Ha. Ha. Ha.

Montag, 20. März 2006 um 8:19

Noch beim Lesen des tatsächlich grandiosen Interviews mit Rudi Carell im freitäglichen SZ-Magazin fiel mir ein, warum ich die Shows der Generation Frankenfeld/Carell schon als Kind doof fand (und damals durfte ich so wenig fernsehen, dass ich bereit war, sogar die Sportschau sehenswert zu finden): das Aufgesetzte der auswendig gelernten „spontanen“ Dialoge.

Die als „Sketche“ deklarierten Szenen fand ich im Gegensatz dazu mehr oder weniger lustig, aber nicht peinlich. Doch fast jedesmal, wenn ein neuer Prominenter auf die Fernsehbühne zu Carell kam, führten Sie einen Dialog, der selbst für ein Kind ganz offensichtlich vorher geübt worden war – und taten so, als wären ihnen die Scherze eben erst eingefallen. Das war mir peinlich. Dass man das solche Auftritte gut schauspielern und timen kann (Timing war etwas, was gerade Herr Carell nicht hatte), dass das vorherige Üben nichts ausmacht, stellte ich erst als Erwachsene beim Gucken amerikanischer Shows fest (vielleicht erinnert sich jemand an die Oscar-Präsentation von Lily Tomlin und Meryl Streep vor zwei Wochen?). Und es war genau die Abwesenheit dieser auswendig gelernten Dialoge, die mich in den 80ern für Joachim Fuchsbergers Heut’ abend begeisterte, weil der oft schlagfertige Austausch dort so anders war.

Ganz wunderbar subtil veralbert hat die Carell-Art deutscher Nachkriegs-Shows – wobei die Nachkriegszeit in so manchen Volksmusik-Sendungen bis heute lebendig gehalten wird – Vico von Bülow („Ein Klavier, ein Klavier!“), unter anderem mit Der 60. Geburtstag. Es ist ja nicht so, als hätte die deutsche Fernsehkultur nicht auch Qualität und Profis zu bieten.

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Ha. Ha. Ha.“

  1. kid37 meint:

    Ja, man muß sich hüten diese 70er-Jahre-Vergangenheit zu überhöhen. Aber bei einem der letzten Rückblicke sah ich nochmal diesen Ausschnitt, als Carell in einer seiner Sendungen völlig ernsthaft ein Lied für seine Mutter sang – nicht unsentimental, aber eigentlich auch ohne Kitsch und vor allem ohne dieses Sicherheitsnetz aus Ironie und Augenzwinkern wie es heute so üblich ist. Und nicht immmer angemessen. Da haben die Raabs und Bonings dieser Welt noch einen weiten Weg vor sich.

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