Journal Samstag, 3. Oktober 2026 – Feiertagsschwimmen, Feiertagsspaziergang

Sonntag, 4. Oktober 2026 um 9:06

Recht gute Nacht, aber mit überraschend brummigem Kopf aufgestanden – so viel Alkohol war das doch gar nicht?

Mit Herrn Kaltmamsell räumte ich weiter die Reste der Vorabendeinladung auf, ich freute mich am Anblick der mitgebrachten Blumen.
Mich würde mal eine Aufstellung typischer Gastgeschenke verschiedener Länder im Vergleich interessieren. Für Deutschland nenne ich als typisch und kann-man-nichts-falsch-machen bei Essens-Einladung daheim: Blumenstrauß, Flasche Wein, Süßigkeit (gern auch selbst gemacht).

Ich freute mich auch auf die geplante Schwimmrunde, jetzt zurück im Olympiabad. Wegen anhaltenden Oktoberfest-Unruhen (am gestrigen Samstag musste der Zugang zum Gelände wie schon am Samstag zuvor kurzzeitig wegen Überfüllung gesperrt werden) nahm ich lieber die U-Bahn zum Olympiapark.

Ja, das Gebäude Olympiabad ist schöner als das Dantebad, aber die Aussichten beim Schwimmen im Dantebad sind VIEL schöner als im Olympiabad.

Schwimmen ging flüssig und gut, auf meiner Bahn war es immer schön ruhig und freundlich, allerdings erwischte mich auf den drittletzten 100 Metern ein Krampf in der rechten Wade, mein unterdrücktes Aufjaulen am Beckenrand sorgte für besorgte Mienen, die ich mit der Erklärung “Sorry, Krampf” beruhigte. Da das Befolgen des Standard-Rats Fußanziehen bei mir lediglich weitere Krämpfe in Fuß- und anderen Wadenmuskeln auslöst und ich schön länger davon ausgehe, dass das alles eh irgendwie von der Lendenwirbelsäule verursacht wird, rollte ich mich im Wasser ein und zog die Knie an: Der Krampf löste sich, ich konnte meine 3.000 Meter zu Ende kraulen.

Heimfahrt in der U-Bahn in Begleitung von 80 Prozent Oktoberfest-Cosplayern.

Zum Frühstück gab es kurz vor zwei Birne und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot mit Butter.

Herr Kaltmamsell hatte um einen Spaziergang gebeten, um seine Gehtauglichkeit mit Ziel Wandern zu testen, ich schlug den Schlosspark Nymphenburg vor. Auf der Trambahnfahrt dorthin begegneten wir früheren Mitlesenden unserer Leserunde, die dasselbe Ziel hatten.

Wie auch viele, viele andere dauerhafte Münchner*innen oder Besucher*innen – kein Wunder an einem Feiertag mit schönem Wetter.

An der Porzellanmanufaktur Nymphenburg ging ich gezielt vorbei und schaute ein wenig in die Fenster – ich vermisse den Laden am Odeonsplatz.

Am Geranienhaus folgten wir den Hinweisschildern zur Ausstellung über Geschichte, Gestaltung und Pflege des Schlossparks (wenn’s was zu lesen gibt, lesen wir – auch im Park).

Wir kamen schlauer raus, als wir reingegangen waren.

An wen sich dieses “Bitte nicht fällen” wohl richtet?

Ich genoss Luft und Bewegung, fühlte mich allerdings weiterhin sehr müde und verkatert. Herr Kaltmamsells Körper erwies sich leider als bei weitem noch nicht wandertauglich, ich mache mir weiterhin Sorgen.

Daheim Zeitunglesen auf dem Balkon, die Feiertagsausgabe war wieder auf Papier geliefert worden. Vorm Balkon die Lärm-Ausläufer des Oktoberfests in Form von Musik-beschallten Radl-Rikschas, Gegröle, berstendem Glas.

Ein Viertelstündchen Rücken-Gymnastik mit Gabi Fastner, dann öffnete ich für den Abend eine weitere Flasche Ziereisen Grauer Burgunder – ebenfalls oxidiert. Also griff ich nach der nächsten Flasche Weißwein im Kühlschrank: Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022. Der war zwar nicht oxidiert, schmeckte aber seltsam, definitiv nicht wie wir ihn kannten und wie er gehört. Kippt gerade der gesamte Jahrgang 2022 um?

Zum Wein gab es erstmal arabische Nüsschen, dann Reste vom Vorabend: Kichererbsen (aus kastilischem Familienanbau) mit Spinat, kaltes Entrecôte, ganz wunderbar. Nachtisch reichlich Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Oppenheimer laufen; auch nach der Hälfte des Films wusste ich noch nicht, was mir hier erzählt oder gezeigt werden sollte außer schönen Bildern und Kostümen, die dichte Beregnung des Werks mit Oscars verstehe ich nicht. Vielleicht gehen einfach Christopher Nolans Filme an mir vorbei. Ich widmete mich lieber wieder dem Riesendrachen in Terry Pratchetts Guards! Guards!.

die Kaltmamsell

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