Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern

Montag, 29. Juni 2026 um 6:16

Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.

Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.

Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.

Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.

An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.

Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.

In Thalkirchen ging’s hoch.

In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.

Streetart in Giesing

Unterm Nockherberg

An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.

Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.

Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?

Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.

Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.

Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.

Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.

Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.

Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.

Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem bei das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.

§

Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.

Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder eine Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)

die Kaltmamsell

Comments are closed.