Mittwoch, 13. Dezember 2017 – Geschichtslücken

Donnerstag, 14. Dezember 2017 um 6:17

Nun wieder ein sonniger Wintertag, frostig. In der Arbeit wurde es diesmal nicht so spät. Auf dem Heimweg sah ich zu meiner Überraschung in St. Paul Licht.

Hier und auf Twitter gab es weitere Großelterngeschichten und Kommentare dazu, unter anderem den Hinweis auf hedonistische Adaption: Der Mensch scheint durch ein äußerlich leichteres oder schwereres Leben nicht glücklicher oder unglücklicher zu werden. In einem Leben, wie es meine Großeltern führten, wäre ich also ähnlich unglücklich gewesen (hätte aber schneller erklären können warum). In eine Nussschale gepresst von Maximilian Buddenbohm:

Zudem erkannte ich, dass ich von einem weiteren Kapitel ostdeutscher Geschichte keine Ahnung habe: vom Leben der Vertriebenen dort. Im Westen wuchsen wir mit ihren Geschichten auf, auch mit der Not, die sie nach der Flucht als Zwangseinquartierte hatten. Die wurden im Osten wohl eher nicht erzählt.

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Anne Schüßler hat den ganzen Dienstag über auf Twitter Gemüse beschimpft – das soll sich gefälligst bloß nicht zu viel einbilden!
Ich hatte bereits geplant, alle Tweets einzeln hier aufzureihen, doch Anne Schüßler weiß halt, was Leserinnenservice ist und hat Moments daraus gestrickt. Lesen Sie also hier gesammelt nach, über Opportunistengemüse, alberne Frisuren, das Arschgeweih unter den Salaten und Lügenschoten.

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Am Dienstag begann Chanukka. Das Fest kann man sich diesmal von der Geschichte einer Menorah vor dem Hakenkreuz erklären lassen:
„Lighting Hanukkah Candles Under the Swastika’s Shadow“.

Und dann die Friends-Folge mit dem holiday armadillo rauskramen.

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Wieder erzählt eine sehr erfolgreiche Schauspielerin und Filmemacherin, wie Weinstein Frauen in Hollywood klein machte und terrorisierte: Salma Hayek.
„Harvey Weinstein Is My Monster Too“.

But why do so many of us, as female artists, have to go to war to tell our stories when we have so much to offer? Why do we have to fight tooth and nail to maintain our dignity?

I think it is because we, as women, have been devalued artistically to an indecent state, to the point where the film industry stopped making an effort to find out what female audiences wanted to see and what stories we wanted to tell.

According to a recent study, between 2007 and 2016, only 4 percent of directors were female and 80 percent of those got the chance to make only one film. In 2016, another study found, only 27 percent of words spoken in the biggest movies were spoken by women. And people wonder why you didn’t hear our voices sooner. I think the statistics are self-explanatory — our voices are not welcome.

Until there is equality in our industry, with men and women having the same value in every aspect of it, our community will continue to be a fertile ground for predators.

die Kaltmamsell

5 mal Beifall zu “Mittwoch, 13. Dezember 2017 – Geschichtslücken”

  1. RsL meint:

    „Happiness is not the natural state of mankind, and is never achieved from the outside in.“

  2. Kitty Koma meint:

    Ja, das ist seit vielen Jahren mein Gedanke: daß das Maß von Freude und Leiden bis auf wenige Ausnahmen immer gleich ist. Es ist durch Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse kaum zu verändern.
    Man kann mit dem Gedanken sehr schnell in Schicksalsgläubigkeit verfallen (jeder bekommt die Last zu tragen, die eine äußere Macht einem zuteilt), aber ich meine, das ist ein Grad von Empfindungsfähigkeit, der eingeschrieben ist und durch Training nur marginal verändert werden kann.
    Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Lebens machen nicht immer glücklicher. Es ist das Maß der individuellen Veränderung, das glücklicher machen kann. „Ich finde A nicht gut für mich, deshalb mache ich B“ kann Glück oder Zufriedenheit auslösen.
    „Hey, hier sind A,B und C, wähle das Richtige und sei verdammt noch mal glücklich!“ ist es nicht.
    Vom generativen Aspekt her wird die Last auf den Einzelnen größer. Wenn von zwei Kindern zwei nur so lala über die Runden komm en, fängt das die Familie vielleicht auf. Bei einem oder zwei Kindern sollte alles gut funktionieren. Diese Anforderung drückt und überfordert oft.
    Herzlichen Dank übrigens für die Anregung, die Familiengeschichte noch mal auf gesellschaftliche Aufstiege und Freud und Leiden anzuschauen. Das ist sehr sehr inspirierend.

  3. Kitty Koma meint:

    Sechs, ich meinte sechs Kinder im ersten Fall.

  4. lihabiboun meint:

    Der Gemüserant. Nachbarin, Euer Fläschchen. Made my day! Danke!!

  5. Eva meint:

    Ich hatte den Artikel von Salma Hayek gestern schon in der NYT gelesen und aus irgendeinem Grund hat er mich fassungsloser gemacht, als ich ohnehin schon war. „Frida“ werde ich nun wohl nie mehr mit denselben Augen sehen koennen.

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