Journal Mittwoch, 12. August 2026 – Brighton 12 mit Schwumm in den Sea Lanes, Brighton Museum und Köstlichkeiten im Flint House
Donnerstag, 13. August 2026 um 12:05Ich lerne: Über einen längeren Zeitraum funktioniert der Automatismus Ich-in-Brighton -> Wohlbefinden, der ja prä-Brexit bis zu Luftschlössern in Form von Altersruhesitz hier geführt hatte, nicht. Auch hier holt mich irgendwann die Grund-Trübe ein (so lange war ich noch nie am Stück in Brighton); ich hoffe, dass ich den Automatismus damit nicht ganz kaputt gemacht habe.
So wachte ich unruhig und belastet auf. Draußen Elster-Geschrei, das sich sogar vor das der Möwen schob. Ein sehr frischer Morgen, Bloggen erstmal in Jacke (auch wenn für gestern bis zu 29 Grad angekündigt waren).
Wichtigstes Vorhaben des Tages: nochmal Schwimmen in den Sea Lanes. Der Pool öffnet sogar schon um 6 Uhr – ach, das wäre für heimische Lerchenschwümme toll. Doch gestern brach ich nach gemütlichem Morgen erst kurz vor zehn auf, freute mich bereits, dass ich diesen Plan wirklich echt ehrlich umsetzte.
Beim Eintrittskauf fragte mich die Angestellte, ob ich schon mal dagewesen sei und sucht dann in ihrem Computersystem nach meinem Namen (dass ich den als Nicht-Mitglied hatte hinterlegen müssen, wusste ich gar nicht mehr). Scherzhaftes Geplänkel, sie fragte sogar straight faced, ob ich Studentin sei.
Ab ins Wasser – ich merkte sofort, dass es wärmer war als im Oktober, sich für meine Verhältnisse lediglich kühl anfühlte. Sofort sprangen meine Streckenpläne nach oben. Die ersten tausend Meter waren ein absoluter Traum (wenig los auf der “Medium Lane”), auf den zweiten stieg das Frösteln, und dann schaffte ich doch nur noch weitere 500 Meter, selbst das bei immer heftigerem Frieren mit Zähnezusammenbeißen. Insgesamt aber eine große Freude, ich war den ganzen Tag davon beseelt.
Total beseeltes Nachher-Gesicht.
Was mir auffiel: Sea Lanes bietet “Visually Impaired Swim Sessions” an, also eine Stunde am Samstag speziell für Sehbehinderte, inklusive Betreuung und Shuttle Service vom zentralen Bushalt in Brighton – ein wunderbares Beispiel für die kulturellen Unterschiede beim Thema Behinderung/Inklusion zwischen UK und Deutschland. In Deutschland erlebe ich seit Jahrzehnten und bis heute bei jedem betroffenen Projekt, wie im besten Fall mit viel Augenrollen und Seufzen die wirklich unumgänglichen Vorschriften eingehalten werden – und fast mehr Energie in die Suche nach Schlupflöchern gesteckt wird. In UK wird traditionell und kulturell tief verwurzelt wirklich gewollt. (Siehe auch Reiz-arme Kinovorstellungen.) Wie jemand so treffend auf Mastodon erwähnte: In Großbritannien scheinen nicht mal die rechtsextremen Kräfte die aktive gesellschaftliche Integration von Behinderten zu hinterfragen.
Ich stellte mir kurz solch ein Angebot für Sehbehinderte im Münchner Dantebad vor. Das wäre derart noch nie dagewesen, dass man vermutlich eine riesige Kommunikationskampagne drumrum bauen müsste, damit es überhaupt geglaubt wird, ganz abgesehen von angenommen.
Wuschig im Hirn war ich auch ohne echten Kälteschock beim Schwimmen auf meinem halbstündigen Rückweg. Ich genoss die wärmende Sonne und ging ein paar Extraschleifen über Straßen, die ich noch nicht kannte.
Nochmal blauen Himmel über Madeira Terrace eingefangen.
Nochmal Royal Pavillon festgehalten.
