Wir introverts

Donnerstag, 22. März 2012 um 9:18

Introvertiertheit hatte ich eigentlich mit folgenden Eigenschaften verbunden:
– sehr niedriges Mitteilungsbedürfnis
– Unauffälligkeit
– Schüchternheit

Da irrte ich. Introvertiertheit bezeichnet wohl vor allem das ausgesprochen geringe Bedürfnis nach menschlichem Kontakt um des reinen Kontakts Willen.

Darauf gebracht hat mich dieser ältere Artikel in The Atlantic: „Caring for Your Introvert“.

Do you know someone who needs hours alone every day? Who loves quiet conversations about feelings or ideas, and can give a dynamite presentation to a big audience, but seems awkward in groups and maladroit at small talk? Who has to be dragged to parties and then needs the rest of the day to recuperate? Who growls or scowls or grunts or winces when accosted with pleasantries by people who are just trying to be nice?

Ein echter Augenöffner! Endlich fühle ich mich verstanden. Ich bin also kein Freak – wo ich mich doch immer seltsam fühlte, weil ich einerseits mit Leidenschaft und Energie Vorträge halte und präsentiere, zudem in Gesellschaft gesellig wirke, lächle, angesprochen werde, laut bin, oft sogar in den Mittelpunkt gerate, doch mich in Wirklichkeit bei Small Talk immer wie eine schlechte Schauspielerin fühle, gesellige Anlässe aktiv meide und sie in meinem Leben zur absoluten Ausnahme mache. Lange Zeit erklärte ich guten Freunden mein überdurchschnittlich großes Bedürfnis nach Alleinsein damit, dass ich schüchtern sei – was immer Gelächter auslöste. Tatsächlich meinte ich aber Introvertiertheit (nicht die extremste Form, ich bin wohl eine 70-prozentig Introvertierte).

Introverts are not necessarily shy. Shy people are anxious or frightened or self-excoriating in social settings; introverts generally are not. Introverts are also not misanthropic, though some of us do go along with Sartre as far as to say „Hell is other people at breakfast.“ Rather, introverts are people who find other people tiring.

Our motto: „I’m okay, you’re okay—in small doses.“

Nun kommen wir dazu, wie das mit meinem in diesem Blog unübersehbaren Mitteilungsbedürfnis zusammenpasst: Ein Blog hat nichts mit Extrovertriertheit zu tun, da es keine Geselligkeit bedingt.

Extroverts are easy for introverts to understand, because extroverts spend so much of their time working out who they are in voluble, and frequently inescapable, interaction with other people. They are as inscrutable as puppy dogs. But the street does not run both ways. Extroverts have little or no grasp of introversion. They assume that company, especially their own, is always welcome. They cannot imagine why someone would need to be alone; indeed, they often take umbrage at the suggestion.

Ich möchte die steile These wagen, dass es unter Bloggerinnen besonders viele introverts gibt: Wir veröffentlichen unsere Erlebnisse und Gedanken, müssen uns dafür aber nicht mit Menschen auseinandersetzen. Und meine Partnerschaft funktioniert vermutlich auch deshalb recht gut, weil wir beide introverts sind: Meist halten wir uns in unterschiedlichen Räumen auf, unternehmen einzeln Unternehmungen, doch weder er noch ich sehen darin etwas Unangenehmes – im Gegenteil. Solange wir oft genug zusammenkommen, um einander davon zu erzählen.

Ob es wohl Untersuchungen gibt, wie Introvertiertheit und Karriere zusammenhängen? Ich nehme an, dass Introvertierte höllisch schlechte Networkerinnen sind – und genau dieses Networking, so predigen uns täglich die Karrierekolumnen der Medien, ist doch der Weg an die Spitze.

