Anderer Leute Ringe

Freitag, 30. April 2004 um 15:48

Ich mag Gelbgold, ich mag schlichte Ringe, ich mag schlichte Gelbgold-Ringe. Da ich dafür aber nicht viel Geld ausgeben will, ersteigere ich die bei Ebay. Fast alle wirklich schlichten Gelbgold-Ringe, die bei ebay angeboten werden, sind Eheringe – künftige (ohne Gravur) oder ehemalige („PL“). Eben habe ich wieder einen ganzen Schwung ersteigert, mittlerweile dürfte ich neun Stück besitzen. Einige davon möchte ich dereinst zur Goldschmiedin tragen, auf dass sie mir einen schweren breiten Ring daraus schmiedet. Die meisten trage ich aber einfach so, am liebsten mehrere auf einmal.

Und jetzt stellt sich heraus, dass mein Mitbewohner das verwerflich findet (um genau zu sein: Sein Ausdruck war „krank“). Einen Ehering, so sein Gedankengang, versetze man nur in höchster Not. Und die nutzte ich garstig aus.

Echt? Ist das so, das mit der Not und dem Ehering? Ich habe ja schon unüberwindliche Schwierigkeiten, das Zeichen „Ehering am Finger“ zu entschlüsseln. Es handelt sich ja in unserer Kultur um die sichtbare Bekundung, dass man verheiratet ist. Was heißt das?
– Es hat keinen Sinn, mich zu umwerben, vulgo „Mach mich nicht an!“ („Just the fax, ma’m, just the fax…“)
– Ich habe einen / eine abgekriegt und bin stolz drauf.
– Ich bin nicht allein auf der Welt.
– Ich habe regelmäßig Sex.
– Keine Angst, ich werde dich nicht anbaggern.
– Ich habe meine Mutter glücklich gemacht.

Ich schätze, mein Mitbewohner unterstellt mir subversive Gedanken beim Aufkaufen von anderer Leute Ringe.

die Kaltmamsell

22 Kommentare zu „Anderer Leute Ringe“

  1. kathleen meint:

    Für mich heißt es: Ich bin ein wildgewordener Spätromantiker und Symbolist und es macht mir Freude ein Symbol der Bindung, der Nähe und der Liebe zu dir rund um die Uhr zu tragen. Was die anderen darüber denken, ist mir sch…egal.

    Ich würde meinen Ehering wohl nichteinmal in höchster Not versetzen. Wer den seinen versetzt, hat oft genug für sich und den Partner nur neue Ringe gekauft. Meine Eltern, z.B. tragen jetzt schon das dritte Paar. Vielleicht sieht der Ihre das doch etwas zu eng…

  2. meike meint:

    manchmal habe ich das gefühl, dass leute mit ehering einfach nur sagen wollen "ich bin normal".

  3. Huetsche meint:

    Meine Eltern sind seit 42 Jahren glücklich verheiratet und seit der Trauung liegen die Ringe in einer Schublade. Angeregt durch Ihren Beitrag werde ich sie heute abend fragen, warum eigentlich. Und wieso sie überhaupt Ringe gekauft haben.

  4. Stefan meint:

    Spontan: Herrin der Ringe :-)

    SCNR,

    Stefan, der auch in einer Schubladenring-Ehe lebt. Wir konnten uns damals gegen diese Dinger nicht wehren *g*.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Aber Kathleen, ist Ihnen als Romantikerin so ein Ehering dann nicht zu unpersönlich und austauschbar? Der könnte doch auf jeden beliebigen Menschen verweisen. Sogar Leute mit einem Faible für Herrn Hilfiger drücken das spezifischer aus.

    Und Stefan, bei mir hat es genügt, auf die Frage des Standesbeamten: "Haben Sie auch Ringe?" mit "Nein." zu antworten. Aber wir waren ja auch heimlich auf dem Standesamt. Die Geschichte erzähl ich noch.

  6. Stefan meint:

    Ich sollte vielleicht noch sagen, dass das nun auch schon wieder 15 Jahre her ist und dass wir relativ jung waren. Ich sehe das heute durchaus gelassener.

