Journal Sonntag, 23. August 2026 – Rückreise vom Westerwald / Amal El-Mohtar, Max Gladstone, This Is How You Lose the Time War

Montag, 24. August 2026 um 5:57

Auf dem sehr komfortablen Gästebett der Freunde im Westerwald nicht so lange geschlafen, wie ich hätte können. Dafür mit viel Zeit für Morgentoilette und Vorbereitung des Blogposts.

Überraschender Nebelblick, laut Gastgebern der erste solche der Saison.

Wir hatten noch Frühstückszeit, gekamen mehr vom spannenden Haus gezeigt und aus seiner Geschichte erzählt. Es gehört sogar ein Poolhaus dazu! (Ich kenne Leute mit Poolhaus.) (Auch wenn ich ihnen die Bezeichnung erst beibringen musste.)

Zeit für Abschied, wir wurden zum Bahnhof Au (Sieg) chauffiert.

Mit Legende-tauglicher Gleisnummerierung. Abschied mit vielen Umarmungen und mit vollem Herzen.

Unsere Rückfahrt enthielt einen zusätzlichen Umstieg – zusätzliches Risiko, doch wir waren beide gelassen, hatten gestern eh nichts mehr vor und genug Beschäftigung bei uns.

Der Abschnitt Siegburg-Frankfurt wurde spannend: Würde die Verspätung den Anschlusszug noch erreichbar machen? Auch wenn die App der Meinung war: nein, und auch wenn die Zugbindung bereits aufgehoben war, befolgten wir eine der erprobten Regeln des Bahn-Fernverkehrs: Es immer drauf ankommen lassen und ans Anschlussgleis eilen. Voilà! Der ICE nach München stand noch da.

Die Sitze dicht gepackt, wir mussten leider zwei bereits sehr eingerichtete Menschen von unseren reservierten Plätzen bitten (alles in aller Freundlichkeit allerseits). Mittagscappucino bekam ich aber nicht, der Speisewagen war zurückgeworfen auf nur Filterkaffee (auffallenderweise lud auch niemand per Durchsage dorthin ein, kein “sie gerne erwartet”).

Zur Brotzeit um eins hatte ich mir vom Frühstückstisch eine Schinkensemmel mitgebracht und eine Birne, genoss beides (immer noch mit kleinen Bissen und eher vorsichtigem Kauen auf der Seite ohne Loch von rausgerissenem Backenzahn).

München empfing uns mit Sonne und milder Luft, nach einer Runde Räumen und einem halben Stündchen Siesta setzte ich mich zum Lesen auf den Balkon.

Eine Folge Yoga, zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Erntanteil-Mangold zu einem Nudelgericht mit Linsen.

Sehr gut! Dazu Ernteanteil-Tomaten mit Basilikum, Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone ausgelesen. Startet mit einem Wirbelwind an indirektem Erzählen, aus dem der Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher Gemeinschaften an Zeitreisenden hervorgeht, die die Zeitläufte im Sinne ihrer sehr unterschiedlichen Interessen beeinflussen. Eine Kriegerin (“agent”) nimmt aus einem Impuls heraus den Kontakt mit ihrem Gegenpart der anderen auf; es entsteht ein Austausch, dessen Medienformen allein schon super-kreativ abgefahren sind, innerweltlich aber herrlich stringent. Die Handlung wird sehr spannend, ist jedoch so dicht erzählt, dass ich mein Lesetempo immer wieder bremsen musste, weil meist jeder Satz zählt, Passagen-weise jedes Wort. Ein echter Ritt, der sich für mich sehr lohnte – ich hatte dringend mal wieder nicht-realistisches Erzählen gebraucht.

§

Ein Nachruf – nicht nur auf eine liebe Nachbarin, sondern auch auf eine ländliche oberbayerische Ära.
“Briefe an die nahe Ferne ( 27 )
Die Schmiedrosi ist heimgegangen.”

Sie konnte unglaublich gut mähen, sehr ruhig und gleichmäßig, Schnitt für Schnitt und ich seh sie noch, wie sie früher bei uns vorbeigegangen ist, mit dem Häuerl (übersetzt: sowas ähnliches wie eine Harke) über der Schulter, hinaus aufs Feld, da hatte sie am unteren Ende des Kartoffelackers einen Krautgarten. Weißkraut, Blaukraut, Ranner(Rote Beete) waren angebaut und mußten behäuerlt werden.

(Aufschreiben, alles aufschreiben!)

die Kaltmamsell

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