Journal Mittwoch, 5. August 2026 – Brighton 5 mit Abkühlung und Kino

Donnerstag, 6. August 2026 um 10:18

Wir haben’s angesichts der Hitzewelle in Deutschland und Österreich gerade wirklich gut: Ich erwachte nach einer besonders guten Nacht zu frischem Wind, nasser Straße und dem Ende eines Regenschauers. Angekündigte Höchsttemperaturen der nächsten Tage für Brighton: 22 bis 23 Grad.

Gestern traute ich mich also, wieder erst zu bloggen, bevor ich mich auf meine Laufrunde machte. Diesmal ging meine Berechnung auf: Der Wind kräuselte Schaumkronen aufs schilfgrüne bis türkise Meer, ich wurde ordentlich durchgepustet, manchmal sogar von Wolken beschattet. Das Laufen war leicht und ein Genuss.

Das Betreten des Palace Pier kostet mittlerweile Eintrittsgeld.

Herrn Kaltmamsell hatte ich währenddessen zum Friseur geschickt: Er brauchte dringend einen Haarschnitt, war vor dem Urlaub aber nicht dazu gekommen – Urlaubsabenteuer! Zwar hatte er erst im vierten Salon einen Walk-in-Termin bekommen, war aber zufrieden.

Für Frühstück wollte ich endlich mal in die legendäre Hellenic Bakery ums Eck bei Seven Dials, wir spazierten hin. Die Theke bot Patisserie-Werk, griechisch waren die Feinkost in den Regalen und eine Vitrine mit Baklava.

Es gab also an einem der Tischchen an der lebhaft befahrenen Straße Cappuccino, für Herrn Kaltmamsell eine Gyros-Tasche (Hefeteig drumrum), für mich ein Stück Walnuss-Baklava. Dann weiteres spazierendes Erkunden der schönen historischen Gegend, Einkäufe fürs Abendessen (u.a. im orientalischen Supermarkt Taj, der mit seinem ersten Ableger in Kemptown seinerzeit eine Offenbarung gewesen war – jetzt aber mit seinen leeren Gängen und Regalen nicht wirkte, als würde es ihn noch lange geben).

Diesmal gab sich mein Körper nicht mit diesem halbscharigen Frühstücksangebot zufrieden: Zurück in der Ferienwohnung schob ich Skyr mit Joghurt hinterher.

Gemütliches Lesen, bis wir zum Nachmittagsprogramm aufbrachen: Kino. Aus dem Angebot des Odeon (Gebäude noch so eingerüstet wie vergangenes Jahr) nahmen wir den Film Minions and Monsters.

Selfie-Training in für mich typisch englischem Kino-Foyer.

Der Film war gute Unterhaltung, wieder bekamen die Kinder etwas (alberne Minions), aber auch die Erwachsenen (komplexe Konstruktion mit Film im Film im Film und ganz viele Anspielungen auf die Filmgeschichte).

Auf dem Rückweg war es immer noch sonnig, frisch und windig, Mitgefühl für die Hitze-Ächzer aus der Heimat.

In der Ferienwohnung richtete ich als Abendessen die große englische Käsetafel an:

Großer Teller oben ab 11 Uhr im Uhrzeigersinn: Englischer Pecorino, Cornish Yarg (mein Favorit), Sparkenhoe Red Leister (so alt, dass er Salzkörnchen enthielt), St Cera.
Kleiner Teller oben Sparkenhoe Blue (trotz Reife milder als Stilton), Ducketts Caerphilly.

Dazu gab’s Trauben und Tomaten, ein Körnerbrot (“gesunde” Brote werden hier nicht über Vollkorn-Gehalt verkauft, sondern über Beimischung ganzer Körner wie Leinsamen und Sonnenblumenkerne), Ploughman’s Pickle (Waitrose-Eigenmarke, super). Das war ein sehr gutes Abendessen. Nachtisch Süßigkeiten.

