Journal Mittwoch, 9. September 2026 – Schwimm-Beseeltheit
Donnerstag, 10. September 2026 um 6:22Früher Wecker, denn ich wünschte mir sehr eine Schwimmrunde vor der Arbeit.
Von draußen wehte es mild herein, doch die Straßen sprachen vom nächtlichen Regen, der sich auch über den Tag fortsetzen sollte.
Zeitunglesen in der U-Bahn zum Westfriedhof, trocken angekommen an der übersichtlichen Schlange zum Eingang des Dantebads.
Es wurde ein sehr schöner Schwumm zwischen sehr wenigen anderen Menschen (entscheidender Enspanntheitsfaktor), der Himmel überm Becken war meist bewölkt, mal blinzelte kurz die Morgensonne hervor, mal spürte ich ein paar Regentropfen. Trotz Pinkel-Unterbrechung (der Morgenkaffee) schwamm ich Rekordzeit – diesmal war ich so sicher wie selten, dass ich mich nicht nur verzählt hatte.
In der Dusche schrubbte ich mich ab, in der Sammel-Umkleide kam besonders reichhaltige Körpercreme drauf – zwischen Blitz-Umzieherinnen, ich war wirklich beeindruckt von ihrem Tempo. Über Zackigkeit hinaus pressierte es mir aber nicht, dennoch schaffte ich Einstempeln deutlich vor Kernzeit – wieder hielt die Schwimm-Beseeltheit lange an. Mal sehen, ob ich mir das nicht auch während der deutlich teureren Winter-Saison (10,50 Euro Eintritt) im Dantebad hin und wieder gönne.
Arbeitsreicher Vormittag, dazu gehöre auch ein Räum-Job, der mir emotional dann doch näher ging, als ich vorhergesehen hatte.
Draußen regnete es seit einiger Zeit ernsthaft, doch ich merkte, dass ich zur Beruhigung dringend die Bewegung in frischer Luft brauchte und drehte unterm Schirm eine Runde um die Blöcke – auch ohne Mittagscappuccino.
Zu Mittag gab es dann Birne, Feigen, Zwetschgen, außerdem das restliche Glas Zwetschgenröster mit griechischem Joghurt.
Mit Herrn Kaltmamsell Urlaub in den Allerheiligenferien vereinbart: Traunmhafte Unterkunft, ausgezeichnete Restaurants, interessante Museen, reizvolle Ausflugsmöglichkeiten – daheim in München. (Ich hatte gemerkt, dass Verreisen mich eher anstrengen würde.)
Ruhigerer Arbeitsnachmittag, draußen regnerisch. Und kalt! Wie ich feststellte, als ich nach Feierabend ohne Jacke vors Bürohaus trat.
Herr Kaltmamsell war aushäusig, hatte mir das Abendessen aber schon etwas vorbereitet: Aus Ernteanteil war noch Hokaido-Kürbis übrig. Entkernt war er schon, ich schnitt ihn in Schnitze für den Ofen. Meine Planung ging allerdings nicht ganz auf: Ich hatte die Garzeit so lang gesehen wie eine Folge Yoga, wurde dann von einer anstrengenden, aber sehr kurzen Einheit überrascht, die nicht mal eine Viertelstunde dauerte. Also noch ein wenig Häuslichkeiten, bis ich zu Abend essen konnte – diesen ersten Kürbis der Saison schlicht mit Butter. Nachtisch reichlich Schokolade.
Im Bett Lukas Rietzschel, Sanditz ausgelesen. Gutes Buch, ich werde noch berichten.
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Jasmin Fleißgarten, eine junge Stadträtin in Erlangen, nennt sexualisierte Online-Belästigungen öffentlich beim Namen – auch wenn das erwartbare “war doch gar nicht so gemeint” zurückkommt. Können sich so viele Männer wirklich nicht vorstellen, wie es ist, in so einem Dauerfeuer der Reduzierung auf Äußerlichkeiten und sexuelle Anziehungskraft zu leben? (€)
“Junge Stadträtin über virtuelle Belästigung
‘Liebe Männer Ü40, bitte lasst mich in Ruhe'”.
Ihr Account heißt „jasminimstadtrat“, es geht um politische Themen, Sie posten unter anderem eine Art Tagebuch aus dem Stadtrat.
Und auf diesem Account fragt einer an, wann man gemeinsam – Zitat – die „Pille testen“ möchte. Ein anderer reduziert mich auf Äußerlichkeiten: „Hast ein schönes Gesicht“. Ein Dritter möchte mich zu einem gemeinsamen „Wellnesstag“ einladen. Aber auch die Anfragen unterhalb dieser Form von Sexualisierung irritieren mich. Ich empfinde es einfach als komplett unangemessen, jemanden auf einem Account, auf dem diese Person eindeutig politisch agiert, direkt auf einer privaten Ebene anzusprechen. Würde man ein männliches Stadtratsmitglied auf Social Media kontextfrei anfragen: „Hey, lass uns mal Kaffee trinken?“
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“Modern Day Typographer”
Wer’s mog, für den is as Högste!
(Nerd-Matra)
https://youtu.be/0Ck-NPqf2c8?si=jep7TfVm1vPpr-0q
via @giardino
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Viele Foodblogs wurden bald PR-Blogs (und interessierten mich – ! – ab diesem Moment nicht mehr), Food Influencing wurde bezahlte PR – wenn jemand davon leben wollte. So weit, so erwartbar. Im Guardian schildert Stephen Buranyi den Status für UK:
“‘A crisis of authenticity’: the truth about food influencers”.
Daumenregel: Ab dem Moment, in dem jemand ein Restaurant oder auch nur ein Gericht als “das beste” in absoluten Maßstäben bezeichnet (also nicht nach seinem/ihrem persönlichen Geschmack, aus eigener Erfahrung), kann ich dessen/deren Urteil eh nicht mehr ernst nehmen.



