Journal Donnerstag, 4. Juni 2026 – Fronleichnam mit Wackelwetter

Freitag, 5. Juni 2026 um 6:42

Die Nacht auf den bizarrsten katholischen Feiertag1 war mittelgut, nach dem dritten Aufwachen zu Arbeitsweckerzeit legte ich mich energisch nochmal hin und schaffte eine zusätzliche Stunde.

Aufgestanden zu sonnigem Wetter, aber kühler Luft – viel zu kühl für Balkonkaffee. Was dennoch ging: Eine Schwimmrunde im Dantebad mit Option auf anschließendes Sonnenbad, Hinradeln über die Nymphenburgerstraße mit der Hoffnung, auf eine Prozession zu treffen – vergeblich.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Kommionkleid (von meiner Mutter genäht, allerdings im Jahr zuvor für die Tochter einer Freundin, in diesem Jahr an mich weitergereicht) auf der Fronleichnamsprozession meines Erstkommionsjahrs seinen letzten Einsatz, der jeweilige Jahrgang war zur Teilnahme beordert.

Für die kühlen Temperaturen war das warme 50-Meter-Becken des Dantebads überraschend dicht beschwommen (im Sommer gibt es ein weiteres, weniger geheiztes). Ging schon, ich fühlte mich aber nicht sehr fit und die Strecke zog sich. Am Ende meiner 3.100 Meter war der Himmel geschlossen bewölkt, es ging ein kühler Wind – also gründliche Reinigung, Eincremen und Umziehen fürs Heimradeln.

Dass es auf dem Rückweg doch nochmal richtig sonnig wurde, war halt dann so, zu spät.

Zum Frühstück kurz vor zwei gab es Pfirsich mit Joghurt sowie zwei unterwegs besorgte Körnersemmeln mit Butter und Marmelade. Davon fühlte ich mich völlig überfressen, als hätte ich nach einem italienischen Menü mit allem auch noch das Minzblättchen genommen – so viel war das doch nicht?

Kleine Siesta, Zeitunglesen auf dem Balkon, Bügeln auch in Vorbereitung auf unsere Geburtstagsfeierreise am freien Freitag (einmal Pfingstferien, einmal St. Brück) nach Oldenburg – aktuell ließ die Wettervorhersage für ein Gartenfest eher robuste Kleidung ratsam erscheinen, wenn auch nicht Mütze und Schal.

Zum Abendessen eine Variante des Nachtmahls vom Vorabend, allerdings nur für eine, denn Herr Kaltmamsell war aushäusig: Eine Artischocke aus Crowdfarming (die Lieferung enthielt diesmal fünf Stück – versuchen die, einen Keil zwischen die Kundschaft zu treiben?) mit Knoblauch-Joghurt, den restlichen Salat mit Zitronen-Tahini-Dressing. Nachtisch Erdbeeren und Schokolade. Draußen wurde das Wetter so richtig regnerisch.

Im Fernsehen ließ ich auf 3sat Die Witwe Clicquot laufen: Interessant erzählter Plot, allerdings fand ich die Bilder und Perspektiven enttäuschend vorhersehbar, Schublade Kostümfilm, ich hätte mir mehr Mut und weniger Konvention gewünscht, auch in der Regie – mehr wie die Musik von Bryce Dessner.

  1. Interessant, dass er in dem verlinkten Artikel als mögliche “‘Machtdemonstration’ der Katholiken” bezeichnet wird: Genau das war meine Vermutung, da ja ein Kern des Protestantismus ist, die Transsubstantiation zu verneinen, mit der an Fronleichnam extrig rumgewedelt wird. []
die Kaltmamsell

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