    @meike: Also es gab Zeiten, da haben sich z.B. Kellnerinnen zum Arbeitsbeginn pro forma einen Ring angesteckt. Das dürfte heute vielleicht nicht mehr so schlimm sein. Aber ich kenne noch ein paar Fälle :-)

    allen ein schönes Wochenende, wenn Ihr frei habt,

  7. pipistrella meint:

    :-)) die Bedeutungen von Ehering am Finger muss ich jetzt doch noch kommentieren:

    – Es hat keinen Sinn, mich zu umwerben, vulgo „Mach mich nicht an!“ („Just the fax, ma’m, just the fax…“) => Warum nicht ? Brauch doch hin und wieder Bestätigung, dass ich noch nicht ganz weg vom Markt bin ;-)
    – Ich habe einen / eine abgekriegt und bin stolz drauf. => zumindest darauf, dass es der Beste ist, aber das sieht man am Ehering nicht.
    – Ich bin nicht allein auf der Welt. => dafür bräuchte ich aber keinen Mann…
    – Ich habe regelmäßig Sex. => hmmm, studier… als ich alleine war, würde ich jetzt frech behaupten, war’s regelmässiger.
    – Keine Angst, ich werde dich nicht anbaggern. => das ist eben das schöne, als Verheiratete darf man anbaggern soviel man will, es denkt sich ja niemand was dabei ;-)
    – Ich habe meine Mutter glücklich gemacht. => da braucht es definitiv mehr dazu, das habe ich schon länger aufgegeben…

  8. Gerhard meint:

    Mich juckt es auch in den Fingern.

    :Just the fax… (Dabei Hand in Richtung Sexluder halten, mit Daumen den Ring von hinten gegen Ringfinger drücken und den Ring wackeln lassen)
    Ist wohl einer der besten Sprüche vom Bruce aus Die Hard II, würde sagen Durchschnittsmann behält den Text bis zm Just und improvisiert dann ein NOW!.

    :Ich habe regelmässig…
    Regelmässig mag ja sein. Was ist mit Frequenz und Amplitude? Ja genau, die Sache mit Weihnachten!

    :Keine Angst, ich werde…
    Der Ring verspricht eher Genuss ohne Reue. Mach dir keine Sorgen, ich rufe dich nicht zuhause an, am WE habe ich auch keine Zeit…

    :Ich habe meine Mutter…
    Das mag ja für Mädchen gelten, Jungs machen doch ihre Mamma eher unglücklich mit solch einem Schritt.

  9. Anke meint:

    Ich bin total unverheiratet, will das aber irgendwann nochmal sein, und dann möchte ich auch einen Ring tragen und hoffe, dass mein Göttergatte das auch so sieht. Ist für mich das sichtbare Versprechen, das man sich gegeben hat.

    (Beim Tippen merke ich gerade, dass sich das hoffnungslos romantisch anhört. Egal. Ich bewahre mir diese Naivität noch ein bisschen :-)

    Meine Schwester trägt ab und zu den Ehering bzw. die zwei Witwenringe meiner Oma als Andenken. Finde ich einerseits eine schöne Geste, andererseits sehr seltsam. So als ob sie in fremden Badezimmerschränken wühlt.

  10. Anke meint:

    Ähm … kleiner linguistischer Lapsus … ich möchte irgendwann verheiratet sein. Nicht unverheiratet.

    (Peinlich.)

  11. pepa meint:

    Nun vielleicht doch noch etwas zu diesem Thema – von einer, die ihn nicht mehr trägt.
    Mit welcher starken symbolischen Kraft dieses kleine Stückchen Edelmetall von mir in zehn Jahren aufgeladen worden ist, ist mir gestern erst bewußt geworden, als ich, angeregt durch diesen Eintrag und die vielen Kommentare hier, meinen Ehering aus der Schublade holte, in die ich ihn vor über zwei Jahren gelegt hatte.
    Ich habe ihn sogar aufgesteckt und obwohl er mir physisch noch passt, hatte ich sofort das Gefühl er wäre zu klein, zu platt, zu stumpf.

    Ein Gedanke kam hoch:
    Wie mögen sich wohl Vögel fühlen, die mit beringtem Fuß fliegen?

    Und ich hörte etwas:
    Die Arie der Erda aus Wagners "Rheingold".

    Nie würde ich einen solchen Gegenstand verkaufen,
    eher vergraben oder in die Spree werfen, aber ich glaube, auch das werde ich nicht tun.

