Politik

Dienstag, 21. September 2004 um 11:19

Meine Urteile und Meinungen zu aktueller Politik schreibe ich hier nicht. Die Anonymität meines Pseudonyms ermöglicht mir, Geschichten, Bilder, feuilletonistische oder persönliche Gedanken zu veröffentlichen. Doch politische Stellungnahme unter Pseudonym fände ich feige.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Politik“

  1. Lila meint:

    Interessante Wortwahl. Was meinst du mit feige: dass man keine Verantwortung dafuer uebernehmen muss, was man sagt? Ist Dir unbehaglich damit, dass doch recht viele Blogs in den letzten Tagen politisch Stellung genommen haben ?
    Hm. Ich pruefe mich natuerlich sofort selbst und denke, ich gebe schon manche politische Stellungnahme von mir. Ich habe bisher keine Feigheit darin gesehen, das im Rahmen eines Blogs zu tun. Und instinktiv habe ich, als ich den Blog angefangen habe, meine “eigentliche” Identitaet verschleiert.
    Ich erst mal versuchen, die verschiedenen Formen der Identitaet in Blogs (als spezifischer Kommunikationsform im Internet) zu definieren. Es gibt die Leute, die ihren eigenen Namen benutzen und die man ohne Probleme im Telefonbuch finden kann. Es gibt die Pseudonym-Benutzer, die ihre Identitaet verbergen und keinerlei Erkennungszeichen geben… und es gibt die graue Mitte, zu der ich gehoere. Politische Stellung beziehen also im Idealfall nur die Blogger, bei denen Blog-Identitaet und “eigentliche” Identitaet deckungsgleich sind?
    Ueber die moralischen Grenzen meines Schreibensn im grauen Bereich habe ich mir bisher nur Gedanken gemacht, wenn es um die Rechte derer geht, ueber die ich schreibe. Nicht ueber politische Meinungsaeuserung. Danke fuer die Anregung, ich werde darueber nachdenken. Schoen, dass es Menschen gibt, denen der Bereich des Politischen so wichtig ist, dass sie dafuer strengere Masstaebe anlegen als fuer andere.

  2. roland meint:

    hmm… ich will dir da nicht reinreden, nur so als comment zum anonymen, weil die diskussion ja immer wieder mal aufkommt. charakteristisch für das webloglesen ist ja, das bei regelmäßiger lektüre man sich so eine identität konstruiert, die dazugehört. und jetzt das wichtige: dabei ist es völlig unerheblich für mich als leser, ob ich diese identität jemals werde kennenlernen oder sonstwie im “realen leben” dingfest mache, was zählt, ist das weblog und ich kommuniziere bestenfalls ja auch nur darüber, in kommentaren oder eben allein durch das, was ich beim lesen mir dazu zusammenreime. insofern kann es, muss aber nicht, die netscheidung, bestimmte themensparten NUR aufgrund der anonymität rauszulassen ein fall von selbstzensur zu sein, den ich als leser schade fände. aber wie gesagt: du entscheidest natürlich, was du bringst oder nicht, alles andere wäre ja noch schöner

  3. a.more.s meint:

    Gut gezwitschert, Kalte Amsel – deshalb lasse ich mir die Häppchen von Ihrer Vorspeisenplatte auch immer wieder schmecken. Ich habe mir das ebenfalls vorgenommen, doch gehe ich nicht ganz so weit wie Sie, diesen Grundsatz auch noch festzuschreiben – alle guten Vorsätze in Ehren, aber es ist ja immens schwierig, sich aus diesem Bereich vorsätzlich und völlig rauszuhalten (hat es Sie nicht auch schon erwischt…?). Zudem gelingt es nur wenigen Menschen, welche politisch kommentieren, auch wirklich sachlich zu bleiben – zu viele Emotionen, zu viel Ideologie schwingt in der Regel mit – das langweilt, das ödet an. Hier in der Schweiz ist es zunehmend so (doch: Wo ist es denn nicht so…), dass bei jeder Meinungsäusserung/Argumentation/Beurteilung sofort die zentrale Frage ist: Aus welcher Ecke kommt das? Links oder rechts? Und wehe, es kommt nicht aus der eigenen Küche: Jede noch so bedenkens-werte Äusserung wird gnadenlos abgeschmettert…
    So – jetzt haben Sie mich doch voll erwischt! Und bevor ich endgültig in Fahrt komme – genug! – das bisschen Köhler-Kaviar, das bisschen Hartz-Brot, das Sie da auf Ihrer Platte aufgetischt haben, verträgt mein Magen durchaus…
    And now to something completely different: In einem Mail an die SZ-Magazin-Redaktion betr. Leserreaktionen zum Thema “Deckenhengste” warte ich auf Antwort – werde Ihnen Bescheid sagen, wenn was kommt…

  4. die Kaltmamsell meint:

    “Die Kaltmamsell” ist ein Kunstprodukt, das sehr viel, aber sicher nicht alles mit mir gemein hat. Beim Nachdenken über diesen Umstand kam ich ja auf die Sache mit der “poetic licence”, also der dichterischen Freiheit, der ich mich reichlich befleißige.

    Aber für mich ist mein Pseudonym ganz klar ein Verstecken hinter einer Maske. Politisch Stellung will ich nur aufrecht und überprüfbar beziehen, nicht hinter eine Maske geduckt. Ich will, dass man mich daran messen kann – und so die Validität der Stellungnahme beurteilen. Das ist ein ganz persönliches Bedürfnis, das ich auf niemand anderen übertrage.

    Lila, Du gibts in Deinem Blog so viele Details Deines Lebens Preis, dass meiner Meinung nach Dein tatsächlicher Name Nebensache wird: Ich habe durchaus das Gefühl, Deine politischen Aussagen an Dir messen zu können.

    Und in einem Eintrag formuliert habe ich das, weil es mich beschäftigte.

  5. kid37 meint:

    Man könnte auch sagen, für mich sind die meisten Politiker auch “anonym”. Ich kenne die nur aus den Medien. Angeblich gibt es sie, aber das heißt es von Bielefeld auch. Man muß sich den Reichstag nur mal als Blogrunde vorstellen. Eine “Kaltmamsell” ist für mich genauso real wie diese Anzugträger (und -innen). Von daher fände ich Ihre Meinung nicht irrelevanter. Im Gegenteil. Und letztlich würde ich die gesellschaftlichen Themen, zu denen Sie dezidiert Stellung beziehen, sogar höher ansiedeln.
    Dies aber ist auch nur eine Meinung.

  6. Huflaikhan meint:

    kid37: stimmt! – außer wenn es nicht meine Meinung ist (aber dit war nüscht ernst, cik meene da Zusatz).

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