Journal Montag, 15. Juni 2026 – Beifang aus dem Internetz

Dienstag, 16. Juni 2026 um 6:32

Woche 7 bis Urlaub.

Der Tag startete sehr kühl, aber sonnig, für den Weg in die Arbeit schlüpfte ich in eine warme Jacke.

Auf der Theresienwiese wird immer noch sehr viel baugearbeitet. Das nährt meine Hoffnung, dass sie nicht wieder bereits Ende Juni für den Oktoberfestaufbau gesperrt wird – weil die Bauarbeiten dann noch nicht abgeschlossen sind.

Am Schreibtisch emsig losgearbeitet, übers Wochenende hatten sich Pläne und Wünsche geändert.

Mitten am Vormittag massiver Querschuss in Form von großem Durcheinander, das ich klären musste. Oder zumindest erklären, ich hatte schnell den begründeten Verdacht, dass jemand entgegen meinen umfangreichen und fundierten Warnungen massiven Mist gebaut hatte. Es folgte das Abwägen, wie stark ich mich für Rettung ins Zeug werfen würde: Einander gegenüber standen Lerneffekt für Mistbauende durch Gegen-die-Wand-fahren-lassen und das Schlamassel, in das Unschuldige ohne meine Rettung geraten würden. Sie kennen das.

Diese Aufregung, die bereits nach ersten Recherchen in Abgründe führte, versuchte ich mit einem Marsch um die Blöcke wegzulaufen. In herrlichem Sonnenlicht ohne Hitze sorgte sie für so viel Antrieb, dass ich Treppenstufen nach oben geradezu flog.

Zu Mittag gab es Quark mit Joghurt, Leinsamenschrot, Nektarinen.

Arbeitsnachmittag mit Fortsetzung des Vormittags-Durcheinanders, ich fühlte mich sehr unwohl.

Heimweg ohne Umwege in herrlicher Luft und Sonne mit Wind ohne Hitze.

Daheim setzte ich eine Idee um: Apple Crisp mit Steinobst statt Äpfeln, und zwar mit (absichtlich) recht harten Aprikosen und Nektarinen. Und wenn ich schon am Experimentieren war, nahm ich Herrn Kaltmamsells Hinweis auf den Rest Mohnzucker von den Kartoffelnudeln auf, den ich unter das Crisp mischte.

Während der Nachtisch im Ofen garte, turnte ich eine kurze Dehn-Folge Yoga.

Herr Kaltmamsell hatte den ersten Ernteanteil-Blumenkohl seit langem auf meinen Wunsch als Aloo Gobi zubereitet, mindestens so großartig wie erinnert. Dann war der Apricot Crisp genug abgekühlt, um als Dessert serviert zu werden.

Gut!

Als Abendunterhaltung sahen wir eine arte-Doku über den eben verstorbenen David Hockney (dessen Werk in Herrn Kaltmamsells und meiner Beziehung eine Rolle spielt und das wir beide sehr mögen).

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https://youtu.be/xt0llOfXP6c?si=Z8PMkKq4W3KitfnJ

Ich erfuhr einiges, musste aber mehrfach Augen rollen bei den wilden Interpretationen des französischen Kurators (ich finde nachträglich nicht heraus, wie der hieß, alle Suchmaschinen kaputt) – die er fast nie an irgendwas in den Bildern festmachen konnte. Und warum eine Doko “Der Maler des Pop” heißt, um von Anfang an und konsequent zu betonen, dass David Hockney nicht zu Pop Art gehört, will mir auch nicht eingehen.

Nachtrag: Auf Mastodon half jemand, der französische Schwurbel-Kurator ist Didier Ottinger vom Centre Pompidou.

