Journal Freitag, 15. Mai 2026 – Berlin 2: Take your aunt to work day
Samstag, 16. Mai 2026 um 8:52Mittelgute Nacht, ich schwitzte sehr – zum Glück ist das Bett breit genug, dass ich mich zwischendrin von der verschwitzten Seite weglegen konnte.
Verdutzung beim (nahezu) ersten Handgriff nach Aufstehen: Auch die kleinere der zwei Induktionsherdplatten akzeptierte meine mitgebrachte Cafetera nicht als ausreichend große Fläche. Ich musste mit einem größeren Topf arbeiten, in den ich sie stellte.
Sonniges Wetter, ich freute mich auf Marsch zu TOP 1: Verwandtschaft, die für eine Bundestagsabgeordnete arbeitet, hatte sich bereit erklärt, mir ihren Arbeitsplatz zu zeigen – und alles, was dazu gehört.
Touri-Pflichten erfüllen.
Wir trafen uns am Eingang zum Bürogebäude, hier erster Ausweis- und Security-Check (ich war natürlich angemeldet). Und der erst Schwung hochinteressanter Alltagsinformationen aus der Arbeit für eine Spitzenpolitikerin. Ich bekam sogar Bundestags-Merchandise! (NIEMAND erinnert sich an die Parole KEINE WEITEREN STOFFTASCHEN – es gibt klare Prioritäten.) Da dieses Bürogebäude nicht mit dem restlichen Gebäudekomplex des Bundestags durch unterirdischen Gang verbunden ist, gingen wir obenrum. Das hieß auch: Nochmaliger Eingang mit nochmaligem Ausweis- und Security-Check (super sweetes Personal!).
Die Verwandtschaft war gründlich vorbereitet und erzählte zu praktisch allem und jedem Eck, Gebäude, Gang, Raum, Kunstwerk “Fun Facts”, Hintergründe, Anekdoten, Geschichte – ich glaube, da arbeitet jemand gern hier und ist sich der Tragweite bewusst.
Das Gebäude, in dem die Verwandtschaft arbeitet – diese Variante 1930er-Architektur kriegt mich immer wieder.
Die Architektur bot immer wieder beeindruckende Aus-, Runter-, Rüber-, Überblicke. (Und die Verwandtschaft hat einen Sinn dafür und führte an die entsprechenden Guck-Punkte.)
Ja, schon auch Gefängnisgang-Assoziationen – Verbindung ist wohl der Transparenz-Wunsch.
Die Leere auf den Fluren erklärt sich zum einen damit, dass keine Sitzungswoche war, zum anderen damit, dass sich viele den Brückentag frei genommen hatten.
Eines der wenigen historischen Gebäude, die in den Gesamtkomplex integriert sind.
In einem der vielen unterirdischen Verbindungsgänge, dieser gleichzeitig Kunst am Bau.
Links der Garten der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, rechts die Terrasse, auf der die Sommer-Interviews stattfinden.
Lesesaal der Bibliothek des Deutschen Bundestags.
Hier wird wohl auch getanzt.
Links der Kindergarten des Bundestags (wusste die Verwandtschaft alles auswendig!).
Die Ausschusssäle.
An vielen Stellen Kunst, die wäre einen eigenen Besuch wert.
Bibliothek der Parlamentsprotokolle im Reichstag.
Im Reichstagsgebäude taten es mir besonders die Türklinken an. (Sollte ich nochmal die Gelegenheit zu einem Besuch haben, folge ich der Empfehlung der Verwandtschaft, die Klos in den verschiedenen Gebäuden zu besichtigen, weil auch diese wohl sorgfältig und sehr unterschiedlich gestaltet sind.)
Fraktionssaal der Linken, Otto-Wels-Saal, unter dem linken Turm des Reichstags mit Deutschlandflagge.
Austausch über den städtebaulichen Charakter des Regierungsviertels zwischen Sicherheitsbedürfnis und Volksnähe. Verwandtschaft erzählte einerseits von viel Security und Kameras, wenig Einladung zum Aufenthalt, dann wieder von Social-Media-Geschäftsleuten, die die teils sensationellen Perspektiven und Locations als Dreh-Orte nutzen, oder von regelmäßigen Tanztreffs direkt vor den Glaswänden, hinter denen sich die Sitzungssäle der Bundestagsausschüsse befinden (einen durfte ich von innen sehen).
Über drei Stunden waren wir unterwegs gewesen, als die reichhaltige Führung in der Kantine des Bundestags endete – und mit einem großen Teller gebratener Zucchini, Ofen-Süßkartoffeln, Hummus; die Verwandtschaft erklärte sich mit dem veganen Angebot der Kantine sehr zufrieden. Jetzt war auch Gelegenheit zu mehr Austausch über Befinden und Pläne. Rundum viel Liebe.
Nachdem sich unsere Wege trennten, erledigte ich TOP 2: Nachkauf des japanischen Mamecha-Tees (im gleichnamigen Laden), den ich vor einem Jahr über eine Freundin kennengelernt hatte und sehr schätze. Klar könnte ich den auch online bestellen, so fühlt es sich aber besser an. Weg dorthin durch viele Menschen in Mitte, die Geschäfte und Cafés waren seit meinem letzten Besuch noch einen Tick schicker geworden.
Auch zurück zur Unterkunft spazierte ich, das Wetter war weiterhin angenehm, wenn sich auch der Himmel bewölkte.
Dort eine Runde Ausruhen (haha = Bilder runterladen und schon mal bloggen). Bevor ich mich zu meiner Abendverabredung aufmachte, TOP 3: Die Einheimische hatte ein Restaurant in echter Fußweite von meiner Unterkunft vorgeschlagen, das Spree Fumée – auf einem Schiff im Historischen Hafen Berlin. Eigentliche Idee war Abendessen unter freiem Himmel mit Touri-Blick auf der Terrasse gewesen, doch die kühle Luft wehte uns ins Innere des Schiffs – ausgesprochen schöne Umgebung.
Foto: Ute Schirmack
Ich suchte mir einen der besonders angepriesenen Cocktails aus, meine Verabredung und ich teilten uns die Zusammenstellung des Hauses für zwei – plus Klebreis und ein paar Grillspieße, ebenfalls Spezialität des Hauses.
Foto: Ute Schirmack
Schmeckte alles wirklich liebevoll zubereitet und gut. War allerdings nur der Hintergrund für Austausch von aktuellem Leben, kürzlichen Entwicklungen (die mich durchaus besorgt zurückließen), was dieses Jahr sonst noch geplant ist.
Erst bei fast ganz dunkler Nacht spazierte ich zurück in meine Unterkunft.




























