirgendwo ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Es geht um Sichtbarkeit, Transparenz, auch um Autorität. Um den Respekt vor den Regeln, die sich eine Gesellschaft, ein Staat gegeben hat.

„Justice must not only be done, but must also be seen to be done.“ Ein Satz, der dem Lord Chief Justice Gordon Hewart zugeschrieben wird, dem obersten Richter von England und Wales in den 1920er-Jahren. Frei übersetzt heißt das: Es reicht nicht, dass Recht gesprochen wird. Die Leute müssen das auch mitkriegen. Sonst zweifeln sie nämlich am Recht und der Gerechtigkeit.

die Kaltmamsell

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

XHTML: Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.