Dass Introvertiertheit und Schüchternheit zwei ganz verschiedene Charakterzüge sind, beschäftigt mich. Sicher gibt es schüchterne Introvertierte, aber sehr wahrscheinlich leiden sie nicht unter ihrer Schüchterheit – schließlich sehnen sie sich nicht nach der menschlichen Interaktion, die durch Schüchternheit behindert wird. Wie aber müssen sich schüchterne Extrovertierte fühlen? Ich stelle mir diese Kombination als einzige Qual vor, schließlich ist ihnen der Weg versperrt, sich die menschliche Anerkennung und die Streicheleinheiten zu holen, die für sie lebenswichtig sind. Ist das vielleicht sogar die typische Persönlichkeitsstruktur der Amokläufer an Schulen?

die Kaltmamsell

48 mal Beifall zu “Wir introverts

  1. frauziefle meint:

    Widerspruch!
    Wir sind sogar hervorragende Netzwerkerinnen, vielleicht nicht nach den Regeln der Marketingbranche, aber ich behaupte mal kurz: die lauten simplifizierten Thesen sind der Versuch, langsam gewachsene Pfade, Möglichkeiten, Verästelungen und BEZIEHUNGEN wie wir sie kennen, nachzustellen.

  2. Marqueee meint:

    Ein schöner Gedanke. Erlauben Sie mir trotzdem eine Wortklauberei?

    „…müssen uns dafür aber nicht mit Menschen auseinandersetzen.“

    Doch müssen (und tun!) Sie. Genau dafür u. a. gibt es ja das Blog. Was vermieden wird, ist das Sich-aussetzen mit direktem menschlichen Kontakt.

  3. Hande meint:

    Einverstanden. Deswegen ist social media ideal fur uns, weil wir social sein konnen with our own terms.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Ich sehe schon, wir müssen das im Hinblick auf Internetkontakte genauer untersuchen. Entsprechen diese Kontakte vielleicht den „quiet conversations about feelings or ideas“ aus dem ersten Zitat? Was unterscheidet unsere Beziehungen untereinander (und die haben wir definitiv) von denen auf einem Stehempfang?
    – Wir habe uns ausgesucht, mit wem wir uns beschäftigen, sowohl als Leserinnen als auch beim Kommentieren.
    – Asynchroner Kontakt, wir können interagieren, wenn uns danach ist, und nicht, wenn es die gesellige Situation erfordert – das wäre das Argument von Marqueee.
    – Distanz ist uns heilig und wird respektiert – so kommt es zu den „langsam gewachsenen Pfaden“ von frauziefle.
    Was noch?
    Durch dieses Blogdings sind für mich ja tatsächlich Netze entstanden, und zwar in einer Reichweite, Intensität und Verästelung, wie es mir niemals in direktem Kontakt möglich gewesen wäre (siehe unter vielen anderen Hande).

  5. Sabine meint:

    Oha. Das finde ich überraschend (insbesondere die Unterscheidung zwischen schüchtern und introvertiert) – und erklärt mir auch vieles über mich selbst. Hm. Danke dafür.

  6. Liisa meint:

    Oh ja, da finde ich mich auch wieder! Was die Internetkontakte angeht, so haben wir als introverts da ja durchaus die Kontrolle, wie oft und mit wem und wie lange und über was wir kommunizieren. Wir können also unser eigenes Tempo wahren und die Pflege dieser Kontakte unseren eigenen Kräften anpassen. Das kommt uns natürlich sehr entgegen.

    Ich sehe es allerdings auch so, dass das nicht bedeutet, dass wir uns nicht wirklich mit anderen Menschen auseinandersetzen. Vielleicht erschöpft uns der direkte Kontakt mit Menschen gerade deshalb so sehr, weil wir so intensiv dabei sind und eigentlich sehr stark auf andere Menschen reagieren. Um mal ein Bild zu bringen: wir sind nicht wie die Schmetterlinge, die von Blume zu Blume fliegen überall mal kurz landen und dann wieder auf und davon sind. Wir sind mehr wie die Bienen. Wir landen auf der Blume, wir stecken unseren Rüssel in den Blütenkelch und saugen auf was wir können – dafür lassen wir auch ein paar Pollen als Gastgeschenk zurück und irgendwann sind unsere „Höschen“ voll und wir müssen erstmal wieder in den Bienenstock zurück und loswerden und verarbeiten, was wir alles eingesammelt haben bevor wir uns wieder aufmachen können, um andere oder dieselben Blumen nochmal aufzusuchen.

  7. lihabiboun meint:

    Alles sehr interessant! @marquee: stimmt genau, ich würde ergänzen: das sich doofem direktem Kontakt aussetzen müssen wird vermieden …

  8. PatschBella meint:

    Oh herrlich, wie der Artikel jetzt wieder die Runde macht, er hat mir damals auch die Augen geöffnet.

