Journal Samstag, 9. Mai 2026 – Genossener Frühsommermaiensamstag

Sonntag, 10. Mai 2026 um 9:01

Recht lang geschlafen, aufgewacht mit der Freude, dass jetzt aber wirklich Wochenende und frei war. (Außer Pflichtpläne wie Schwimmen, Einkaufen, Laufen, Bügeln, Kochen.)

Ich fühlte mich verkatert, nahm das aber hin, weil halt der Preis des freitäglichen Wochenend-Feierns. Bis mir einfiel, dass ich ja gar nicht gefeiert hatte, seit einer Woche gar keinen Alkohol getrunken.

Amüsement über Verpackungsbetrug: Der linke “VORRATSPACK” enthält drei Stück weniger als der rechte normale eines anderen Herstellers, das obere Drittel des linken ist schlicht leer.

Die angekündigte strahlende Sonne versteckte sich noch gründlich hinter Wolken, doch bis zu meinem Aufbruch zur Schwimmrunde war sie rausgekommen. Sensation des Morgens: Obwohl ich am Vorabend keine dritte Ibu des Tages genommen hatte, war ich nahezu schmerzfrei. Nicht mal der mehr als warme Morgenkaffee löste Zahn-Toberei aus. Und schon begann etwas in mir mir Vorwürfe wegen der Riesenwelle mit Arztterminen zu machen, die ich gestartet hatte. Bis die Schmerzen und die Berührungsempflindlichkeit des zuletzt hauptsächlich schmerzenden Zahns sich doch wieder meldeten, ich war paradoxerweise erleichtert: Doch nicht nur angestellt. Und warf eine Ibu ein.

Gründliches Sonnencremen mit Hilfe von Herrn Kaltmamsell, gemütliches Radeln zum Dantebad, noch war ich um Jacke und Halstuch froh. Ich hatte extra Zeit mitgebracht, denn: Die Münchner Bäder stellen ihr Kassensystem jetzt und in den nächsten Monaten um, das Dantebad gehört zu ersten beiden umgestellten (wohl der Grund der besonders frühen Schließung für den Umbau zum Sommerbetrieb). Die Kommunikationskampagne dazu hatte mich früh erreicht, ich hatte Details nachgelesen. Und tauschte gestern meine bisherige aufladbare Bäderkarte gegen die neue. Das funktionierte etwas manueller als erwartet: Im Kassenbereich des Dantebads nahm eine SWM-Angestellte an Extra-Tischchen meine alte Karte entgegen und füllte mit mir ein Papierformular für die Rücküberweisung des Guthabens auf mein Konto aus. Dann ging ich wie eine Neukundin an die Kasse und kaufte eine neue Bäderkarte, belastete sie mit 100 Euro. Dort bekam ich auch einen Tipp für die Bedienung des neuen Eingangs-Automaten: Jetzt hält man die Karte nicht nur davor, man muss den Eingangswunsch zusätzlich durch ein”Ja”-Tippen auf einem Bildschirm bestätigen.

Schwimmen war schön: Becken gerade nicht zu stark beschwommen, und in exakt diesen anderthalb Stunden schien die Sonne von wolkenlosem Himmel. Allerdings fühlte ich mich die ganze Zeit müde, erklärte mir das wieder reflexhaft mit dem freitäglichen Wochenend-Feiern – das es auch weiterhin gar nicht gegeben hatte. Auf der allerletzten Bahn meiner 3.000 Meter ein Wadenkrampf, der mir jede Lust auf eventuelle Zusatzmeter nahm.

Heimradeln unter herrlichstem blau-weißen Himmel mit Umweg über einen Bäcker Wimmer: Ich wollte dringend nach langer Pause mal wieder deren Kernige (Handsemmeln mit Karotten und Körnern). Nerviges Stop-and-Go-Radeln, gestern war wieder Tag der Roten Ampel.

Frühstück um zwei mit zügigem Esstempo, um nicht vor Ende all der Dinge, die ich zu essen plante, satt zu sein. Das klappte: Hausgemachtes Weißkraut-Kimchi, zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade, letztes Kirsch-Tapioka mit Vanille-Dickmilch. Großartig, ich genoss alles davon sehr. Und hatte selige zehn Minuten danach, bis sich mein Bauch drückend empörte, dass das ja wohl zu viel gewesen sei.

Lesen und Häuslichkeiten (u.a. Umstellen auf Sommerbettzeug, wegen leichterer Winterbettdecke nicht mehr so dringlich wie früher), aber es zog mich nochmal raus ins herrliche Wetter. Ich nahm einen schwieriger zu bekommenen Posten auf unserer Einkaufsliste als Anlass, zur Schwanthalerhöhe zu spazieren, bekam das Gesuchte (großes Glas Dijon-Senf, bisherige Quellen führten nur kleine). Wenn ich schon mal zu Öffnungszeiten in der Gegend war, besuchte ich den Laden von Wir2liebenWein, um zwei Lieblinge nachzukaufen. Wie immer wurden mir Probierschlücke angeboten, und da es mir noch zu früh für Alkohol war, bestanden diese aus Beispielen des alkoholfreien Angebots an fermentierten Getränken. Sehr gut! Jetzt weiß ich, was ich bei der nächsten festlichen Gelegenheit als Alternativen zu Schaumwein und Wein anbieten werde.

Daheim setzte ich mich lesend auf den Balkon (genau richtige Temperatur, dass auch Sonnenschein sich angenehm anfühlte), turnte vor dem Abendessen eine wohltuende Einheit Pilates, immer wieder entzückt von Gabi Fastners Lob “fleißig!”.

Ich öffnete die nachmittags geholte Flasche Amphoren-Rosé Pittnauer Dogma: Der aktuelle Jahrgang mit neuem Etikett, aber immer noch ein Knaller. Dazu arabische Nüsschen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch (er hatte mir nach Aufessen des Ernteanteils angeboten, ein Pasta-Gericht zu bestellen) Mafaldine mit Aubergine und Ricotta salata, ganz wunderbar. Nachtisch Erdbeeren und dann Schokolade. Insgesamt wieder zu viel.

Im Fernsehen ließen wir auf 3sat die aktuelle Mephisto-Inszenierung der Münchner Kammerspiele laufen, die ich in meinem Abo vor einem Jahr bereits gesehen hatte. In diesem Fall funktionierte das Filmen überhaupt nicht: Auf der Bühne spielt alles im Theater, auf der Bühne, hinter der Bühne – verfilmt wirkten die Schauplätze der Szenen statt dessen beliebig, die Inszenierungsidee war nicht erkennbar. Dadurch wirkte auch das meiste andere durcheinander und beliebig. Man könnte die (sehr guten) Konzepte hinter dieser Inszenierung schon auch filmisch umsetzen, aber halt mit ganz anderen, filmischen Mitteln.

Vor dem Zu-Bett-Gehen holte ich mir noch einen Schwung Fledermausflattern zwischen den Bäumen vor Herrn Kaltmamsells Fenster – SO NIEDLICH!

die Kaltmamsell

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