Journal Samstag, 22. August 2026 – Reise im Bullerbü-ICE zum Westerwald
Sonntag, 23. August 2026 um 10:27Eine recht gute Nacht – morgens erinnerte ich mich an keine bemerkenswerten Erlebnisse.
Angenehm früh zu sehr zapfig frischer Luft von draußen aufgestanden, für die Reise nach Wochen erstmals an sowas wie eine Jacke gedacht.
Schon auf dem Weg zum Zug war ich froh um diese Jacke. Wir bestiegen den ICE mit Ziel Köln, fuhren pünktlich ab – und ahnten da noch nicht, dass wir einen verzauberten Bullerbü-ICE erwischt hatten, mit dem Bahnfahrende vermutlich nur einmal in ihrem Reiseleben beschenkt werden.
Das begann damit, dass ich mich über die Sitz-Ausstattung freute, bei der sich jemand wirklich Gast-orientierte Gedanken gemachte hatte (und die vor allem eine vermutlich byzantinische Entscheidungskette tatsächlich durchbrachte).
Eindeutig zivilisatorischer Fortschritt: Ein Jackenhaken, mit dem das Hängut nicht die Aussicht verdeckt; ein Miniregal für Tablet/Handy mit Haltklammer zum Bewegtbildgucken während der Fahrt. (Kannte ich in einer edlen Holz-Ausführung schon an einem anderen ICE-Modell, diese Version ließ mich auf Serien-Einrichtung hoffen.)
Es ging weiter mit dem Personal dieses Zugs, das von einer Liebenswürdigkeit, Zuvorkommenheit und Eleganz war, dass damit mindestens ein schief laufendes Infrastrukturprojekt der Deutschen Bahn ausgeglichen wurde:
– Zweimal kamen Speisewagen-Mitarbeiterinnen durch und verkauften frische Kaffee-Getränke, beim zweiten Mal trug die Dame eine Haar-Schur in drei Ebenen, verschieden gefärbt, die ein abstraktes Landschaftsbild ergab – sensationell.
– Als ich im Bord-Bistro selbst für Herrn Kaltmamsell und mich Mittagscappuccino holte, erlebte ich beim Anstehen einen Barista, der das Kleinstkind auf dem Arm seiner Mutter aufs Charmanteste umgarnte (und die erbetene Milch aus frisch geöffneter Packung erstmal selbst testete, ob sie auch bestimmt in Ordnung war), beim Cappuccino-Zubereiten mit dem US-amerikanischen Gast vor mir plauderte und sicherstellte, dass er sich wohl fühlte. Auch der Austausch mit mir machte den ganzen Speisewagen gleich ein Stückchen heller.
– Schaffner 1 im perfekt sitzenden weinroten Uniform-Dreiteiler: freundlich und souverän, hilfsbereit bei der Suche nach einem nicht reservierten Platz.
– Dann kündigte eine Durchsage eine Runde Steckerleis für alle an, im pünktlichen Zug, einfach so – das auch wirklich verteilt wurde.
– Schaffner 2 jackenlos, die Ärmel des weißen Hemds ungemein elegant hochgekrempelt, der durch den Wagen schlenderte, Blick wechselnd zwischen Passagieren und Display – „Eingecheckt, schon eingecheckt, eingecheckt – ein Traum.“ – auch er hatte ein Steckerleis in der Hand.
Insgesamt wirkte diese Fahrt dann doch wie eine Fernseh-Inszenierung. Aber eine gute.
Dazwischen Holledau.
Pünktlich stiegen wir in Siegburg aus, die 45 Minuten Aufenthalt nutzten wir für ein wenig Umsehen in dem Städtchen – an einem Samstag-Frühnachmittag ausgesprochen quirlig und sympathisch, es wurde gehochzeitet, in Außengastronomie gesessen, eingekauft.
Letzter Abschnitt in den Westerwald mit der Regionalbahn entlang lauter Orten mit “(Sieg)” und entlang dem gleichnamigen Fluss, der aufs Malerischste durch Idyll mäanderte.
Ab Ankunft und Aussteigen genossen wir den Zweck der Reise: Zeit mit Freunden. Sie war gefüllt mit:
– Sightseeing-Autofahrt
– Kaffeeundkuchen (Apfelkuchen aus Frühäpfeln des eigenen Gartens)
– Gartenbesichtigung
Aussicht von selbigem aus.
Fallapfelbuntheit wie Schatzhöhle.
– Dorfbesichtigung mit viel Hintergrund zu gesellschaftlichen Mechanismen (und Kühen, Kälbern, Pferden, wunderschönen Bressehühnern)
– Sightseeing-Autofahrt zu den beruflichen Wirkstätten der Freunde
– Abendessen beim freundlichen und köstlichen Lieblingsitaliener (bei mir Fettuccine mit Birne und Käse, dazu ein frischer Pinot grigio)
– Spaziergang durch die abendliche Fußgängerzone mit viel historischer Information
– viele Stunden Zusammensitzen über mehr Weißwein mit Gesprächen bis weit jenseits Mitternacht
Was insgesamt bedeutete: Austausch, Nähe, Verbindung mit so wunderbaren Menschen – überlaufendes Herz.









