Journal Freitag, 30. Januar 2026 – Chaostag, aber köstlicher Abschluss im Broeding

Samstag, 31. Januar 2026 um 9:41

RICHTIG gut geschlafen, erstes Aufwachen für Klogang erst eine Stunde vor Weckerklingeln, und diese letzte Stunde schlief ich nochmal tief.

Es tagte zu Sonnenschein, auf meinem Marsch in die Arbeit glänzte der geschmolzene Schnee vom Vortag als Eisflächen, der Boden glitzerte frostig.

Am Schreibtisch brachte mich bereits der erste Blick ins Postfach zwei Stunden lang ins Wirbeln: Pläne hatten sich geändert, ich musste die Konsequenzen passend machen.

Und als ich dann von endlich eine Kanne Tee Aufbrühen an meinen Arbeitsplatz zurückkehrte, brachte ein Anruf komplettes Chaos zum Ausbruch, alle Änderungen nochmal ändern, Änderungsbitten zurückholen, Auswirkungen auf unzählige Details, *Augenzucken*. Ich hasste das Leben und die Welt inbrünstig und hatte davon Gänsehaut am Kopf.

Weil ich dazwischen eh auf ein paar Rückmeldungen warten musste, ging ich raus ins Westend auf einen Mittagscappuccino, konnte sogar ein wenig den Sonnenschein genießen und die schmelzenden Temperaturen.

Den vorläufigen Planungsendstand, auf dessen Basis ich das Orga-Tetris vervollständigen konnte, bekam ich in meiner Mittagspause. (Wussten Sie, dass ich Ausknobel- und Reinfutzelspiele zuletzt im Schulalter reizvoll fand? Mit einer kleinen und bemerkenswerten Renaissance in den 1990ern, als ich ein paar Wochen lang wie hypnotisiert das Computerspiel Lemmings spielte?) Mittagspause also verschoben.

Bei allem Respekt für Ihre LLM-Nutzung beim Texten: Ich bezweifle, dass der Algorithmus so viele verschiedene und passgenau individuelle Entschuldigungen bei den Terminverschiebungsbetroffenen erzeugt hätte (ohne dass das Prompting dafür dreimal so lang wie mein Texten gedauert hätte). ICH bin ein Large Language Model. (Das fast in Tränen der Dankbarkeit ausbricht, wenn selbst hochnotpeinliche Verschiebungn binnen Minuten angenommen werden.)

Insgesamt war ich gründlich fertig mit den Nerven, hatte aber noch einige Stunden Arbeit vor mir. Und konnte mich vor lauter Fertigkeit nicht mal auf den Abend freuen: Schon Anfang Januar hatte ich in einem meiner Lieblingslokale Broeding reserviert, Herr Kaltmamsell kündigte an mich einzuladen – um etwas zu haben, auf das ich mich freuen konnte.

Direkt nach pünktlichem Feierabend hatte ich geplant, in der Innenstadt fürs Kochen am Wochenende einzukaufen, doch beim Blick auf die gemeinsame Einkaufsliste sah ich, dass Herr Kaltmamsell bereits alles abgeräumt hatte. Also ging ich direkt nach Hause – und nutzte die Zeit für die Verarbeitung der zweiten geschenkten Bergamotte zu Lemon Curd.

Feinmachen fürs Ausgehen, dann nahmen wir eine U-Bahn zum Rot-Kreuz-Platz – und verbrachten einen wunderschönen Abend im Broeding mit liebevollem Essen, interessanten Weinen und Austausch, was gerade so passiert in unserem Leben.

Wir stießen aufs Wochenende an mit einem Sekt vom Weingut Loimer, die Küche grüßte mit einem Schälchen Kichererbsen und Waller-Würfeln. (Bitte beachten Sie die Tischdecke: Mittlerweile eine Rarität in Restaurants.)

Saibling, Staudensellerie (der grüne Spiegel), Petersilienwurzel, ein wenig Schwarzkohl, dazu im Glas ein Riesling Alte Reben 2022 von Ebner-Ebenauer aus dem Weinviertel, vielfältig und voll.

Gebratener Radicchio trevisano begleitete einen so großen und so reichlich mit Frischkäse gefüllten Raviolo, dass ich ihn eher Maultasche genannt hätte, dazu Belper Knolle – sehr gut. Und wir machten Bekanntschaft mit dem Welschriesling Franz Lackner, der hervorragend passte.

Der nächste Wein kam aus der Steiermark, ein Grauburgunder Neumeister Ried Saziani 2020, als untypischer Grauburgunder angekündigt (als Lob gemeint), der das wirklich war. Es gab ihn zu auf der Haut gebratenem Saibling mit Spinat, Ratatouille, Fenchel (zu dem ganz hervorragend Thymian passt, wer hätte es gedacht?).

Hauptgang war Hirschkalb als Ragout (schön herzhaft) und Filet (sensationell zart – und überraschend mit einem Hauch Lavendel gewürzt), dazu Selleriepüree, ein wenig Preiselbeeren und eine frittierte Scheibe Kräutersaibling. Eingeschenkt wurde ein Blaufränkisch aus dem Burgenland vom Weingut Sommer – ich mag einfach die schlanken, eleganten Rotweine aus Österreich (derzeit) lieber als die Wuchtbrummen aus Sonnenländern.

Wir schwächelten bereits, hatten ja beide harte Wochen hinter uns – und entschieden uns gegen den optionalen Käsegang.

Als Pre-Dessert gab es ein Löffelchen mit Marshmellow und Brownie.

Und als Dessert Nougatmousse, Haselnussbiskuit, Portweinbirne – köstlich. Der Süßwein dazu war rot und italienisch: ein schöner Valpolicella.

Schon sehr müde ließen wir uns von der U-Bahn heimfahren, kamen aber noch vor Mitternacht ins Bett.

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Freitag, 30. Januar 2026 – Chaostag, aber köstlicher Abschluss im Broeding“

  1. anna meint:

    “ICH bin ein LLM auf zwei Beinen” <3

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