Journal Donnerstag, 13. August 2026 – Ganztägige Heimreise
Freitag, 14. August 2026 um 8:32Abschied von Brighton im Morgengold.
Um 6:39 Uhr ging unser Pendlerzug (= teuerster Tarif, fast 64 Pfund einfach für zwei Personen) nach London St. Pancras International. Wir waren beide müde, der sehr lange Zug füllt sich schnell.
Erste Male: Ein junger Prediger beschallte die vielen Pendler*innen einige Minuten lang, wurde von allen ignoriert. (Nix Besonderes, die üblichen Floskeln mit Jesus Christus und “ich habe selbst!”. Ich hoffe, er kriegt von seinem Gott trotzdem Punkte dafür.) Ich legte mir gegen seine schmerzhaft laute Stimme irgendwann sanfte Musik auf die Ohren.
In London St Pancras wimmelte der Eurostar-Bereich hinterm Check-in vor Reisenden und Gepäck, Bewunderung für das Personal hinter der kleinen Pret-a-Manger-Theke, das alle Kaffee-Suchenden versorgte – energisch und konzentriert, hinter ihrem scheinbaren Durcheinander steckt offensichtlich System.
Die Fahrt unterm Channel durch nutzte ich für Bloggen, Bildbearbeitung, mühsames Hochladen über die löchrige Internetverbindung (passt schon – dass es 100 Meter unterm Meeresspiegel überhaupt eine gab, war das große Wunder). Pünktliche Ankunft in Paris, im Ankunftsbahnhof Gare du nord 12:49 Uhr Ortszeit. Jetzt mussten wir zweieinhalb Stunden bis zur Weiterfahrt überbrücken, das taten wir mit einer Runde in diesem Bahnhof und einem weiteren Kaffee.
Zehn Minuten zu Fuß zu Gare de l’Est – in unbarmherzig prügelnder Sonne, ein Apothekenthermometer zeigte 37 Grad im Schatten an, willkommen zurück in Kontinental-Europa.
Auch diesen Bahnhofs spazierten wir ab und fanden heraus, dass im gemauerten Gebäude spürbare Grade weniger herrschten als in der Glas-überdachten Bahnhofshalle. Jetzt hatte ich richtig Hunger, kaufte dagegen ein Camembert-Baguette und ein Pain au chocolat – das ganz hervorragend war: Ich freute mich sehr, dass Verfügbarkeit und mein Appetit endlich mal aufeinander trafen.
Paris Gare de l’Est.
Super: Im Bahnhof gab es einen Trinkwasserbrunnen. Ich schlage hiermit vor: EU-weite Trinkwasserbrunnenpflicht einführen, mindestens in öffentlichen Gebäuden (z.B. Bahnhöfen) und ab einer zu ermittelnden Menschendichte (z.B. in Innenstädten, bei Veranstaltungen).
Aber Nerven-beschädigend: Da stand eines dieser öffentlichen Klaviere, keine 10 Meter von unserem (einem der wenigen) Sitzplatz entfernt, und es wurde durchgehend bespielt – durchaus professionell, aber in der Halligkeit der Halle schepperte und dröhnte es, vor allem die zu Marmelade gerührten Töne der linken Hand. Anderthalb Stunden konnte ich das lesend verdrängen, dann musste ich sehr plötzlich weg von diesem Lärm.
(Womit ich mal wieder die miesmachende Ausnahme war: Viele Reisende sammelten sich extra an diesem Klavier um zuzuhören, nach jedem Stück gab es deutlichen Applaus.)
Endlich erschien der Abfahrts-Bahnsteig unseres ICEs auf der Anzeige, wir konnten ins wunderbar Kühle. Abfahrt pünktlich, Verspätungen unterwegs allerdings bereits angekündigt (Baustelle).
Steigende Verspätung auf der Fahrt mit Umsteigen in Mannheim – schwerwiegender aber die Verspätung des Anschlusszuges von Mannheim nach München. Ich war mir nicht sicher, ob damit die die Zugbindung unseres Sparpreises aufgehoben war (galt das Teilstück als nationale Reise – erwartbare Verspätung am Zielort von mindestens 20 Minuten – oder das Gesamtticket als internationale Reise – erwartbare Verspätung am Zielort von mindestens 60 Minuten?), doch vor allem wollten wir nicht erst um halb elf in München sein.