In der Ferienwohnung Abstimmung mit Herr Kaltmamsell übers weitere Tagesprogramm (u.a. stellten wir fest, dass die Sonnenfinsternis am Abend uns nicht recht interessierte – wir haben beide die von 1999 sehr intensiv erlebt, die von 2013 war uns ebenfalls noch lebhaft in Erinnerung, allerdings vor allem das Licht, weniger die sich verdeckende Quelle). Ergebnis war eine Abendessen-Reservierung im Restaurant Flint House, in dem wir vor drei Jahren gut gegessen hatten, also frühstückte ich um halb zwei nur eine Mango mit Joghurt.
Für ein paar letzte Besorgungen gingen wir raus, und wo wir schonmal draußen waren zum Royal Pavillon. Rein gingen wir aber ins Brighton Museum & Art Gallery: Im Gegensatz zum Pavillon hatten wir uns darin noch nie umgesehen.
Die aktuelle Ausstellung “Passion Power & Protest” behandelte unter anderem genau die Fragen, die ich im British Museum vermisst hatte: Wer hat die Macht zu bestimmen, was in Museen als was gezeigt wird – und wie ist es dazu gekommen? Das auf sehr begrenzter Fläche und dadurch nur angerissen, mit nur wenigen Beispielen (die in meinen Augen manchmal etwas schräg dazu passten), doch das ist die eigentlich zeitgemäße Perspektive.
Zwei Gemälde mochte ich besonders:
Edwar Alexander Wadsworth, “Light Sections” (1940).
Das andere hing so weit oben, dass ich es nicht fotografieren konnte, hier der Link zu einer schlechten Reproduktion: James Reeve, “Bevis Hillier” (1971).
Andere Bereiche des Museums erzählten die Geschichte Brightons als Fischer- und Badeort, viel Raum wurde der Rolle der Stadt für die LGBTQ-Bewegung gegeben. So fand ich auch die interessanteste Vitrine der Kleidungs-Ausstellung im Obergeschoß die mit dem Thema „Queer Looks“ – viele sehr persönliche Exponate ganz konkreter Menschen.
Ausruhen in der Ferienwohnung, Koffer größtenteils gepackt. Während große Teile Europas und auch Großbritanniens der Sonnenfinsternis engegenfieberten, spazierten wir zum Abendessen im Flint House.
Wir ließen uns zu einem Innentisch im Obergeschoß bringen (dort hätte es auf einer Terrasse auch Außentische gegeben) und bestellten das Chef’s Menu (sharing plates) mit Weinbegleitung – das zu einem besonders köstlichen Abend führte.
Rote-Bete-Carpaccio mit gerösteten Saaten / Gepökelter Kabeljau, Ajo blanco, eingelegte Trauben (großartig) / Focaccia mit Trüffelbutter – dazu ein zitroniger Aperitif mit Kokosnote.
Zuckermais-Fritters mit Jalapeño-Ajoli, Schinken-Käse-Kroquetten mit Estragon-Majo – dazu ein ungarischer Rosé Souska.
Rechts gebratene Makrele mit Meerrettich-Crème-fraiche, eingelegter Gurke und Apfel (super), links gegrillte Salatherzen (toller Grillgeschmack) mit Cesar-Dressing und Röstzwiebeln, Wein dazu ein spanischer Verdejo aus La Mancha.
Gebackene Aubergine mit Tahini, Granatapfel, Ricotta Salata, Buchweizen (dem Teller hätte etwas Säure gut getan – vielleicht ein anderer Käse?), Lammschulter mit Erbsen-Minz-Puree (großartig), zwei Stücke frittieter Kartoffel-Gratin, dazu ein Montepulciano d’Abruzzo.
Auf den Süßwein zum Nachtisch verzichteten wir: Zwei Würfel Schokoladen-Haselnuss-Fudge, zudem gegrillte Pfirsiche mit Mascarpone, Honig, frischem Thymian (sehr schöne Kombi).
Währenddessen war das Licht draußen eine Weile sehr komisch geworden, wie ich es von Sonnenfinsternissen erinnerte. Heim spazierten wir aber in ganze normaler Abenddämmerung und warmer Luft (die an den Abenden vorher um diese Zeit bereits deutlich abgekühlter gewesen war).
Vor Schlafengehen noch ein wenig weiter gepackt. Wecker auf 05:20 Uhr.





















