Auf meinem Weg in die Arbeit (36): Ufop, Mitpendlerinnen

Mittwoch, 17. Mai 2006 um 8:46

Am Kleiderhaken neben dem ICE-Fenster hängt ein druckfrisch riechendes Magazin: Es heißt Rapsmagazin und wird veröffentlicht von einem Verein mit der schönen Abkürzung Ufop. Mag vielleicht jemand ihren Sohn so nennen? Wenn es doch auch Geschichten von Leuten gibt, die ihr Kind Üffes rufen? Die Geschichte von Üffes, die Frau Dasnuf mal aufschrieb, habe ich schon sehr oft weiter erzählt – immer mit dem Problem der Quellenangabe („Ich hab da mal im Internet gelesen“ klingt schon arg lahm). Aber vielleicht habe ich mir die Geschichte heimlich selbst mit Dasnuf als Autorin ausgedacht, denn auch nach einer halbstündigen Suche finde ich sie nicht mehr bei ihr. Hier die Geschichte von Üffes (danke, Uwe!).
Ufop ist die „Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V.“ und will im Rapsmagazin mit Hochglanzbildern, dominantem Gelb, Rezepten und der Behauptung, die Kreter kochten traditionellerweise mit Rapsöl und Margarine, weshalb sie auch besonders alt würden, über Rapsöl aufklären und dafür werben.

Gegenüber an meinem Vierertisch sitzen zwei Frauen, die ich regelmäßig in diesem Zug sehe, wohl Pendlerinnen wie ich. Sie blättern gemeinsam in einer Mittelklasse-Frauenzeitschrift und lesen einander kommentiert die Werbung vor: „Mit Faltenbügeleffekt. Moanst, des macht meine Falten aa weg?“ – „Frosch Weichspüler.“ – „G’schminkt schaung mir aa besser aus.“
Dann diskutieren sie die Arbeitskollegin, die letzthin in der Mittagspause zu Kartenlegerin gegangen ist. Die aufgefordert worden sei, ihre Pläne weiterzuverfolgen, sich selbständig zu machen. Dass alles gut werde. Auffallend: Wenn sie die Kartenlegerin zitiert, wechselt die Erzählerin von breitem Bayrisch in angestrengtes Hochdeutsch.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Auf meinem Weg in die Arbeit (36): Ufop, Mitpendlerinnen“

  1. The Exit meint:

    Rapsöl wird sicher der neue Beautytipp und Mittelklassepraktikantinnen arbeiten bereits an Fotostrecken für Ihre Mitpendlerinnen!

  2. uwe meint:

    liebe kaltmamsell,

    hier finden sie die geschichte von üffes.

  3. maz meint:

    Hmm, als ich noch studierte kam Rapsöl wegen der Gefahr der Herzverfettung (ich glaube dafür sorgte die Erucasäure, bin mir aber nicht allzu sicher) nur als alternative Energiequelle in Frage (wobei die Energie- und Kostenbilanz nicht allzu sehr dafür sprachen, landwirtschaftliche Erzeugnisse, in dieser Form zu nutzen)…
    Tsst, tsst, wie sich die Zeiten halt so ändern.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank, Uwe!

  5. Mareike meint:

    Üffes…
    Ach du lieber Himmel. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

  6. croco meint:

    Über Üffes hab ich mich damals schon kugelig gelacht ;-)))
    Das sieht meine ehemalige Nachbarin mit ihrem “Paskwaale” alt dagegen aus.

  7. Lila meint:

    Tränen gelacht. Ich hab mich vollkommen in der Kette von Links, Backtracks und Kommentaren verfangen und mich erinnert, welch Entsetzen mich befiel, als ich vor ein paar Jahren für meine Jüngste einen Namen suchte… und mich unvorsichtigerweise auf Vornamens-Seiten für werdende Eltern begab. Hier sind ein paar Grusel-Links für Unerschrockene:
    http://www.forennet.org/haukenarvik/YaBB.pl?board=ddd
    http://www.rund-ums-baby.de/vornamen/

    Das Prinzip ist klar: kein Name ohne ae oder y.

  8. Pernod meint:

    Ich heiße mit Vornamen Pascal. Das ist nicht lustig was die Leute teilweise draus machen.
    Aber schlimmer sind die vielen Nicoles der Jahrgänge ’70 bis ’80 im Rheinland dran.
    Mal Nickkoll oder Niekohle, je nach Landstrich.

    Aber der Üffes schlägt sie wirklich alle.

  9. betonblogger meint:

    Ja, das Rapsmagazin hatte es auch mir angetan: Rapsodie in gelb. Oder: Raps für Öl. Oder auch: Bahnreisen flutscht, u.a. ebenfalls ausgelöst durch die Abkürzung UFOP (und andere sprachliche Holprigkeiten), die dummdreiste Werbeflöterei und die einfallslose Bebilderung.

    Der Raps muss einfach wieder in unser aller Bewusstsein dringen, lasst uns mehr über Raps schreiben, er hat es verdient (und nötig).

    Ölige Grüße

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