Journal Mittwoch, 10. Juni 2026 – Zu viel für einen Tag
Donnerstag, 11. Juni 2026 um 6:23Schon lang stand fest, dass gestern ein komplizierter Tag werden würde: Facharzttermin weit draußen UND Theaterabend. Daraus hatte ich fast ebensolang abgeleitet, dass ich mal besser von daheim arbeiten würde – was der Vereinfachung der Wege diente, in Wirklichkeit noch mehr Abweichung von Gewohntem und Alltag bedeutete. Nahezu zwingend logische Konsequenz: Mir fiel eine weitere Komplikation ein und ich plante einen Lerchenlauf vor der Arbeit. Das Universum hatte den Wink verstanden und legte ein Schippchen drauf: Kurz nach superfrühem Weckerklingeln setzte heftig prasselnder Regen ein, der laut Regenradar bis auf absehbare Zeit anhalten würde.
Dann stattete ich mich halt mit Schirmmütze und Regenjacke aus. Nur wenigen weitere Läufer*innen begegnete ich beim agilen Pfützenspringen, die meisten hatten sich auf die Regenausstattung in Form von möglichst wenig Kleidung und barem Haupt verlegt: Nachvollziehbar, nass ist nass, und es war ja nicht wirklich kalt – aber das ist halt für Brillenträgerinnen keine Option.
Sehr nass.
Aber auch schön leer.
Weichzeichner nasse Linse.
Die letzten zehn Laufminuten meiner 80 wurden doch noch unangenehm: Die reichliche Nässe zog über die Beine der Laufhose hoch in die Unterhose. Nach Öffnen der Wohnungstür zog ich schnell alles Tropfende aus, ab in die heiße Dusche.
Recht pünktlich saß ich an meinem Arbeitsrechner (zwei paar Wollsocken, dickster Wollpulli über Baumwoll-Oberteil), Herr Kaltmamsell hatte seinen (höhenverstellbaren!) Schreibtisch für mich freigeräumt. Doch dann kämpfte ich erstmal eine knappe Stunde mit der Technik; unter anderem musste ich herausfinden, wie das aktuelle System heißt, das mich per VPN mit dem Arbeitsserver verbindet – nein, “VPN” ist kein Namensbestandteil. (Ebensowenig wie Software für E-Mail, Internetzugang oder Bildbearbeitung diese Funktionen im Namen trägt – muss man halt wissen.) Doch endlich erlebte ich einen wirklichen Vorteil von Homeoffice: Ich konnte die sonst untätige Zeit der erzwungenen Neustarts wegen Updates oder Fehlfunktionen sinnvoll nutzen! (Füllen und Starten der Waschmaschine, mittags Wäscheaufhängen.)
Die Arbeit war dann doch mehr als vorhergesehen, manche Spontanbitten konnte ich nicht erfüllen, weil keine Zeit oder weil mir die (aus Gründen papierenen und das Büro nie verlassenden) Unterlagen fehlten. Von der ausgedruckt mitgenommenen Arbeit konnte ich nur einen Bruchteil erledigen. Zudem saß mir der harte Schluss mittags im Nacken, weil halt Arzttermin. Aber für einen schnellen und heimisch guten Mittagscappuccino war Platz.
Schnelles und frühes Mittagessen: Flachpfirsiche mit Joghurt, dann signalisierte mein Bauch bereits Überfüllung. Ich musste eh schon los zum Arzttermin am Rande des Universums – unterm Schirm, denn es regnete immer noch heftig.
Der Nachmittag gestaltete sich mühsam und aufwendig, zumindest hatte der Regen nach Verlassen der Praxis (mit einer weiteren Überweisung in der Tasche) aufgehört. Aber ich fühlte mich völlig erledigt, hatte zudem einen komischen Bauch; auf der S-Bahn-Fahrt nach Hause wurde mir klar, dass ich keine Energie für über vier Stunden Theater (allein die Vorstellung von über vier Stunden Sitzen auf den mörderischen Kammerspiel-Stühlen!) und Zu-Bett-Gehen nach Mitternacht aufbringen würde. Diese Kulturpunkte muss ich für meinen Tracker anders reinholen.
Am Stachus hielt ich die Erschöpfung im Fotoautomaten fest.
Noch sechs Tage bis Haarschnitt.
Mit hängenden Flügeln schleppte ich mich nach Hause, bat Herrn Kaltmamsell um Verschiebung des Abendessens auf übliche Zeit statt früher für Theater. Für eine Stunde setzte ich mich nochmal an den Arbeitsrechner, tatsächlich konnte ich mich nützlich machen. Währenddessen kam der Regen zurück.
Eine sehr ruhige Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch zum Nachtmahl Mohnnudeln servierte (Lagerkartoffeln aus Ernteanteil aufbrauchend) – sehr gut. Nachtisch Amarena-Eiscreme und etwas Schokolade.
§
Eine “KI” (Large Language Model), die in praktisch jeder Software Lücken finden kann – und gleich mal ausnützt: Das klingt schon ziemlich bedrohlich. Allerdings, so habe ich jetzt gelernt, sollte man misstrauisch werden, wenn diejenigen am lautesten auf die Bedrohlichkeit hinweisen, die sie verkaufen. Hier ein Interview mit Thorsten Holz, wissenschaftlichem Direktor des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre:
“Claude Mythos, ChatGPT-5.5 und die Cybersicherheit”.
Werden Privat-User bald auf Knopfdruck eine Bank hacken können?
„Nein, Privatuser können mit Claude Mythos keine Bank hacken. So einfach ist es nicht“, sagt Thorsten Holz. Für einen realen Angriff muss man zunächst ein Ziel auswählen. Man braucht unter anderem einen initialen Zugriff auf das fremde System, Infrastruktur und Netzwerk-Kenntnisse. Zudem muss man Detektionsmechanismen umgehen, um nicht erwischt zu werden.
§
Für mich, ich betone es immer wieder gerne, liegt die Attraktion des Bloglesens im Blick in völlig fremde Alltagswelten. Zum Beispiel in dasnufs
“Sommer in Berlin”.







