Trotz!

Montag, 24. Oktober 2005 um 17:17

Das Sprachblog schreibt über die Veränderung des Kasus, mit dem trotz konstruiert wird. Ich hatte nie Probleme, sowohl Dativ als auch Genitiv zu akzeptieren, seit ich in meiner Jugend Bachmottetten sang.

Wer jemals in Jesu meine Freude als Zweiter Sopran das Vergnügen hatte, die erste Zuschauerreihe mehrfach mit einem herzhaften „TaROTZ“ anzusprotzen, kennt den Text:

Trotz dem alten Drachen,
trotz des Todes Rachen,
trotz der Furcht darzu!
Tobe, Welt, und springe;
ich steh hier und singe
in gar sichrer Ruh!
(Ganzer Text hier.)

Wir sehen: Genitiv- und Dativkonstruktion friedlich nebeneinander.
Ist eine meiner Lieblingsstellen der Motette, weil’s da so schön stürmisch durch die Stimmen wogt, immer mit dem „TaROTZ“ als Gischt auf dem Wellenkamm.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Trotz!“

  1. pepa meint:

    Genau!
    Trotz!

    Noch bevor ich überhaupt weitergelesen habe, hatte ich eben jene Stelle aus „Jesu meine Freude“ im Ohr.
    Chorsingen prägt ungemein.
    :-)

  2. Stephan meint:

    Wahrscheinlich stehe ich furchtbar auf dem Schlauch, aber: Wo findet sich in Ihrem Beispiel eine trotz+Genitiv-Konstruktion? „Des Todes“ ist doch wohl ein Genitiv-Attibut zu „Rachen“.

    BTW, ist „trotz“ hier Präposition oder Imperativ??

  3. Stephan meint:

    Hat mir doch ein Pseudo-Satori das Hirn vernebelt: Hochkultur trotz trotz mit Dativ war die Pointe. Bin aber auch nur unter der Dusche Tenor.

  4. Chronistin meint:

    Bei „trotz“ bin ich auch keine Kasusfanatikerin, aber das neuerdings oft gehörte „ohne dem“, das lässt mir die Ohren flattern.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Stimmt, Stephan: So, wie’s oben geschrieben steht, kann die zweite Zeile auch ein Dativ sein. Ich hatte es immer als „Trotz des Todesrachen“ im Kopf. Meine Kasustoleranz gründet also möglicherweise auf einem Verleser.

    „ohne dem“, Chronistin, gehört in die Hassgruppe, in der auch „entgegen des“ und „schöner wie“ wohnen. Ich war schon mal soooo kurz davor, einem Vorstandsmitglied verbessernd ins Wort zu fallen.

    Pepa: ES IST NUN NICHTS, nichts…!

  6. der Haltungsturner meint:

    … oder auch das si-hihihi-hihihingehet ist wunderschön. Trotz allem meine Lieblingsmotette und mein einziger echter Zugang zu Bach bisher. Habe ich mir für meine Beerdigung ausbedungen. Leider wohl von CD, welcher Chor kann das heute noch, ist ja auch noch doppelchörig….

  7. die Kaltmamsell meint:

    Ach, für „sihihihihihi…“ oder „Der Gahahahahahahahist hihilft“ habe ich einen guten Kontakt zu meinem damaligen Chor. Die sihihingen sowas immer noch.
    Falls Du allerdings nicht in Oberbayern begraben werden möchtest, wird das eine teure Angelegenheit. Besser ein gutes Erbe hinterlassen.

  8. pepa meint:

    Solche Doppelchorkönner gibts auch hier in Berlin – bin gerade erst in der letzten Woche von einem solchen kontaktiert worden.

    (((Die wollten mich als Aushilfs-Altistin für die Mucke – nicht als Notarzt!)))
    „Tobe Welt und sprihihihinge…“

  9. Capillarubra meint:

    Das muss aber nicht unbedingt ein Fehler sein. Trotz ist nämlich auch der Imperativ von trotzen. Es wird also dazu aufgefordert, dem alten Drachen zu trotzen. Allerdings ist es inhaltlich natürlich verwunderlich, dass ab der nächsten Zeile trotz in der anderen Bedeutung verwendet wird.

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