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Das mit dem British Museum ließ mich nicht los. Unter anderem weil ich weiß, wie weit und spannend die Forschung zum Thema Museum ist und mich verwundert, dass davon hier nichts in die Museums-Praxis schwappt. Zum Beispiel gab es kürzlich einen ERC Advanced Grant1 für das Projekt von Kunsthistorikerin Prof. Bénédicte Savoy von der Technischen Universität Berlin: “REMAPP – Afrikanische Museumsgeschichte neu erzählen”.

REMAPP stellt eine bis heute wirkmächtige Grundannahme der Museumsgeschichte infrage: dass das Museum eine genuin europäische Institution sei, die erst mit dem Kolonialismus nach Afrika gelangte. Das Projekt setzt stattdessen bei afrikanischen Wissensordnungen, Orten und Praktiken an, die lange vor oder neben kolonialen Institutionen bestanden. Sie entsprachen nicht eins zu eins den westlichen Definitionen des Museums als öffentlicher Einrichtung mit Sammlung, Ausstellung und wissenschaftlicher Ordnung. Dennoch erfüllten sie zentrale museale Funktionen: Sie bewahrten Objekte, machten materielle Kultur sichtbar, stifteten soziale Zugehörigkeit, verankerten Erinnerung und verbanden Dinge mit rituellen, politischen oder historischen Bedeutungen.

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In der Süddeutschen nochmal ein umfassender Artikel über den Forschungsstand zu Wechseljahren (€):
“Nicht ohne meine Hormone”.
(Superbescheuerte Überschrift.)

Mittlerweile wirkt es ja, als sei kaum noch eine Frau neutral, wenn es um das Thema Hormone in den Wechseljahren geht, nicht einmal beim Thema Wechseljahre selbst. Da sind auf der einen Seite die Sheila-de-Liz-Fans, die die geschäftstüchtige Gynäkologin und ihr Buch „Woman on Fire“ verehren; und die es kaum erwarten können, Hormone gegen den in den Wechseljahren beginnenden Hormonschwund zu nehmen, weil sie meinen, damit quasi jeder Zumutung im Alter entkommen zu können, vielleicht sogar dem Alter selbst.

Was ist denn so schwierig daran? MENSCHEN SIND VERSCHIEDEN! Auch Frauen, auch bei den Auswirkungen, die die Wechseljahre auf sie haben. Frauen, die ohne Beschwerden durchsegeln – warum sollten die Hormone nehmen? Wer geringe Beschwerden spürt, kann sich’s überlegen. Und Frauen mit schweren Beschwerden wie ich können sich mit einer Hormonersatztherapie Linderung verschaffen – müssen sie aber nicht, genausowenig, wie sie bei großem Leid “da halt durch müssen”.

Wenn man an die Gräben denkt, die das Thema Wechseljahre in der öffentlichen Meinung zuletzt aufgerissen hat, könnte man meinen, Seifert-Klauss musste sehr jonglieren, um mit ihrer Leitlinien-Gruppe überhaupt zu einem Konsens zu kommen. „Aber das war nicht so“, sagt die Medizinerin in ihrem Kellerbüro, das bis unter die Decke vollgestopft ist mit Fachliteratur. „Es gab nicht viel Dissens bei der Leitlinienarbeit.“ In den allermeisten Punkten sei man sich sehr einig gewesen. Denn anders als noch vor einigen Jahren sei die Studienlage zu Nutzen und Risiken der Hormone inzwischen gut, die Daten seien ziemlich klar.

Die Faustregel lautet jetzt: Hormone sollten nur so wenig und so kurz wie nötig gegeben werden. Aber wenn Frauen sie brauchen, wäre es ein Fehler, sie nicht zu verschreiben. Denn die Risiken sind deutlich kleiner, als man früher annahm.

Na also.

  1. ERC Grant ist die renommierteste und am höchsten dotierte Forschungsförderung der EU. []
die Kaltmamsell

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