Journal Dienstag/Mittwoch, 12./13. September 2017 – Durchhalten

Donnerstag, 14. September 2017 um 6:43

Ich brachte es nicht fertig, den Wecker für Dienstagmorgen auf Frühsport-kompatible Zeit zu stellen, kämpfe ich doch noch genug mit Wecken um 6 Uhr.
Dienstagabend Friseur, Haupthaar ist jetzt wieder KUCHZ!
(Und ich bekam Filmchen von Psytrance-Festivals in Kroatien und Ungarn gezeigt – völlig neue Welten!)

Die Heizung in der Wohnung zickt rum, mal wird sie mehr, mal weniger warm, aber nie so richtig heiß.

Mittwochmorgen auf dem Weg in die Arbeit war es saukalt – ein bisschen Spätsommer hätte ich schon ganz gerne gehabt.
Seltsam, die im Urlaub wandergebräunten Beine gar nicht beim Röcketragen vorzeigen zu können.

Mittwochabend dann stürmisch und überraschend mild. Ich fuhr nach der Arbeit ins Sportstudio am Ostbahnhof: Zum einen hatte ich am Sonntag dort ein Kleidungsstück vergessen (war blöderweise nicht abgegeben worden), zum anderen für Krafttraining. Auch wenn der gereizte Nackennerv sich fast ganz beruhigt hat (Schmerzen gar nicht mehr, Kribbeln und Taubheit im Arm selten), bin ich noch unsicher, ob Oberkörperübungen nicht vielleicht doch schaden.

Meine Energie geht für Ausblenden und Verdrängen drauf.

§

Die New York Times greift die unheilige Rolle auf, die die Automobilindustrie in Deutschland spielt:
„As German Election Looms, Politicians Face Voters’ Wrath for Ties to Carmakers“.

Erster Satz:

Sometimes it is hard to tell where the German government ends and the auto industry begins.

Sag ich doch. Seit Jahren.
Was ich nicht sehe: Dass sich die Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland daran stoßen könnten, denn Deutsche = Autos. Individualmobilität mittels Auto, massenhaften Autobesitz oder auch nur die Erstrebenswertheit eines möglichst teuren Autos in Frage zu stellen wird etwa so ernst genommen wie eine Forderung nach Abschaffung der Sonne. Zudem: „Aber die Arbeitsplätze!“ Deutschland hat sich komplett von der Automobilindustrie abhängig gemacht: Keine Kultur, kein Sport ohne Sponsoring durch die Automobilindustrie (sprechen Sie mal mit Ingolstädterinnen, die sich für historisch verwurzelte Alternativen wie den Konzertverein einsetzen), kein stetiges BIP-Wachstum denkbar ohne. Doch weiterhin ist die Konsequenz nicht etwa Diversifizierung oder gar Überdenken des hirnlosen Luxusstrebens, sondern: Staatsgelder für die Erhaltung der Automobilindustrie in ihrer jetzigen Form.

§

Zeit online veröffentlicht eines der selten Interviews mit der klugen Lyssa, Katharina Borchert. Sie spricht über Frauenanteil in der Technikbranche und darüber, wie man Diversität in Unternehmen wirklich voranbringt (Spoiler: nicht mit Flyern).

„‚Warum sollte ich lernen, anderen ins Wort zu fallen?'“

Bevor ich zu Spiegel Online kam, hatte ich einen Coach. Da habe ich gelernt, wie wichtig Körpersprache ist, wie man sich größer macht und mehr Raum einnimmt. Aber das ist nicht mein Stil. Überhaupt gehen solche Trainings in Deutschland im Medienumfeld meist in die Richtung: Wie kann ich mich als Frau besser in einer Männerwelt zurechtfinden? Ich finde den ganzen Ansatz absurd. So viele von uns, und das schließt Männer mit ein, erleben die Unternehmenskultur doch als negativ. Warum muss ich dann noch mehr Leuten beibringen, anderen ins Wort zu fallen, lauter zu reden und sich noch mehr in den Vordergrund zu drängen?

Womit sie die grundsätzliche Kritik der Feministin Antje Schrupp unterstützt: Dass Frauen keineswegs toxische Männerkultur übernehmen sollen, sondern dass die Mechanismen dieser Kultur schlecht sind und sich ändern müssen, damit Frauen sich entfalten können.

§

Allerliebst: Museumsbesucher und -besucherinnen entdecken sich auf alten Gemälden.
„10+ Times People Accidentally Found Their Doppelgängers In Museums“.

die Kaltmamsell

3 mal Beifall zu “Journal Dienstag/Mittwoch, 12./13. September 2017 – Durchhalten”

  1. Hauptschulblues meint:

    @Spätsommer: Er kommt noch, bestimmt!
    @Autoindustrie: Ja, es ist ein Drama mit „den Deutschen“. Hauptschulblues stieß und stößt auf Unverständnis, weil er sein vorletztes Auto 17 Jahre fuhr und das jetzige bereits 13 Jahre auf dem Buckel hat und leise vor sich hin rostet. Und er wird nach seinem Auto taxiert und eingestuft, wenn er wo ankommt.
    Regierung und Autoindustrie: Das ist die Höhe. Aber die Wähler finden das nicht schlimm, weil ihnen ja das Auto das höchste Gut ist und wenn jemand sich vor die Autolobby stellt, dann ist das nur richtig.

  2. Margrit meint:

    Hab heute in der Tagesschau ein neues deutsches Wort gelernt: Stadtgeländewagen wtf. Und jetzt noch ein neues englisches: Doppelgänger.

  3. vered meint:

    „Meine Energie geht für Ausblenden und Verdrängen drauf.“

    Meine leider auch. Wer kennt ein Gegengift?

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