Journal Freitag, 7. August 2026 – Brighton 7 mit zweimal Undercliff Walk
Samstag, 8. August 2026 um 10:38Ich mache hier völlig neue Wettererfahrungen. Die 17 Grad am Morgen waren bei aller Sonnigkeit durchs offene Fenster sehr frisch, bei angekündigten 22 Grad Tagesspitze sah ich keinen Anlass, meine Laufrunde vorzuziehen. (Nur vorübergehende Frische in Südengland, ab Samstag sind auch hier steigende Tageshöchstwerte abgekündigt.)
Doch als ich dann auf der Strandpromenade lostrabte, prügelte die Sonne ausgesprochen unangenehm auf mich ein (Sie erinnern sich: kein Schatten, überhaupt keiner), da half auch die fehlende Hitze nicht. Ich sah bereits ein eisernes Duchhalten statt Laufvergnügen auf mich zukommen. Doch als ich wie geplant nach 45 Minuten umdrehte, lief ich überraschenderweise gegen wunderbaren frischen Wind, der auch noch geradezu gesund nach Seeluft roch – jetzt hatte ich wirklich Spaß.
An der Seafront gibt es ein paar Ecken, die fürs Sporttreiben ausgelegt sind, ich hatte dort bereits Yogis in Aktion gesehen. Diesmal brachte meine Wahrnehmung aus den Augenwinkeln mich zum Umdrehen: Ich wollte wissen, was das war.
Vergessen Sie Rückbildungsgymnastik, hier gibt‘s “Press Ups + Prams”! Am Strand!
Auf dem Rückweg hoch zur Ferienwohnung erledigte ich noch die nötigsten Lebensmitteleinkäufe. Plan des Tages war ein Spaziergang mit Herrn Kaltmamsell den Undercliff Walk entlang; ich hatte nichts gegen ein zweites Mal, Spazier-Tempo bewirkt erfahrungsgemäß ganz andere Eindrücke als Jogging-Tempo, außerdem hoffte ich auf bis dahin etwas gestiegene Flut.
Bis dahin pressierte es uns überhaupt nicht. Herr Kaltmamsell hatte bereits die Maschine Wäsche versorgt, die ich morgens eingeschaltet hatte, jetzt lasen wir so vor uns hin. Gegen halb zwei hatte ich endlich Frühstücks-Appetit, es gab eine Tomate sowie Skyr und Joghurt mit Trauben.
Mit Herrn Kaltmamsell suchte ich neue Wege hinunter ans Meer.
Das Royal Albion, durch einen Brand im Juli 2023 fast zerstört, steht immer noch vor einer unklaren Zukunft.
Die Sea Lanes sahen mich schon sehr verlockend an, ich hoffe auf eine nochmalige Gelegenheit zur Beschwimmung.
Wir spazierten also einen Teil des kürzlich eröffneten King Charles III England Coast Path, hier wohl nicht das malerischste Stück.
Das wurde ein sehr schöner Spaziergang: Sonne nicht schlimm, frischer Wind, der vor allem durch und durch nach salziger Meeresbrise roch.
Abschließendes Einkehren im Pub in Rottingdean:
Ein Pint Best Bitter für Herrn Kaltmamsell, ich hatte nach Langem mal wieder Lust auf Cider. Und er schmeckte mir ganz besonders gut. Blöderweise machte er auch betrunken: Nach dem ersten Drittel des Glases war ich sicher, dass ich ein weiteres Pint davon wollte, nach dem ganzen Glas war ich mir nicht sicher, ob ich noch geradeaus laufen konnte. Nebenwirkung des Pints Bitter bei Herrn Kaltmamsell: Er wollte JETZT fish’n chips.
Praktischerweise war der Chippy gegenüber vom Pub geöffnet, man frittierte ganz frisch für ihn. Damit setzten wir uns mit Meerblick in die Sonne; mein Job war es, Herrn Kaltmamsell beim Essen die diebischen Möwen vom Leib zu halten. Was ich mit Untertützung begeisterter Kinder erfolgreich erledigte.
Zurück nach Brighton ließen wir uns von einem Bus fahren.
Meer, dass sich in Busfenster vor Stoppelfeld spiegelt.
Abendessen in der Ferienwohnung: Herr Kaltmamsell erwärmte einen gekaufte Pie mit Wildfleisch-Bier-Füllung, den wir uns teilten, ich aß noch reichlich Käse, rote Paprika, Brot, Trauben. Nachtisch wieder gemeinsam:
Trifle aus dem Supermarkt, gut! Und Süßigkeiten.
Fernsehbildung gestern: Herr Kaltmamsell blieb bei BBC2 an “Gardeners World” hängen (das kam unerwartet). Aber ich lernte eine Menge an dieser Folge,1 zum Beispiel, dass Blumenerde englisch “compost” heißt. Und dann kam eine Doku über die Schrebergarten-Siedlung (allotment community) in Birmingham von Einwanderern aus Punjab (die junge Nachkommin erklärte, dass sich hier besonders viele Sikh von dort angesiedelt hätten, weil es Arbeit in den Gießereien gab): Es wurde vorgestellt, dass sie dort Gemüse und Kräuter aus ihrer Heimat anbauen (sofern mit dem englischen Klima kompatibel) und wie sich die Community organisiert.
- Für nicht UK-Steuerzahlende wahrscheinlich gesperrt. [↩]


