  12. die Kaltmamsell meint:

    Hm, das Versprechen sichtbar machen…
    Sichtbar für alle anderen, der Ring ist ja für das Tragen in der Öffentlichkeit bestimmt – je zweisamer die Situation, desto wahrscheinlicher wird das Zeichen abgelegt.
    Botschaft also: Ich habe jemandem versprochen, dass ich meine Fortpflanzungs- und Nestbau-Energie nur noch auf ihn konzentrieren werde, bis ans Ende meiner irdischen Tage. Also doch ein Anbagger-Repellent?

  13. Anke meint:

    Nee, sichtbar für mich. Und für ihn. Als etwas Wichtiges, das man vom anderen immer mit sich trägt.
    (Wie gesagt: goldene Theorie. Keine Ahnung, ob’s mal so kommen wird :-)

  14. Gerhard meint:

    Welch Schwärmerei ob eines simplen und zudem wirlich günstigen BGB-Vertragwerks

  15. pepa meint:

    GÜNSTIG???

    Na dann lassen Sie sich doch mal von einem Juristen scheiden!Vorzugsweise von einem arbeitslosen!Nur so zum Spaß!

    (((Pfff – günstich – ich komm sie gleich hin von wejen günstich – echt ma – boah ey!*schnauf*)))

  16. die Kaltmamsell meint:

    Das mit dem Scheiden hat Señor Gerhard noch nicht probiert, soweit ich weiß.
    Aber, no na, heiraten ist wirklich günstig. Wir waren hartnäckig und haben uns nicht mal ein gebundenes Familienbuch aufschwatzen lassen, so sind wir unter 100 Mark davon gekommen.
    Dass eine Scheidung echt ins Geld geht, und das praktisch unweigerlich, habe ich erst hinterher mitgekriegt.

  17. Gerhard meint:

    Nein, hat er in der Tat nicht und wird er auch nicht. Liegt vielleicht daran, dass die Ringe nicht aus dem schnöden vergänglichen Gelbgold sondern dem edlen unvergänglichen Platin handgeschmiedet wurden. Man kann ja nie vorsichtig genug sein.

  18. pepa meint:

    Man kann aber auch nie wissen…;-)

  19. Martin meint:

    Ich bin auch noch nicht verheiratet und bin auch kein Schmuckfan. Einen Ehering würde ich aber trotzdem tragen, gehört für mich einfach zur Ehe dazu. Sogar einen ganz „normalen“, den man sofort als Ehering erkennt. Wenn ich schon die Institution Ehe anerkenne, dann auch richtig und mit allen gesellschaftlichen und religiösen Zeichen.

  20. Klaus-Peter Eichler meint:

    Ja, ich möchte diese Frau. Und weil ich sie mag und begehre möchte ich einen Ring von ihr tragen. Stolz, freudig, glücklich – den Ring an der Hand und die Frau im Herzen.
    Er kann sein wie er will, es muss auch kein Gold sein, ich möchte ihm einfach von DER Frau bekommen. Nur das. Und ich möchte ihn hüten und bewahren und dass er blitzt und blinkt und sich mit den Jahren abnutzt. Der Ring kann sich ruhig abnutzen, die Freude über die Frau nicht. Ich würde den Ring nicht absetzen wollen, ihn nie gegen einen neueren eintauschen, ich würde hungern, aber diesen Ring hingeben – niemals.

  21. Fenimi meint:

    Sehr interessante Diskussion. Hab jetzt jeden Beitrag gelesen und sehe daran, wie sehr die Meinungen bei dem Thema auseinander gehen. Ich tendiere auch dazu, mir einen Ring zu kaufen. Ich finde das einfach eins schönes Symbol!

  22. die Kaltmamsell meint:

    Lassen Sie mich raten, Fenimi: Und zwar bei dem Verkäufer, mit dessen Link Sie einen elf Jahre alten Blogpost zu spammen versuchen? Sie wissen aber schon, dass Google mittlerweile Kommentarspam bestraft?
    http://netzwertig.com/2014/05/16/reaktion-auf-suchmaschinen-bestrafung-anfragen-zum-loeschen-von-links-sind-der-neue-kommentarspam/

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