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Verheerungen der “KI”: Ich glaube gute Fotos nicht mehr, die ich online sehe. Als fotografisch präsentierte Bilder, die mir positiv auffallen, lösen zwar als Erstes immer noch ein “Boah, gutes Foto!” aus, mittlerweile aber sofort gefolgt von Misstrauen: Ist das wirklich ein Foto oder ein Maschinen-erzeugtes Bild? In meinen Social-Media-Quellen hängt das stark vom absendenen Konto ab: Nur wenn darauf NIE künstlich generierte Bilder auftauchen, vertraue ich der Aufnahme. Wenn jemand bereits Maschinen-erzeugte Bilder veröffentlicht hat, halte ich Verfälschung bei allen für möglich. Das fühlt sich nicht schön an.

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Vielleicht wird das auf meine alten Tage doch noch was mit mir und Lyrik. Kürzlich frage ich Herrn Kaltmamsell, woher die zu Tode zitierte Goethe-Zeile “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut” eigentlich komme, erwischte den Deutschlehrer und Studiendirektor damit derart mittemang in seiner Kernkompetenz, mit der er, wie sich erwies, das Gesamtgedicht regelmäßig im Unterricht bespricht, dass er vor lauter Nicht-wissen-wo-anfangen noch Luft holte, als ich das Gedicht “Das Göttliche” von Johann Wolfgang von Goethe bereits selbst gefunden hatte.

Woraufhin zunächst der gewohnte Ablauf begann: Ich las, kapierte nichts, war unwillig, was das alles bitteschön sollte, begriff passagenweise nicht mal die grammatische Struktur der Sätze. Doch dann las ich von Anfang an nochmal laut, machte ebenfalls laut “Hä? Wer ist jetzt auf einmal ‘Sein’?” – und allein schon das Aussprechen setzte in meinem Lyrik-blockierenden Gehirn Erkenntnisprozesse in Gang. Bis ich Stück für Stück und weiter laut lesend den Eindruck bekam, das Gedicht zu erfassen – wobei der anwesende Deutschlehrer lediglich auf das entsprechende “Hä?” Bemerkungen zur wackligen Religiosität der deutschen Klassik beisteuerte. Das war schön.

Was schon immer eher ging, war zugängliche Kleinkunst-Lyrik, also zum Beispiel Robert Gernhard, Erich Kästner – oder Hanns Dieter Hüsch. Gestern stieß mich @goncourt auf sein Gedicht “Bedenkt”, dass Hüsch hier 1979 vorträgt:

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https://youtu.be/4EWZPQ6VF3A?si=ozUe_rxJkeeTbU4d

(War der mal jung!)

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Wie ich einmal etwas über Penis-Tätowierungen lernte.

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Botaniker Michael Rzanny vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie gehört seit der Gründung zum Team von “Flora Incognita”, der beliebtesten App zur Pflanzenbestimmung im deutschsprachigen Raum. Christian Schwägerl hat ihn für Riffreporter besucht:
“Pflanzenbestimmung per App: Wie genau funktioniert eigentlich Flora Incognita?”

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Am Sonntagabend stolperten wir im Bayerischen Fernsehen in eine ältere Folge von Unter unserem Himmel:
“Erdäpfelsterz und Baunkerl · Einfache Kartoffelspeisen”.

Und blieben wie so oft bei diesen Heimat-Dokus hochinteressiert hängen. Vorgeblich geht es um Kartoffelgerichte in Niederbayern, die sind durchaus interessant und inspirierend. Doch die eigentlich Faszination liegt in dem Miterzählten, in der Kittelschürze, der Hotelübernahme der beiden Töchter, dem gar nicht alten Forstarbeiter, der im Bauwagen wohnt ohne Elektrizität und fließend Wasser, nur Bioprodukte für seinen Kartoffel-Sterz verwendet (und so tief Dialekt spricht, dass ich ihn gerademal so verstand, aber begeistert viele Aussprachen wiederholte, zum Beisiel “Ähpfl” für Erdäpfel). Eine sanfte Doku, in der die Filmenden sichtbar sind (so mag ich das), die dennoch in erster Linie ihren sehr unterschiedlichen Protagonist*innen Raum gibt. Ich hätte sie älter geschätzt als Erstsendung 2021, aber – hier bitte selbst einen Scherz über die Vorgestrigkeit Niederbayerns einfügen.

die Kaltmamsell

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