Keine richtige Ehe

Freitag, 23. September 2005 um 8:41

„Fällt dir eigentlich gar nichts an mir auf?“
Der Aufhänger für Axels Hackes Kolumne im heutigen SZ-Magazin erinnert mich brutal an meine fehlenden Fertigkeiten beim Herbeiführen von Ehekrächen. Diese Frage habe ich nämlich noch nie gestellt, nicht in meiner 12-jährigen Partnerschaft mit dem Mitbewohner, auch nicht davor.
Ich sage eher: „Schau mal, ich habe mir einen Ring gekauft!“ Oder: „Findest du, dass die Haare diesmal zu kurz geworden sind?“ Manchmal sogar: „Nimmst du mich so mit?“

Allerdings möchte ich zu meiner Entlastung darauf hinweisen, dass der Mitbewohner keine Hilfe bei der Kracherzeugung ist. Er sagt gerne mal bei passender Gelegenheit: „Kenne ich diesen Rock? Gefällt mir!“ Oder: „Habe ich diese Ohrringe schon mal an dir gesehen? Ah richtig, die wolltest du ja bei Ebay kaufen.“ Hin und wieder stellt er auch fest: „Gut schaust du heute aus!“

Finge ich Spiele à la „Fällt dir eigentlich gar nichts an mir auf?“ an: Ich bin mir sicher, es würde ihn bestürzen, und er würde nicht ruhen, bis er herausfindet, wodurch er mein Wohlwollen und mein Vertrauen verscherzt hat.

Aber gut, ich speichere ab: Es gilt als normal, wenn eine Beziehung einem Minenfeld gleicht.

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Keine richtige Ehe“

  1. Plattenfan meint:

    Neeeee – ich finde Du hast vollkommen recht.
    Diese Psychospiele sind doch für alle Beteiligten nur anstrengend. Wenn mein Freund irgendwas raten möchte, dann soll es sich bei „Wer wird Millionär bewerben“…

    Aber wie immer ist es sehr genau beobachtet – wenn man sowas als Frau nicht macht, scheint man durch irgendein geheimes Raster zu fallen…

  2. Anke meint:

    Wird man nicht irgendwann alt und weise genug, um kein Minenfeld mehr zu errichten? Ich finde so einen schönen, langsamen, gemütlichen Beziehungsfluss eindeutig angenehmer als das ewige Revierabstecken. (Und den Hacke auch heute eher unlustig.)

  3. Stephan meint:

    Ich hätte heute ja eher einen Kommentar zu diesem
    Feuilleton-Beitrag der gestrigen FAZ erwartet.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Der Abschuss ist ja die Pointe von Hackes Kolume: „Mir könnte ein anderer Mann Schmuck schenken und du würdest es nicht merken.“
    Hä? Dir könnte ein anderer Mann Schmuck schenken und du würdest es nicht erzählen? Anderer Planet, völlig anderer Planet.

  5. blue sky meint:

    Früher klingelten bei mir die Alarmglocken, wenn mir jemand erzählte, er/sie sei jetzt schon soundsolange mit jemandem zusammen, und sie hätten sich noch niiieeee richtig gestritten. Aber jetzt geht es mir selbst so. Wir versuchen uns wenigstens regelmäßig an solchen Fangfragen und Gefechten – aber das ist mehr so ein Impro-Theater, solange bis einer von uns beiden lachen muss. (Und ich traue mich kaum, das zu schreiben, weil: siehe letzten Satz oben im Beitrag.)

  6. Londo meint:

    Wenn mich eine Frau sowas fragt, dann benutze ich meistens den „Günter-Jauch-Konter“: ich frage zurück, ob ich meinen 50:50 Joker benutzen resp. jemanden anrufen oder das Publikum befragen darf :-) Bei Frauen mit Humor löst sich die (an sich brenzlige Situation) danach meistens in gemeinsames Gelächter auf.

  7. Lila meint:

    Und das Bloedste: er findet diese Art Frau gaaanz toll. Sie „wirft den Kopf zurück, lässt ihre Locken fliegen, lacht…“ ganz die Verfuehrerin. Oh ja, die 50er Jahre lassen gruessen. Unberechenbare, geheimnisvolle Weiber. Das andere Geschlecht.

    Ach wie gut dass mein lieber Y. auf diese Art von sich-interessant-machen nicht fliegt. Wie langweilig waere es, ihm jede Woche die Sphinx ohne Geheimnis hinlegen zu muessen… faellt euch uebrigens was an mir auf?

  8. die Kaltmamsell meint:

    Ah, Lila, es funktioniert: Die Frage löst sofort Schuldgefühle aus.
    – Ich bin nicht aufmerksam genug.
    – Sie fühlt sich vernachlässigt.
    – Ich habe kein Feingefühle.
    etc.
    (Mein Tipp: Du schreibst ohne Umlaute?)

  9. Thuner meint:

    Hmm. Die 50er Jahre Frauen waren ja auch nicht ohne. Mindestens, solange man(n) MM als repräsentativ betrachtet. Ich meine übrigens ihren IQ, und nicht ihre Titten. Nur, dass selbstbewusste Frauen damals keine Möglichkeiten hatten. Ausser zuhause. Und deshalb haben sich wohl solche Machtspiele entwickelt. „Ich kontrolliere mein Aussehen“ und Du hast zu kontrollieren, ob Du noch Einfluss hast darauf.
    Ob ich es merken würde, wenn ein anderer Mann meiner Partnerin Schmuck schenken würde? 100%, das habe ich schon lange unterbunden, ich schenke ihr einfach allen Schmuck, den sie haben möchte. Was ich wunderschön finde, etwas (m)einer Frau zu schenken, was sie haben möchte. Ok, sie ist auch die schönste Frau der Welt, weshalb sie jedes Geschenk verdient hat, aber das muss sie ja so nicht wissen. Wie lange wir zusammen sind? 2 Monate? So fühlt es sich an. Es sind aber 13 Jahre, wir haben richtige Krisen erlebt, und ich bin stolz darauf, dass ich eine solche Frau meine Freundin nennen kann!

  10. kathleen meint:

    Mir behagt es nicht, daß diese Frage als pars pro toto für eine Mienenfeldbeziehung gesetzt wird. In diesem Hause wurde und wird die Frage als durchaus heiteres Ratespiel und als Wahrnehmungsschulung verstanden. Allerdings reagiert auch keiner von uns beleidigt, wenn der andere sagt ‚Nö, keinen Schimmer.‘ Und ja, richtig vermutet – nicht nur er hört diese Frage ab und an, auch mir wird sie immer wieder präsentiert.


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