Journal Sonntag, 18. Oktober 2026 – Erstes Mal Resi-Abo
Montag, 19. Oktober 2026 um 6:32Guter Nachtschlaf, das war schön. Dennoch stand ich unwillig auf, ich wäre gerne länger in der Selbstabwesenheit des Schlafs geblieben.
An allen Fenstern weiterhin Wespen, die die Scheiben vollkotzen, am schlimmsten an den Küchenfenstern.
Den Berlin-Urlaub nach Jahreswechsel vorläufig fertig gebucht: Unterkunft, An- und Abreise (hin und zurück ohne Umsteigen inkl. Platzreservierung 102,96 Euro für zwei Personen mit BahnCard 25 – wirklich unschlagbar) (PLUS der Spannung, wie und wo die Fahrt dann tatsächlich verlaufen wird!), Vorstellungstickets sind gekauft, Museumsbesuche sondiert und geplant. Bleibt nur noch die Kulinarik: Welche Restaurants sollen uns erfreuen, wo wollen wir uns selbst versorgen.
Wie geplant ging ich nochmal raus auf eine Laufrunde. Diesmal ließ ich mich von einer U-Bahn an die Universität fahren und lief von dort durch den Englischen Garten an die Isar und auf meine übliche Strecke nach Norden. Über allem lag Dunst, anfangs auch feinster Nieselregen, das machte den Lauf klamm und kalt. Doch er bereitete mir dennoch Freude, ich lief nahezu beschwerdefrei und leicht.
Monopteros von unten.
Und von oben.
Nach Biergarten ist vor Christkindlmarkt.
Indian Summer am Föhringer Ring (auch ein schöner Romantitel).
Die Tages- und vor allem Essensplanung war auf den Theaterbesuch am Abend ausgerichtet, erstmals als Resi-Abonnentin hatte ich um 18:30 Uhr König Lear – gleich mal über drei Stunden, ich musste also vorher zu Abend essen. Auf diese Inszenierung war ich wirklich gespannt, zuletzt hatte ich ja 2015 bei König Lear in den Kammerspielen echte Schweine bekommen – die galt es also zu toppen.
Erstmal aber Frühstück kurz nach eins: Letzte Feigen und Trauben mit Käse.
Nachmittag vertändelt und verlesen, dazwischen Häuslichkeiten, unter anderem Wechsel Sommer- gegen die Winterschuhe aus dem Keller.
Zum Nachtmahl zu Pflegeheim-Zeiten um halb sechs servierte Herr Kaltmamsell aus dem Ernteanteil-Blumenkohl Aloo Gobi (sehr gut), mit einem mächtigen Miso Chocolate Cookie stellte ich sicher, dass ich bis Bettgehen keinen Hunger mehr bekommen würde.
Die hohen Absätze machten mich langsam, den Weg zum Residenztheater beschleunigte ich mit einer Station U-Bahn-Fahrt.
Jetzt also Wechsel von den städtischen Kammerspielen ins Bayerische Staatstheater, ganz andere Atmosphäre der Räume, bei diesem Mal ganz anderes Publikum (es wurde viel mehr geschaut – mag an dem viel größeren Foyer gelegen haben, nach Langem senkte ich den Altersdurchschnitt im ausverkauften Zuschauerraum – mag aber an dem Sonntagabendtermin gelegen haben).
Mit Pause. Und Käfer-Gastronomie mit vorbestellt eingedeckten Tischen oben, kannte ich sonst nur von Opernbesuchen.
Schweine bekam ich diesmal keine im König Lear, an Tieren nur das elektrische Spielzeug-Reittier des Narren. Dafür eine ausgesprochen opulente und teuer aussehende Inszenierung, Details morgen.
Nach fast dreieinhalb Stunden verlief die Garderoben-Ausgabe etwas holprig, ich nahm wieder eine U-Bahn, um schneller ins Bett zu kommen.
§
Diesen empfohlenen Artikel bei Krautreporter hätte ich fast nicht gelesen, weil er so weit von meiner Lebenswirklichkeit entfernt ist. Oder, und deswegen las ich ihn dann doch, weil das Thema eine meiner tiefsten Ängste anspricht: Verschuldung.
Denn das, wurde mir klar, ist lediglich die Kehrseite meines aktiven Desinteresses an Geldanlage, an dem leichten Ruch, den es für mich (!) hat, Geld aus Geld zu machen (vielleicht finde ich mal heraus, woher diese kontrafaktische emotionale Reaktion kommt). Selbst mein Konto überzogen habe ich zuletzt wohl am Anfang meines Studiums und hörte damit auf, als ich mich darüber ärgerte, der Bank dafür Geld zu zahlen – wo ich doch sonst eher unterdurchschnittlich Probleme dabei habe, Geld für Blödsinn auszugeben. Wenn ich künftig knapp bei Kasse war, schränkte ich mich eben ein und schaute, dass ich möglichst schnell Geld verdienen konnte. Richtige Schulden hatte ich noch nie im Leben; offensichtlich wünschte ich mir nie etwas so sehr, dass ich dafür einen Kredit aufgenommen hätte – obwohl das ja sogar steuerlich gefördert wird, Invesitionen bedeutet, die Wirtschaft am Laufen hält, meinen Eltern die Verwirklichung ihres Traums vom eigenen Haus ermöglichte etc. etc. Irgendwas in mir fürchtet sich enorm vor der Abhängigkeit und dem Commitment, die automatisch dazu gehören.
Aus meinem Leben will ich einfach nur mit einer schwarzen Null herauskommen, auch materiell.
Wie so eine ganz normale Verschuldung aussieht (ich kenne jemanden, die mal in der Gehaltsabrechnung eines mittelgroßen, hochseriösen Unternehmens arbeitete und erzählte, dass der Prozent-Anteil von Mitarbeitenden mit Gehaltspfändung zweistellig gewesen sei) und wie der Weg hinaus, berichtet Marcus Ertlel, hier der Geschenk-Link:
“Ich war total verschuldet. Hier ist der Text, den ich gebraucht hätte.”


