Also nahmen wir einen anderen Zug, der uns laut aktueller Anzeige um 21:40 Uhr nach München bringen sollte. Notfalls zahlten wir halt nochmal. Der Bahnhsteig in Mannheim verdrosch uns bei den 15 Minuten Warten mit der aktuellen Hitzewelle, ich hatte sie überhaupt nicht vermisst.
Bei der Fahrkartenkontrolle erklärte ich entschuldigend die Lage, doch Frau Zugchefin ließ mich gar nicht ganz ausreden: “Des baschd.” Und wollte dann nur noch unsere Bahncards sehen.
Ich bekam Hunger, vorausschauend hatte ich dagegen eine restliche Packung gemischte geröstete Nüssen eingesteckt; die aß ich jetzt. Zu Lesen hatte ich immer noch genug dabei, aber nach mehr als 14 Stunden Fahrt erlahmte dann doch meine Konzentrationsfähigkeit.
So viel früher wurde unsere Ankunft nicht, auch dieser ICE sammelte immer mehr Verspätung. Ankunft in München kurz nach zehn.
Die Draußenluft hatte bereits angenehm abgekühlt, doch beim Öffnen unserer Wohnungstür schlug uns Wärme entgegen: Hier hatte es 27 Grad. Also riss ich erstmal alle Fenster auf, sogar die ganz großen, die sonst nie geöffnet werden.
Später ins Bett als geplant, weil ich dann doch alles auspackte – allerdings nicht aus Räum-Bedürfnis, sondern weil mir irgendwann auf dem letzten Abschnitt der Rückfahrt auffiel, dass ich keine Ahnung hatte, wo mein Hausschlüssel war (im Bund mit Briefkasten-, Fahrradkeller-, Fahrrad- und Kellerschlossschlüssel). Ich erinnerte mich vage, dass ich ihn beim Auspacken in der Ferienwohnung wie üblich an einem sicheren Platz in meinen Sachen verstaut hatte, doch nicht mehr an den Platz. Also nahm ich jetzt beim Auspacken alles sorgfältig auseinander – anders als eine Wohnung (das Haus verliert nix) ist Gepäck ja übersichtlich. Doch zu meiner Bestürzung fand ich den Schlüsselbund nicht. Ich ging im Kopf bereits die bürokratischen Schritte eines Ersatzes durch, checkte das Krams-Körbchen neben der Wohnungstür auf den Ersatz-Fahrradschlüssel – und neben diesem Körbchen lag er dann, mein Schlüsselbund, an genau dem Platz, an dem ich ihn immer beim Heimkommen ablege. Offensichtlich hatte ich ihn gar nicht erst mitgenommen, erinnerte mich jetzt ebenso vage wie beim vorherigen Szenario an einen Entschluss in letzter Minute beim Verlassen des Hauses zum Bahnhof.
Große Erleichterung, aber die Aufregung wollte sich erstmal nicht legen.
§
im SZ-Magazin ein hochinteressantes und ausführliches Gespräch von Johanna Adorján mit der Ausnahme-Musikerin Anne-Sophie Mutter, vor allem über ihre Begabung und wie die ihr Leben geformt hat (€):
“Haben Sie das absolute Gehör? – Natürlich”.
Mutter kommt in diesem Interview in all ihrer Ungewöhlichkeit überraschend bodenständig rüber – reflektiert und im Frieden damit, dass sie halt sehr anders ist, dass sie eins ist mit ihrer Kunst.
Sind Sie wegen der Steuerersparnis nach Monaco gezogen?
Ja. Um die erste Stradivari finanzieren zu können. Fünf Jahre war Monte Carlo mein Hauptwohnsitz. Dann bin ich brav wieder zurück nach Deutschland gezogen, wegen meines Mannes.
(…)
Wenn Sie heute Aufnahmen hören von sich als…
Tu ich nicht. Wozu? Nee, keine Zeit.
Und ich schätze Interviewerin Johanna Adorján auch für Fragen, deren Antworten sie manchmal nicht gut aussehen lassen.
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Oha – auf der Bahnstrecke, die uns am Montag nach Hastings gebracht hatte, ist gestern Nachmittag ein Zug entgleist (wir haben echt ehrlich nix kaputt gemacht!):
“Passagierzug im Südosten Englands entgleist”.






