Journal Samstag, 16. Mai 2026 – Berlin 3: Bauhaus-Fotografie und Hansaviertel mit Freundin
Sonntag, 17. Mai 2026 um 8:46Gut geschlafen, als ich erfrischt aufwachte, war es erst sieben Uhr: Wunderbar, also keine Gefahr von Hektik für die Umsetzung meiner Tagespläne.
Nach Bloggen an Morgenkaffee und -tee hatte ich Lust auf Pilates: Ich fand sogar eine Fläche im Mini-Apartment, auf der ich mich für etwas raumgreifendere Gymnatikübungen nur zentimenterweise umarrangieren musste: in und vor der Kochnische.
TOP 1: Lebensmitteleinkäufe für den restlichen Urlaub. Im Alnatura, den ich auf dem Weg zum Ostbahnhof unweit der Unterkunft gesehen hatte, bekam ich alles Gewünschte. Auch gestern war das Draußen reichlich frisch, gleichzeitig erfreulich sonnig.
TOP 2: Fahrt nach Charlottenburg für Marzipaneinkauf. Auf dem Weg zum Ostbahnhof auf der Holzmarktstraße viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele große Motorräder – sogar noch viele mehr: Ich hatte den Anfang des Corsos in Form eines Polizei-Motorrads gesehen, und als ich nach fünf Minuten Fußmarsch abbog zum Ostbahnof, war immer noch kein Ende des Motorradflusses am Ende der Straße zu erkennen. In München hätte ich gedacht: Wallfahrt. Hier fiel mir keine Erklärung ein.
Nachtrag: Auf Mastodon bekam ich den Hinweis, dass es sich um diese “Gedenkfahrt” handelte – also doch eine Wallfahrt.
Regionalbahnfahrt nach Charlottenburg, großzügiger Einkauf bei Wald Königsberger Marzipan, vor ein paar Jahren beim Ferienaufenthalt in der Gegend entdeckt.
Ich mag Charlottenburg einfach: Der Stadtteil hat genau meine liebste Art von Uncoolheit, ist menschenbunt und ein bisschen angegrabbelt, ohne schmutzig zu wirken. Auf dem Karl-August-Platz kreuzte ich gestern einen Markt, der sehr sympathisch aussah. Und bekam in der Nähe meinen Mittagscappuccino in einem Café der neuesten Generation.
Nicht weit entfernt davon wieder sowas:
TOP 3: Treffen mit Freundin am Museum für Fotografie. Wir hatten uns zum gemeinsamen Besuch der Ausstellung “Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen” verabredet.
Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt, ich erfuhr eine Menge Interessantes zum Thema. Dass die meiste Architektur-Fotografie des Dessauer Bauhauses, u.a. die ikonischen Gropius-Aufnahmen von Lucia Moholy stammen, ohne dass sie genannt wurde, wusste ich allerdings schon vorher.
Die sonstigen Fotos der Ausstellung nahm ich eher als illustrierend für den faktischen Hintergrund wahr, nur wenige stachen erinnernswert heraus.
Vor allem ging es bei der Verabredung ja um das Wiedersehen mit dieser möglicherweise längstjährigen Freundin. Wir setzten uns zu KaffeeundKuchen ins nahegelegene Café des Amerika-Hauses (hervorragender säuerlicher Cheese Cake zum späten Frühstück). Dann zog uns die Sonne trotz weiterhin sehr frischer Temperatur raus auf einen Spaziergang: Die schon lange Einheimische zeigte mir erstmal das Hansaviertel, wusste viel zum historischen und aktuellen Hintergrund zu erzählen.
In der Akademie der Künste viele liebevolle Details.
Wir stellten fest, dass wir beide sehr gern zu Fuß gingen und taten das einfach die nächsten Stunden ins Gespräch vertieft, grob die Spree entlang.
Konditorei Buchwald als Einmerker für künftige Einkäufe und für KaffeeundKuchen.
Gut durchgelüftet und nach viel Austausch (wie spannend der Absprung der großen Kinder ins eigene Leben ist / je älter, desto häufiger drängen Körperlichkeiten in den Vordergrund / Einladung zu einem 60. Geburtstag) begleitete ich die Freundin noch in ihr Heim im Mauerpark (einmal quer über Gedenkstätte, durch Tourist*innen schlängelnd), nahm kurz ihren Partner in den Arm und verabschiedete mich dann in den eigenen Abend. Selbst für mich war das genug Tagesbewegung gewesen, für den Weg zur Unterkunft nutzte ich die U-Bahn.
Zum Abendessen briet ich eine rote Paprika in mitgebrachtem Olivenöl, erhitzte damit Cocktailtomatenhälften und bereits gekochte Nudeln vom Donnerstag, servierte auf Ruccolabett – gut!
Damit kein falscher Eindruck von Zurückhaltung entsteht: Mein Nachtmahl bestand aus drei solcher Teller. Nachtisch eher wenig Schokolade.
Das viele Gehen sollte ich eigentlich gewohnt sein, dennoch frühe starke Müdigkeit. Statt den Tag zu verbloggen, lud ich nur die Bilder von meinem Handy und sortierte sie. Aber ich recherchierte noch ein Schwimmbad mit wahrscheinlich geleinten 50-Meter-Bahnen für Sonntagvormittag inklusive Weg dorthin (Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) erfüllte alle Kriterien inklusive Offensein).
Im Bett überraschend langes Lesen, doch ich bezahlte den späten dritten Kaffee mit lang verzögertem Einschlafen.
§
Novemberregen schildert gut nachvollziehbar an einem Beispiel, warum manche Leute beruflich erbetene Zuarbeit schnell erhalten und manche nicht.
“15. Mai 2026”.
§
Johannes Kuhn stellt in seinem Blog bedenkenswerte “popsoziologische Theorien” zu einer deutlich zeitgenössischen Tendenz auf:
“Die große Gereiztheit”.
§
Da schau her: China-Restaurants gab es in Europa keineswegs erst ab den 1970ern. Für Wien haben Jakob Lehne und Andrea Ruscher vom Wien Museum herausgefunden, dass es diese bereits in den 1940er-Jahren gab:
“Mit Stäbchen und Acht Schätzen: Wiens vergessene Geschichte der China-Restaurants”.




