    Wenn ich noch mehr Material liefern darf: Ein schöner Artikel im Guardian über den Wert der Introvertiertheit (http://www.guardian.co.uk/science/2012/mar/13/why-the-world-needs-introverts). Gerade lese ich mich durch „Quiet, The Power Of Intro­verts In A World That Can’t Stop Talking.“ von Susan Cain und nicke quasi auf jeder Seite.

    Introvertierte Menschen sind nicht automatisch Mauerblümchen. Wir müssen nur mit unserer Interaktions-Energie besser haushalten.

  9. midori meint:

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    Gerne gelesen

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  10. Silke meint:

    Das Heft 01/2011 der Psychologie heute beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema, leider muss man die Artikel bezahlen, um sie zu lesen. Ich habe das Heft gekauft. Mir hat das die Augen geöffnet und deckt sich auch mit Ihrem Bericht, Frau Kaltmamsell.

  11. walküre meint:

    Was Liisa geschrieben hat, hätte ich ganz ähnlich formuliert. So bleibt mir nur zu sagen:
    Danke für diesen Eintrag, Frau Kaltmamsell !

    PS: In welche Rubrik diese Tatsache gehört, weiß ich nicht, aber ich bin mit der Wahl meiner Kontakte noch vorsichtiger geworden, als ich gemerkt habe, dass sich starke negative Spannungen zwischen Menschen (den Gastgebern beispielsweise) auch ohne persönliche Involvierung meinerseits schon nach kurzer Zeit bei mir als massive Migräne manifestieren.

  12. Croco meint:

    Ich bin eine Rampensau, eigentlich.
    Beruflich lege ich den Schalter um, ein Saal voller Menschen macht mir gar nichts.
    Privat will ich, brauche ich Ruhe und Alleinesein.
    Ich beschäftige mich mit den Dingen, die mich interessieren, in meinem Tempo.
    Ich habe einen Freundeskreis, der so ähnlich tickt wie ich. Kein Smalltalk, aber gemeinsame Interessen, Projekte.
    Da kommt mir die Bloggerei gerade Recht. Ich lese von und über Menschen, die ich sonst nie kennen gelernt hätte , die ich interessant finde. Und ich werde all das im Blog los, was ich mag, was mich gerade interessiert.
    So bin ich also auch introvertiert. Weil mir mit mir selbst nie langweilig wird.

  13. Sjule meint:

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    Made my day

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  14. Irodeschi meint:

    Jetzt verstehe ich endlich, was mit mir los ist. Plötzlich wird mir alles klar. Das Ding mit den Kindern, wie bei dir usw. usw. usw. Danke für diesen Blog, den ich sehr gerne lese. Und danke für diesen Artikel der mir nach 50 Jahren endlich erklärt, warum ich mich so ambivalent fühle!

  15. Usul meint:

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    Gerne gelesen

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  16. Gaga Nielsen meint:

    Interessantes Schubladenetikett. Aber bevor ich mir den Aufkleber anhefte, gehe ich noch einmal in mich, in meinem hermetisch abgeschlossenen Elfenbeinturm, und denke an Erich Kästner. Zehn Frauen möcht ich sein.

    Ich denke, wer viel Kraft mobilisiert, um sie in die Welt zu tragen, muss für angemessenen Nachschub an Treibstoff, Kraftstoff sorgen, der diese (außen)weltliche Hochleistung ermöglicht. Verausgabung im Privaten, in Form von Zuwendung und Aufmerksamkeit gegenüber privaten (ich meine nicht privatesten) Kontakten zu demonstrieren wäre nur eine Forsetzung des Kräfteverzehrs. Wenn man eine gewissenhafte Vorstellung von menschlicher Kontaktpflege verinnerlicht hat. Dass auch Blabla und opportunistische Höflichkeitskontakte im Übermaß keinerlei Spaß sondern Arbeit sind, ist ja sowieso klar. Ich blocke bzw. beende Kontakte, wenn ich spüre, dass ich der gewünschten Intensität nicht gerecht werden kann. Weil ich es nicht will. Weil mein Interesse nicht ausreicht. Klare Verhältnisse sind sehr erholsam. Aber besonders beliebt macht man sich so nicht. Gerade wenn es vielfach bewiesen ist, dass man sehr wohl zu kommunikativer Virtuosität in der Lage wäre. Na ja. Man kann nicht mit der ganzen Welt innige Freundschaften pflegen. Das geht schon rein rechnerisch nicht. (so als Angebot einer Ausrede) Wenn die Bedrängung brisant wird, schreibe ich gerne ultimativ zu verstehende Schlußformeln (als Antwort auf angelnde E-Mail-Anfragen), dergestalt…

