Journal Freitag, 16. Oktober 2026 – Lerchenschwumm, griechischer Wein in Schwabing
Samstag, 17. Oktober 2026 um 8:32Wieder einmal zu oft aufgewacht für eine Nacht, die sich wirklich erholsam anfühlt. Etwas früherer Wecker, weil ich bei angekündigt schönem Wetter vor der Arbeit im Freibad Dantebad schwimmen wollte.
Zeitunglesen in der U-Bahn zum Westfriedhof – zumindeste den Teil, den mich die Anzeigenabteilung lesen ließ. Die schafft es offensichtlich immer noch den Anzeigenkunden einzureden, dass diese Werbung wirkt? (Die Karte lässt sich nie Riss-frei ablösen. Wenn ich sie falte, verdeckt sie nur eine Spalte, abreißen zerstört Text auf zwei Seiten.)
Es wurde ein schöner Schwumm, zwar nicht ganz so enthusiasmierend wie auch schon, dafür komplett Krampf-frei. Auch sonst körperlich durch und durch erfreulich. Der Tag brach merklich später an als vor einer Woche, erst auf den letzten 500 Metern erreichte der Sonnenschein dunkelgolden die Baumkronen.
Zunächst war unter erstem Morgenrosa recht viel los auf meiner Schwimmbahn, nach 45 Minuten beruhigte sich die Lage. Erheiterung bekam ich auch: Jemand hatte einen Schwimmspielzeugladen leer gekauft und war unterwegs mit Mittelschnorchel, großen Handpaddeln UND Schenkelkissen. Na gut, an die Füße hätten noch Flossen gepasst – vielleicht legte sie die später an: Nach Abschluss meiner 3.000 Meter hatte ich rechte Mühe, über den Beckenrand aus dem Wasser zu kommen, weil dieser komplett mit Schwimmspielzeug vollgestellt war, darunter möglicherweise die Flossen der Geräteschwimmerin.
Dann kostet einmal Schwimmen im Dantebad halt 10 Euro, die Summe passt zur Größe des Vergnügens. Meine sportliche Bewegung wird mich dennoch nicht mehr als 60 Euro im Monat kosten (Dantebad-Schwimmen, für Fahrten zum und vom Laufen Deutschlandticket anteilig, Steady-Unterstützung an Gabi Fastner), damit liege ich wahrscheinlich immer noch unter den monatlichen Mitgliedsbeiträgen für Münchner Fitness-Studios. Auf jeden Euro achten kann ich in der Rente immer noch.
Auf dem Rückweg hatte ich so großes U-Bahn-Glück, dass ich für die Arbeit extrafrüh einstempelte. Auch gestern nutzte ich mein Büro zum Handtuchtrocken: Es war niemand da, den ich damit belästigt hätte.
Dafür gab’s reichlich Arbeit, ich las Korrektur und trieb mich in einer Datenbank herum.
Um die Mittagszeit aber RAUS in den schon wieder herrlichen Sonnenschein. Noch brauchte es meine Jeansjacke, doch ich schnaufte begeistert durch.
Die Heimeranstraße wirkte hier geradezu mediterran, sicher nicht wie Mitte Oktober.
Auferstehungskirche
Zu Mittag gab es erstmal Obst: Apfel (gut), Renekloden (nicht gut, weil alt und trocken), Feigen (gut), Trauben (schwarz, klein und mit Kernen – hervorragend). Trauben können also nach mehr als nur süß schmecken. Oder wie Herr Kaltmamsell es formulierte, dem ich die restlichen im Obstkorb daheim empfahl: “Sind so gut, dass sie bestimmt irgendwie heißen.” Tatsächlich stand auf dem Preisschild ein Name, nur hatte ich ihn mir nicht gemerkt. Und dann noch Hüttenkäse.
Emsiger Nachmittag, ich konnte alles Anliegende abschließen.
Weiterhin Freude über die Büroblumen, die ich nach Feierabend heim nahm. Ich legte meinen Heimweg nach Einkäufen im Vollcorner über den Süpermarket Verdi, um nach der köstlichen Traubensorte zu sehen.
