Journal Dienstag, 21. Juli 2026 – Sommerkühle

Mittwoch, 22. Juli 2026 um 5:35

Ich merke seit einigen Tagen, dass ich mich bereits vom Sommer verabschiede, dass ich die derzeitigen zapfigen Nacht- und Morgentemperaturen als sein Ende zu sehen bereit bin – dabei liegt noch der ganze oft Hitze-satte Sommerfreienmonat August vor uns! Ich erkläre mir das mit der verfrühten ersten Sommerhitze und der Brutalhitzephase, die bereits einige Wochen in der Vergangenheit liegt.

Gestern war es auf dem sonnigen Arbeitsweg nur knapp zweistellige Grad frisch; ich hatte dennoch die Jacke daheim gelassen, damit sie nicht auf dem Heimweg Platz in der Tasche wegnahm.

Beim Verlassen des Hauses begegnete ich den Herren von der Müllabfuhr, die nur unter großer Anstrengung die Tonnen an der Baustelle beim Haus vorbeiwuchteten. Neben Gruß äußerte ich bedauernd diese Beobachtung und bekam erklärt, dass sie das aber nur heute ausnahmsweise täten: Sei die Baustelle nächste Woche nicht beseitigt, müssten die Tonnen für Leerung an die Straße gestellt werden. Ich hoffe, dass auch die Hausverwaltung diese Information erhält.

Am Schreibtisch warteten bereits neue Aufgaben auf mich, ich packte an.

Mittags raus ins Westend, vielleicht hätte ich doch eine Jacke mitnehmen sollen, brrr. An der eigentlich angesteuerten Cappuccino-Quelle stand eine mehrere Meter lange Schlange, ich bog ab zu einer anderen.

Mittagessen: Nektarinen, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Arbeitsnachmittag unter anderem mit Datenbankdingen. Auf dem Heimweg war es nun in der Sonne warm genug geworden. Zwischenstopp für Süßigkeiteneinkauf.

Der Zugang zum Wohnhaus noch weiter verbaustellt, eigentlich wüsste ich gerne Hintergründe.

Nach Wegessen des Ernteanteils hatte ich mich fürs Abendessen zuständig gemacht: Um eines der letzten beiden Gläser Zwetschgenröster aufzubrauchen, bevor die nächste Ernte kommt, gab es Kaiserschmarrn. Gutes Abendessen. Dann noch ein wenig Süßigkeit.

Im Bett Zadie Smiths On Beauty ausgelesen: Fand den Roman immer noch gut und handwerklich hervorragend gemacht, wurde wieder sehr an David Lodges Universitätsromane erinnert, doch diesmal fand ich das Buch mit seinen menschlichen Katastrophen auch sehr traurig.

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Warum Erklärungen von sterotypem Männer- und Frauenverhalten mit angeblichen Steinzeitmustern ein Scheiß sind, mal wieder.
“DNA des ‘Schamanen’ von Stonehenge lieferte eine Überraschung”.

Zweihundert Jahre lang trug der “Schamane von Upton Lovell” einen Bart. So zumindest zeigte ihn die Vitrine des Wiltshire Museum im südenglischen Devizes, nämlich als einen kräftigen, über glühendes Metall gebeugten Mann, eine Streitaxt griffbereit. Die Untersuchung von alter DNA zwingt die Wissenschaft nun aber dazu, die Figur neu zu zeichnen: Die Person, die vor rund 4000 Jahren unter einem Grabhügel in der Nähe von Stonehenge lag, war in Wahrheit eine Frau.

(Nur zur Erinnerung: Bei prähistorischen Jäger- und Sammlervölkern finden sich dieselben Abnutzungen durch körperliche Anstrengung an männlichen wie weiblichen Knochen; es gab sehr wahrscheinlich keine Arbeitsteilung nach Geschlechtszugehörigkeit.)

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Natürlich eine persönliche Einzelsicht, aber eine kundige und amüsante: Andreas Moser erklärt in seinem Blog den aktuellen Premierministerwechel in Großbritannien.
“Das politische System des Vereinigten Königreichs – und ein Mülleimer”.

Aber wie kommt das eigentlich, dass mitten in der Legislaturperiode ein neuer Premierminister in das Reihenhaus in Downing Street 10 einzieht? In Großbritannien sind die Regeln klar: Was älter ist, hat mehr Bedeutung. Das Parlament gibt es schon seit 1265, das Amt des Premierministers aber erst seit 1721. (Bis dahin war das Parlament eher das Gegengewicht zum Monarchen.) Also spielt der Premierminister gegenüber dem Parlament nur die zweite Geige.

Wenn nun also die Abgeordneten der Regierungsfraktion innerhalb der laufenden Legislaturperiode finden, dass der Premierminister irgendwas falsch gemacht hat oder – wie im Fall von Keir Starmer – einfach ein bisschen langweilig wirkt, dann schreiben sie ihm einen höflichen Brief (diesmal auf Englisch, nicht auf Normannisch) und teilen ihm mit, dass seine Zeit abgelaufen sei. Ein paar Tage gibt es ein Hauen und Stechen hinter den Kulissen, und dann steht der neue Premierminister fest. Beziehungsweise der Vorschlag für den Premierminister, denn ernennen kann ihn nur der König. Der König wiederum wurde von Gott eingesetzt, weshalb er kein Katholik sein darf. Aber das ist ein anderes Thema.

Diesmal einigten sich die Labour-Abgeordneten schnell auf Andy Burnham.

Das Problem: Andy Burnham war zu jenem Zeitpunkt kein Abgeordneter, sondern Bürgermeister von Manchester.

Ist egal, könnte man meinen, dann tritt er halt als Bürgermeister zurück, die Abgeordneten wählen ihn zum neuen Parteivorsitzenden, und der König ernennt ihn.

Das Problem: Die Tradition verlangt, dass nur Premierminister werden kann, wer ein Abgeordnetenmandat hat. Wohlgemerkt, das ist kein gesetzliches Erfordernis. Aber weil es schon immer so praktiziert wurde, glauben alle ganz fest daran und halten es für ausgeschlossen, dass sich das jemals ändern könnte. Als Jurist haben mich diese verfassungsrechtlichen Diskussionen im Vereinigten Königreich immer zur Weißglut gebracht, weil ich das strukturierte Argumentieren mit Artikeln und Paragrafen gewohnt bin. Aber auf der Insel ist man bei solchen Debatten schnell bei König Edward II., beim Frieden von Utrecht oder beim Prozess gegen Guy Fawkes.

In jeder anderen Demokratie der Welt würde man sagen: Das ist eine dämliche Regel, die ändern wir jetzt.

Nicht so in Großbritannien! Hier wurde das Problem so gelöst, dass sich ein Labour-Abgeordneter geopfert hat. Der ehrenwerte Abgeordnete aus Makerfield erklärte seinen Rücktritt (eigentlich ist es viel komplizierter, aber dazu später mehr), so dass eine Nachwahl notwendig wurde. Und da konnte Andy Burnham antreten und im Juni 2026 gewinnen.

Besonders gefällt mir Mosers Seitenbemerkung:

Wie gesagt: Man könnte das alles mit einer einzigen Gesetzesänderung abschaffen. Einfach den Abgeordneten das Recht zum Rücktritt einräumen. – Stattdessen habe ich mir in Großbritannien jeden Tag anhören müssen, wie undurchsichtig und kompliziert die Gesetzgebung in der EU sei.

die Kaltmamsell

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