    „Liebe/r …(Kontaktwunschanfragesteller/in),

    danke für die freundlichen Worte und die Aufmerksamkeit, aber aus einem Treffen wird derzeit leider nichts werden, da ich schon zu wenig Zeit habe, meine bestehenden langjährigen Freundschaften und Kontakte angemessen zu pflegen. Aber nichtsdestotrotz wünsche ich Dir/Ihnen alles Gute (für Deine/n/Ihre/n weiteren Lebensweg/Projekte etc.)“

    Viele Grüße!“

  17. Mills meint:

    Zu Ihrer These, dass es unter Bloggern und Bloggerinnen sehr viele introverts gibt, scheint es empirische Hinweise zu geben, die dies stützen. Gunter Dueck hat dazu mal was in seinem Blog und bei SciLogs geschrieben:
    Gunter Dueck über Introverts.

  18. Kelly meint:

    Ihr Blogbeitrag und viele Kommentare sprechen mir aus der Seele. Bei der Arbeit habe ich mit sehr vielen Menschen zu tun und betreibe eine intensive Netzwerkarbeit (nicht aus Karrieregründen, sondern weil es die Fachlichkeit gebietet). Privat bin ich aber am liebsten (mit der Liebsten oder mit mir) alleine. Wir stehen beide immer wieder fassungslos davor, was den Menschen das Beisammensein mit anderen ohne jede inhaltliche Klammer, also Geselligkeit als Selbstzweck, bedeutet. Umgekehrt scheinen sich viele Menschen, ob alleine oder zu zweit, selber nicht zu genügen und nichts mit sich anfangen zu können. Beides ist uns sehr fremd und macht uns noch mehr zu Fremden (bringt uns einander aber noch näher).

  19. Nina meint:

    Ich habe Ihren Post mit Interesse gelesen. Und ja, ich kann ich mich auch mit den beschriebenen Charakteristika des Introvert identifizieren. Ich behaupte jedoch, dass dies fast jedeR kann – mit ein wenig Selbstreflektion um ein paar Ecken herum. Der Artikel, auf den Sie Bezug nehmen, scheint mir ein weiteres Beispiel für das grassierende Phänomen der Durchpsychologisierung unserer Gesellschaft (und unserer Identität) zu sein. Natürlich darf dabei der Hinweis auf Beweise aus der Hirnforschung nicht fehlen, inzwischen ja ein Muss jeder populärwissenschaftlichen These. Ich finde die Schaffung eines Labels „Intovert“ bzw. den Rückgriff auf eine verstaubte psychoanalytische Kategorien a la Jung, unter soziologischen Gesichtspunkten viel interessanter als unter psychologischen: je exhibitionistischer und mitteilsamer unsere Gesellschaft wird (und dabei werfe ich einfach mal „for the sake of this argument“ die euopäischen und die angloamerikanischen Gesellschaften in einen Topf), je mehr Bedeutung Netzwerken und ständige unmittelbare Kommunikation bekommen, desto mehr bedürfen wir wohl eines Psycho-Labels, um zu entschuldigen, dass wir inwischen mehr über Blog, Twitter und FB kommunizieren als soziale Kontakte zu pflegen, die face-to-face stattfinden – oder um zu entschuldigen, dass wir gar manchmal einfach Pausen von jeglicher Kommunikation brauchen. Kritisch daran finde ich, dass Kritik an gesellschaftlichen Zuständen damit zugunsten von individuellen Psycholabels im Keim erstickt wird, soziale Phänomene werden zu individuellen Problemen.