Gemeint ist wahrscheinlich Muscat bleu. Wenn Sie die irgendwo sehen (und Trauben mögen): Empfehlung.
Zu Hause nur Auspacken und kurzes Frischmachen, abends hatte ich einen Tisch im griechischen Lokal Elia in Schwabing reserivert: Empfohlen von einer Leserin, weil dort auch Wein wichtig genommen werde.
Mit Herrn Kaltmamsell nahm ich eine Tram hinaus – und wurde bald unruhig, weil sie am Stachus (aka 7. Höllenkreis) im Autoverkehr feststeckte und ich deutliche Verpätung fürchtete. War dann gar nicht so schlimm.
Im Elia wurden wir freundlich empfangen. Wein hatte ich mir vorher bereits ausgesucht, in den Artikeln über die aktuelle Entwicklung des griechischen Weinbaus hatte mich der Xinomavro am meisten interessiert. Den bestellte ich gleich direkt.
Er wurde uns mit vielen Caveats eingeschenkt, der sei wirklich was ganz anderes und unerwartet, ausgesprochen gewöhnungsbedürftig, rufe gern mal heftige Reaktionen hervor. Ich weiß ja nicht, was die Gäste des Lokals sonst so trinken (um uns herum sah ich wenige Weingläser auf den Tischen, eher Longdrinks und Bier): Wir probierten einen angenehmen, eher leichten Rotwein, der eher durch Abwesenheit von typischen mediterranen Rotwein-Aromen wie Holz, Beeren, Tabak, Schokolade auffiel, dafür etwas Kräuter und Blumiges hatte.
Zu Essen bestellte ich Ziegenkäse auf Rote Bete zur Vorspeise (gut), Lammschulter als Hauptspeise – die tatsächlich nur mit Sauce serviert wurde, ich hätte die Nachfrage des Kellners nach Beilagen ernster nehmen sollen (Brotkorb nachbestellt). Besonders fein gewürzt war der Nachtisch Galaktoboureko – hatte ich schon sehr lang nicht mehr gegessen.
Durch immer noch nicht kalte Luft spazierten wir die Herzogstraße mit viel Außengastronomie lang zurück zur Tram, waren nicht zu spät im Bett.
§
Laut Vox ein Trend in den USA: Bürger*innen sehen ihre kommunalen Behörden als so untätig an, dass sie deren Jobs selber machen – zum Beispiel Zebrastreifen einrichten.
“What if making your neighborhood safer means breaking the rules?”
Across the country, such civic paralysis has compelled a legion of guerrilla urbanists to take their city’s matters into their own hands. In Boston, a group of cyclists used strips of green and white duct tape to build a bike lane at an intersection where a truck struck and killed 36-year-old Louisa Gag in July. In Nashville, Kansas City, and across the Bay Area, volunteers have built and installed their own public benches at bus stops where city officials had slowly removed places to sit, after years spent curating increasingly hostile public spaces.
(…)
“We see the fear of litigation and liability” so thoroughly sabotaging mundane municipal projects that “a crosswalk takes half-a-million dollars in five years to do when it’s really a bucket of paint in an afternoon,” said Anthony Garcia, a Miami-based urban planner who, with his longtime collaborator Mike Lydon, pioneered the study of tactical urbanism, or low-cost, quick-fix interventions often led by ordinary citizens themselves. Both Garcia and Lydon now advise cities nationally on how to integrate the practices of guerrilla urbanists into the ways they govern and pilot their own new policies. “You don’t have to hold a crosswalk to the same standard that you hold a bridge,” Garcia said.
(…)
Advocates tell me that in almost every case they would much prefer to work with their city governments than against them. And sometimes they do: For well over a decade, the local transit advocacy group Reconnect Rochester has partnered with Rochester, New York to lay out boxy, brightly colored “bus stop cubes” at transit corridors around the city. Critically, these boxes were permitted.
Hierzulande verwandelt die Leute ja laut einigen Analysen solcher Unmut in AfD-Wähler*innen. Ich weiß nicht recht, was mir lieber ist.










