Fronleichnamskitsch

Donnerstag, 15. Juni 2006 um 8:29

Möglicherweise muss ich gleich platzen vor lauter sublime Natureindrücken. Hier draußen auf dem Balkon duftet herzzerreißend die Frische eines Sommermorgens vor Einsetzen der Hitze, es riecht nach Tau und Erde und Blättern und Lindenblüten und Brise vom Park herüber. (Allerdings sitzt irgendwo in Riechweite ein frisch rasiergewässerter Mensch, vermutlich ein balkongenießender Nachbar, den die Brise ebenfalls erfasst und zu mir trägt.) Dazwischen stiebt eine laut schimpfende Amsel durch die Morgenruhe, die Meisen piepsen ganz selten dazwischen, eher schon höre ich Schwalben einander zupfeifen. Die Morgensonne bringt die Buchenblätter am Eck zum Glitzern, wie mit einem Bühnenspot die Reste des niedergemetzelten Hollerbusches („mei, dea ganze Drehg auf de Autos!“) zum Strahlen. Es ist Feiertag, und so kreuzt nur alle paar Minuten ein Radler die Straße, geht jemand in eine der umliegenden Kliniken zum Dienst.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Fronleichnamskitsch“

  1. Tanja meint:

    Wie schön! Fronleichnam ist für mich einer der merkwürdigsten Feiertage überhaupt. Weil ich ihn als Bewohnerin eines reformierten Kantons regelmässig vergess’ und denk, dass die Geschäftspartner in anderen Kantonen fälschlicherweise den Telefonbeantworter angeschaltet gelassen haben. Dass ich einmal auf einem einen entsprechenden Hinweis hinterlassen habe, gehört zu den grösseren Fettnäpfen meines Businesslebens.

  2. croco meint:

    Und die Prozession geht nicht an ihrem Haus vorbei? Kein Altar mit Blumen?Das sind so meine Erinnerungen….

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