  20. iv meint:

    Ja, genau so, allerdings inklusive des erweiternden Kommentars von Nina. Was man nämlich auch oft beobachten kann, ist, dass man als introvert von ausgeprochenen extroverts auf recht unangenehm gutmeinende Art pathologisiert wird: „Komm, Du musst nur mal aus Dir rausgehen!“ – Nein, muss ich überhaupt nicht, ich fühle mich recht wohl hier bei mir. Warum nur klingt die Antwort nie so überzeugend, wie sie für einen selbst zu sein scheint?

  21. die Kaltmamsell meint:

    Dann wieder, Nina, lebt doch auch die Psychologie wie jede Wissenschaft von Einordnung nach Mustern, von Strukturierung und Etikettierung. Wenn das Laien zur erleichterten Erkenntnis „ich bin nicht allein damit“ verhilft, ist das nicht schlecht.
    Ja, die soziologische Betrachtung (in der ich genauso wenig Expertin bin wie in der psychologischen) ist hochinteressant. Möglicherweise verursacht die gesellschaftliche Intensivierung von Kommunikation via Technik und Medien einen Druck zur Geselligkeit.

    Interessant finde ich eine derzeitige mögliche Veränderung und den Umstand, dass Mitteilungsbedürfnis, Geselligkeit, Schüchternheit nicht voneinander abhängen – das ist mir jetzt erst klar geworden.

    Bisland, iv blieb ich zum Glück von solchen Vorwürfen / Empfehlungen verschont – ob ich mich auf Geschäftsreisen von dem abendlichen gemütlichen Beisammensein nach einer halben Stunde verabschiedete oder auf größeren privaten Zusammentreffen frühzeitig verschwand, ganze Nachmittage allein im Hotelzimmer verbrachte. Allerdings mag das damit zusammenhängen, dass ich ungemein gesellig wirke.

  22. Gudrun meint:

    Ja, das alles beschreibt auch mich ganz gut, ist mir aber nicht neu. In meiner Freizeit bin ich schon seit immer sehr gern mit mir alleine, meist mit zahlreichen „Projekten“ beschäftigt. Wenn in meiner „heiligen“ Freizeit das Telefon klingelt, reagiere ich gerne auch leicht ungehalten – Familie ausgenommen. Obgleich ich im Arbeitsalltag „normal gesellig und umgänglich“ bin, stolpert doch schon mal jemand darüber, dass ich, wenn irgend möglich, jedem „geselligen Beisammensein“ auszuweichen versuche.
    Also: gerne gelesen :-)

  23. Misanthrop meint:

    „Alles Unheil kommt von einer einzigen Ursache, dass die Menschen nicht in Ruhe in ihrer Kammer sitzen können.“ – Blaise Pascal

    Das Drama ergibt sich erst durch Menschen, die nichts mit sich selbst anzufangen wissen und anderer Menschen bedürfen, um sich selbst als vollwertige Menschen zu empfinden.

    Und genau da sollte der Psychologe eruieren, was Ursache der mangelnden Selbstgenügsamkeit ist, in sich selbst genügend interessante Dinge zu entdecken, die einen oberflächlichen Austausch mit anderen Menschen obsolet machen.

  24. iv meint:

    Ja, stimmt schon, solche „Empfehlungen“ kommen eher nur von Leuten, die besonders weit auf der extrovertierten Seite der Skala angesiedelt sind, sind also vielleicht nicht so sehr die Regel, bleiben aber besonders unangenehm hängen.

  25. Mari meint:

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    Genau!

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  26. Kittykoma meint:

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    Genau!

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  27. das Miest meint:

    Sehr schön, sehr zutreffend. Vielen Dank.

  28. die Kaltmamsell meint:

    Ihr Kommentar, Mills, ist leider im Spam-Topf gelandet, habe ich eben erst entdeckt. Ich bedaure das sehr, denn der Dueck-Text ist sehr interessant: Schon wieder einer, der nicht begreift, dass wir Introvertierten uns am wohlsten in unserer Irrelevanz fühlen. Er unterstellt Introvertierten / Bloggern, dass sie Wirkung haben wollen und brüllt uns an, wir sollten raus gehen, verändern, überzeugen. Ich beginne, iv zu verstehen und fühle mich entsprechend auf den Schlips getreten.

