Journal Montag, 19. Oktober 2026 – König Lear am Residenztheater: Mangelndes Shakespeare-Vertrauen
Dienstag, 20. Oktober 2026 um 6:14Gut und tief geschlafen, aber bei Weckerklingeln war es definitiv nicht genug gewesen.
Unter anderem war mir wie zu erwarten beim Einschlafen die König Lear-Inszenierung vom Sonntagabend im Kopf herumgegangen. Das eigentliche Stück hatte mich an diesem Abend eher unberührt gelassen, angekommen waren bei mir vor allem die Bühnenmittel (Bühne Marlene Lockemann). Und hier spielte die beeindruckende Hauptrolle der kreisrunde Bühnen-füllende Ring mit Landschaft oben und Räumen in Gestellen unten, in ständiger, langsamer Bewegung, eingeführt im zweiten Akt durch den vertriebenen Edgar, der die Pfade oben entlang taumelt und dabei seine Verwandlung in Tom erzählt. Davor schon war es eine Wand mit in vielen Richtungen beweglichen Drehtüren gewesen, die riesig vor dem Zuschauerraum auf der Bühne stand und für die verschiedenen Verbindungen der Personen und Handlungsstränge genutzt wurde.
Doch Regisseurin Elsa-Sophie Jach beließ es nicht dabei. Dass nahezu durchgehend Live-Musik vom Bühnenhintergrund erklang, muss heutzutage wohl so, inklusive zweimal Live-Gesang. Aber dass immer wieder verschiedene Leinwände herabgelassen wurden, Live-Video-Projektionen aus Bühnenwinkeln darauf übertragen – über die vielen Jahre seit Einführung als Erzählmittel auf den Bühnen gerät das in meinen Augen zur inhaltsleeren Marotte, vor allem hier: Das Mittel der Soliloqui IST doch bereits ein Ins-Zentrum-Stellen einer Figur und ihrer Gedanken, da brauche ich ihr sprechendes Gesicht nicht auch noch acht mal fünf Meter groß gefilmt auf eine Leinwand projiziert.
Nicht nur deshalb habe ich den Eindruck, dass der Inszenierung das Vertrauen in Shakespeare fehlte, der eigentliche kraftvolle und bilderreiche Text ging fast unter. Immer noch eine Interpretationsebene, immer noch eine Vermittlungstechnik – die vielen Ansätze und Ebenen führten unterm Strich zum Eindruck der Unentschlossenheit. Lasst die Figuren doch mal in Ruhe reden! Ja, der gefeierte Manfred Zapatka als Lear bekam oft Raum für seine Worte, aber selbst er nicht immer, weil Kostüm oder Filmung sie überlagerten. Vielleicht hatte Vincent zur Linden als Narr da sogar mehr Texteskraft (die Doppelbesetzung auch als Edmund gefiel mir sehr gut).
Schauspielerisch beeindruckte mich am meisten Pia Händler als Regan: Sie lebte den Text statt ihn vorzutragen – das mag ich als Kind der 80/90er-Renaissance-Theatre-Company halt (damals war es Inszenierungs-Mode, den Blankvers nahezu zu ignorieren).
An den Besprechungen der Inszenierung gefiel mir die von Christoph Leibold für den Bayerischen Rundfunk:
“Seltsam unpolitisch: Der neue ‘Lear’ am Residenztheater”.
Außerdem zum Festhalten: Was anders ist am Resi als an den Kammerspielen. Am Resi gab es ein aufwändiges Programmheft zu kaufen, für die 2,50 Euro steckten sogar ein paar Postkarten mit Fotos aus der Inszenierung dabei. An dem Kammerspielen ist das gedruckte Programmheft mittlerweile eher dünn und kostenlos, die Informationen findet man breiter und ansprechender online auf der Website. An den Tischen für Programmheftverkauf wurde auch Merchandise angeboten, sehe ich mir nächstes Mal genauer an.
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Überraschen mild dampfiger Weg in die Arbeit.
Die kopfwehige Benommenheit wurde mir am Arbeitsplatz bald doch zu doof, ich griff zu Ibu.
Geschäftiger und unruhiger Arbeitsvormittag, Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich in der Mittagspause raus auf Einkäufe gehen konnte: Der riesige HIT in Fußweite bot auch die Cocktailkrischen an, die auf der Einkaufsliste standen.
Zu Mittag gab es Ananasstücke aus derselben Quelle, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. So ganz wach und munter wurde ich einfach nicht.
Entsprechend zäh fühlte sich der Arbeitsnachmittag an.
Nach Feierabend war es deutlich kälter geworden. Ich ging über Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner heim.
Zu Hause hatte ich trotz müder Benommenheit Lust auf Pilates, das nochmalige Üben meines Bloglesungstexts aber verschob ich auf Dienstagabend.
Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Karotten auf meinen Wunsch als Laksa, als würzige chinesische Suppe – eine sehr aufwändige Suppe mit vielen nur aufwändig zu bekommenden Zutaten.
Blöderweise schmeckte das ganz ausgesprochen köstlich, ich werde das wieder essen wollen.
Nachtisch Schokolade.
Sehr früh ins Bett zum Lesen und frühen Lichtaus.