  29. martin meint:

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    Made my day

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  30. Helga meint:

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    Gerne gelesen

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  31. Julia meint:

    Extrem interessant – sowohl der zitierte Artikel als auch die Kommentare. Was ich zunehmend feststelle, ist, dass ich beruflich derart viel und gleichzeitig auf mehreren Kanälen kommuniziere (n muss), dass ich privat einfach keine Lust mehr dazu habe – außer via Social Media Kanäle. Denn auf diesen kann ich, wie schon vorher erwähnt, Tempo, Uhrzeit, Intensität und vor allem das Ende selbst bestimmen. Allerdings macht es mich auch etwas traurig, dass die privaten face-to-face Kontakte weniger häufig sind und als meinersseits als zunehmend anstrengender empfunden werden. Damit versaut mir quasi die extrem hohe Taktzahl im Job also die Lust auf’s Private Beisammensein? Das kann’s ja auch irgendwie nicht sein, oder? Jetzt überlege ich natürlich, ob ich ein Introvert bin oder mir einfach nur das permanente „Kontakten“ auf den Sack geht. Ich werde drüber nachdenken und danke Ihnen, liebe Kaltmamsell, wie immer für die Anregung!

  32. Nina meint:

    @Julia @Kaltmamsell: Genau das meine ich. Wir sind alle manchmal Introverts (siehe alle Kommentare hier), weil wir ständig kommunizieren und mit Infofluten umgehen müssen. Es als Psycholabel und damit als individuelles Problem zu etikettieren, macht es schwierig, es als soziales Phänomen zu identifizieren und evtl. zu kritisieren. Dann wiederum finde ich es ja auf der Metaebene interssant, dass wir offenbar mehr mit Psychologisierungen (und Hirn-Scan-Beweisen) anfangen können als mit Sozialkritik. Wir leben eben in einer Psycho- bzw. Therapiekultur http://www.amazon.de/Therapy-Culture-Cultivating-Vulnerability-Uncertain/dp/041532159X/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1332511741&sr=8-4
    Das ist die Terminologie, in der wir denken, fühlen, unser Selbst identifizieren und handeln.

  33. Marc meint:

    Dieser Beschreibung nach: http://www.typentest.de/typentest_de_-_erklarung/schuechternheit.htm gibt es durchaus schüchterne Extrovertierte. Dort wird auch der Unterschied zwischen Schüchternheit und Introversion nochmal ganz gut erklärt.

  34. waldviertelleben meint:

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    Gerne gelesen

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  35. Georg meint:

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    Genau!

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  36. Anne Roth meint:

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    Ich auch!

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  37. engl meint:

    interessant, auch ich bin in der letzten woche über das thema introverts gestolpert. seitdem denkt es in mir, ich ordne und sortiere den wildwuchs. bis ich dann (vielleicht) mal dazu komme, das zu bloggen.;)

    aber eines möchte ich hier loswerden: nein, die kombi introvertiertheit und schüchternheit ist keine „gefährliche“ persönlichkeitsstruktur. ich möchte nahezu davor warnen, das so zu sehen. die armen abseitgen, einzelgänger und sonstigen wölfe in den den blöden schulen, die ihre zeit mit eigenen spinnereien und diese nicht zu teilen in der lage sind. die auch noch vorab zu brandmarken. nee, das passiert schon viel zu oft.

    meine these: es ist die kombination aus introvertiertheit und angst, welcher art auch immer. (womöglich.)

  38. Nathalie meint:

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    Gerne gelesen

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  39. Susanne meint:

    Hach. Ja.
    Ich finde solche Schubladen erleichternd, wenn ich wieder mal damit hadere, wie „ungesellig“ ich bin oder dass ich das extrovertierte pausenlose Erzählen, das mir auch noch in unmittelbarster Umgebung mehrfach begegnet, so fürchterlich anstrengend finde.
    Dass ich Gedanken, je schwieriger sie sind, oft lieber schriftlich austausche als in geselliger Runde, hat für mich auch damit zu tun, dass ich eine langsamere Denkerin bin. Erst mal nach rechts und links wälzen oder wieder verwerfen muss. Diese asynchrone Kommunikation, per Mail, per Blog liegt mir also sehr.
    Und witzige Erkenntnis am Rande: diejenigen, die mich gerne ungläubig fragen, warum ich blogge und dass sie NIE so viel Privates erzählen würden, sind diejenigen, die mir häufig genug das Ohr abkauen.

  40. Lila meint:

    Ich hatte vor ein paar Jahren so ein Aha-Erlebnis, als ich für die Jeckerei den Keirsey-Test machte und entdeckte, daß ich ein INFJ bin. Das erste I steht für Introvert. Auf der Skala bin ich nicht sehr weit von Extrovert-Werten, aber eindeutig Introvert. Das hat mir auch sehr viel erklärt. Ich habe ebenfalls keine Probleme mit einem Saal vor Leuten, denen ich was verzälle, aber danach habe ich gern meine Ruhe. Meine Vorstellung von erholsamem Vergnügen ist ein stiller Raum mit Sofa, Buch und Alleinsein.

    Als Tochter einer ausgeprägten extrovertierten Mama, die meine Introvertiertheit bis heute als unverständliche Abweichung von der Norm empfindet, hatte ich es schwer in der Kindheit. Ich habe mich gesträubt, immer mitgeschleppt zu werden, und fand es schrecklich, daß das Haus ständig voller Leute war. Wenn ich jetzt bei meiner Mutter zu Besuch bin, staune ich, wie viele Gäste da innerhalb einer Woche durchziehen. Mehr als bei mir im halben Jahr.

    Ich verstehe jetzt, daß sie ein Bedürfnis nach menschlicher Nähe hat, nach vielen Leuten um den Tisch und täglichem „auf Jück“. Sie wird nie verstehen, daß ich diese Bedürfnisse überhaupt nicht habe.

    Bloggen paßt da sehr gut zu. Es ist ein Ventil. Oft schreibe ich, ohne mir zu überlegen, daß da ja tatsächlich Leute mitlesen. Mir ist ein kleines Blögchen lieber als ein Riesentrumm. Wenn zuviele Fremde mitlesen, mach ich die Bude zu für ein paar Wochen oder Monate. Ich kann mir aussuchen, zu wem ich Kontakt aufnehme oder halte, und zu wem nicht. Ich kann filtern, Kommunikation verweigern, Konflikten aus dem Weg gehen oder sie suchen. Und abbrechen, wenn es mir genug ist.

    Extrovertierte ziehen vielleicht Foren vor? Nur so eine Überlegung. Da ist mehr Hauen und Stechen, und man hat weniger Kontrolle über die Richtung, die der Austausch nimmt.

    Mein Mann ist auch introvertiert, und er gilt für mich als Erweiterung des Alleinseins. Er stört mich nie. Auch die Kinder nicht.

  41. regina meint:

    zu diesem thema möchte ich auch noch dies hier empfehlen (PatschBella weiter oben erwähnte das dazugehörige Buch):
    http://www.ted.com/talks/lang/en/susan_cain_the_power_of_introverts.html

  42. l9 meint:

    „Wie aber müssen sich schüchterne Extrovertierte fühlen?“
    Nach ein klein wenig Reflexion denke ich, dass ich ein Exepmlar des schüchternen Extrovertierten bin. Ich hatte zwar nie das Bedürfnis, Amok zu laufen, aber als Kind hatte ich mit dieser Konstellation definitiv Probleme. Ich bin jemand der sehr gerne mittendrin ist und mitspielt, daran hat mich die Schüchternheit aber gehindert… Mittlerweile hab ich die Schüchternheit ganz gut im Griff – denke aber sie hilft mir, nicht allzu egozentrisch-polternd und unreflektiert durch die Gegend zu trampeln.

  43. engl meint:

    ach. da war ich doch am textende schon so introvers, daß ich mich glatt völlig verlesen habe. (und hab bislang noch nicht wieder hinausgefunden.)

  44. Tussialarm meint:

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    Made my day

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  45. rebhuhn meint:

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    Gerne gelesen

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  46. kahta meint:

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    Made my day

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  47. karin meint:

    Oder man nennt das auch egoistisch. Immer alles nur dann und nur so weit tun wie es einem gerade passt. Kein rücksicht auf andere zu nehmen. Einfachste wege bevorzugen, hauptsache eigene befindlichkeiten stehen im vordergrund

  48. die Kaltmamsell meint:

    Gibt es eigentlich schon Untersuchungen darüber, karin, dass ein bestimmter Tonfall in Blogkommentaren zu 90% mit deutlichen Orthographiemängeln einher geht?

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